(moz) September können sich Planer um den Auftrag für ein städtebauliches Entwicklungskonzept für den Bereich Winterhafen – Lebuser Vorstadt bewerben. In der Studie sollen Maßnahmen zum Umwelt- und Hochwasserschutz berücksichtigt werden; zudem heißt es in der Ausschreibung, dass sie Vorschläge zur Finanzierung und der Gewinnung von Investoren beinhalten soll.
Im Stadtentwicklungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung ist das Thema auf Betreiben der CDU vor der Sommerpause immer wieder zur Sprache gekommen. Unter anderem hatten sich die Abgeordneten Carola Leschke und Michael Schönherr dafür ausgesprochen, die Flächen an der Oder nicht wie zunächst von der Stadtverwaltung favorisiert als Solarparks zu nutzen und so für eine Wohnbebauung zu blockieren. Einen Fürsprecher hatte das Projekt auch in Frank Hammer (Linke), der als Beleg für den Chancenreichtum eines solchen Projektes Wohnbauten am Wasser in Pariser Vorstädten anführte. Der ehemalige Baudezernent Peter Edelmann (SPD) argumentierte damals, eine grundhafte Altlastensanierung der Flächen sei „wirtschaftlich völlig unvertretbar“. Eine Nutzung für Wohnbauten sei daher „völlig unrealistisch“. Es seien auch keine Haushaltsmittel für ein solches Vorhaben eingeplant.
Neuen Schwung brachte im Mai der gerade zum Oberbürgermeister gewählte Martin Wilke (parteilos) bei einer Veranstaltung zur Entwicklung des Regionalen Wachstumskerns Frankfurt/Eisenhüttenstadt in die Debatte. Er sprach sich dafür aus, an Frankfurts nördlichem Oderabschnitt eine Wohnbebauung zu prüfen. Man dürfe sich die „Chance, nicht nehmen lassen, diesen Standort zu entwickeln“, untermauerte er gestern seine Haltung. Das Ganze müsse aber seriös geprüft werden.
Nun sollen die Bebauungspläne für das Gelände möglicherweise geändert beziehungsweise neu aufgestellt werden. Unklar ist indes die Umweltbelastung des etwa 73 000 Quadratmeter großen Winterhafengeländes. Nach Angaben des Umweltamtes wurde das Areal jahrzehntelang als Mülldeponie der Stadt Frankfurt genutzt – die Aufschüttung vor allem aus Hausmüll, Asche und Bauschutt ist nach Worten der Amtschefin Anette Eger drei bis sechs Meter dick. Vermutlich aus der Zeit der anschließenden Nutzung durch die Westgruppe der sowjetischen Armee stamme eine Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) im nördlichen Bereich, berichtet Katrin Wroblewski, in der Behörde für den Bodenschutz zuständig. Bekannt sei auch, dass der Boden mit Mineralölkohlenwasserstoffen und anorganischen Stoffen wie Blei, Cadmium, Quecksilber und Zink belastet sei. Eine Gefährdung für Mensch und Tier gehe davon momentan nicht aus.
Vor Aufstellung eines Bebauungsplanes empfehlen die Expertinnen eine stichprobenartige Untersuchung. Ziel sei es, tendenziell zu prüfen, ob eine Bebauung denkbar ist. Vorgeschlagen werden zwei Proben pro 10 000 Quadratmeter; die Kosten sind mit 5000 Euro veranschlagt. Bei Aufstellung eines Bebauungsplanes seien umfangreiche Untersuchungen nötig. Der PKA-belastete Boden müsse komplett ausgetauscht werden – Kostenpunkt bis zu 190 000 Euro.
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