Platkow (moz) Rau und undurchdringlich scheint das Waldgebiet bei Platkow. Dass dort mittendrin ein Loch ist, sieht man nur auf Landkarten. Es ist der militärische Truppenübungsplatz. Jedes Jahr kommen mehr als 10 000 Soldaten dorthin, um das Scharfschießen zu üben.
14 Kilometer sind nötig, um die Zone einmal zu umrunden. Um das Gebiet stehen 130 Schilder und Warntafeln, die „Lebensgefahr“ ankündigen. Das Sperrgebiet liegt mitten im Wald und darf nur mit Genehmigung der Bundeswehr betreten werden. Pilzsucher und andere Zivilisten haben dort nichts zu suchen. Sie werden vom Platz verwiesen – denn mitten im Wald wird scharf geschossen.
Hinter dem von Bäumen geschützten Schlagbaum fegt kalter Wind über braches Land. Das trübe Grau des Himmels geht scheinbar übergangslos in die Sandfläche des Geländes über. Hauptfeldwebel Rudolf Goldhorn steht an einem Wachturm und schaut aufmerksam in die Ferne. Er trägt Uniform, Käppi, dicke Stiefel. Trotz der Kälte ist er gut aufgelegt. 750 Hektar umfasst das Gebiet, für das er zuständig ist. Ein Übungsplatz müsse eine gewisse Dimension haben, sagt er. „Sie begründet sich einfach durch das Waffensystem. Wo geschossen wird, da sind sehr große Sicherheitsbereiche notwendig.“ Zwar wird nur in einem kleinen Gebiet scharf geschossen. Dennoch ist der Sicherheitsbereich einige Kilometer weit. Dort herrscht Ruhe, sagt Goldhorn, und die wirke sich besonders positiv auf das Wild aus. Eine Kompanie des Luftwaffenausbildungsregiments ist am Abend zuvor aus Strausberg angereist. Jetzt schießen einige der Rekruten hinein in das Zentrum des Übungsplatzes, mit Schnellfeuergewehren. Das Training gehört zur Grundwehrdienstausbildung. Mehr als 10 000 Soldaten kommen jedes Jahr aus Strausberg, Storkow, Berlin und Beelitz nach Platkow, um sich im Scharfschießen zu üben, mehr als 420 000 Stück Munition kommt zum Einsatz.
Volltreffer. Eine Staubwolke steigt auf, kurz danach eine zweite. Die Scheiben, halb so groß wie ein Mensch, auf denen Soldaten angedeutet sind, wurden getroffen. Früher mussten die Scheiben aufwendig per Seilzug bewegt werden. Heute funktioniert alles vollautomatisch. Hans-Jürgen Wiesian sitzt in einem Wachturm und steuert die 90 Ziele mit einem Laptop. Per Funkgerät verständigt er sich mit dem Ausbildungsleiter. Die Arbeit erfordert eine Menge Aufmerksamkeit. In Platkow können zehn Soldaten gleichzeitig mit Schnellfeuergewehren schießen, zehn weitere mit Pistolen. Das geht sonst auf keinem anderen Trainingsgelände der Bundeswehr in Deutschland.
Der Übungsplatz in Platkow ist im Vergleich zu anderen relativ jung. Er wurde zu DDR-Zeiten gebaut, Anfang der 70er-Jahre. In Neuhardenberg, was damals noch Marxwalde hieß, wurde zuvor ein Luftwaffengeschwader der Nationalen Volksarmee eingerichtet. Die Infanterie sollte ebenfalls in der Nähe üben. Bei Platkow wurden schließlich 80 Hektar Wald dafür gerodet. „Früher rollten hier sogar Schützenpanzer“, sagt Hauptfeldwebel Goldhorn. Die Soldaten übten auch mit Handgranaten und Panzerfäusten. Das gibt es heute nicht mehr.
Eigens für die Versorgung wurde 1986 „Haus 12“ errichtet. Für bis zu 600 Soldaten wurde dort täglich gekocht. Vier Jahre später schloss die Küche wieder, die meisten Mitarbeiter wurden entlassen. Wie auch der Glaser, Tischler, die Maler, die einst in der Sicherheitszone beschäftigt waren.
Heute betreuen nur noch drei Zivilisten den Übungsplatz.Wie die Zukunft des Geländes aussieht, ist ungewiss. Fest steht, dass sie eng mit dem Hauptnutzer verbunden ist, dem Strausberger Ausbildungsbataillon. Mitte 2011 sollen innerhalb der Bundeswehr Fragen zur Stationierung im Bundesgebiet geklärt werden, sagt Günter Bohn, Oberstleutnant und Presseoffizier in Strausberg. Die „Umsetzung der Zielstruktur“ wird dann von 2012 bis 2016 erfolgen.
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