Seelow (moz) Sechs Architekturbüros entwarfen Modelle für Übernachtungspavillons, die an Radwegen aufgebaut werden sollen. Ein Berliner und ein Strausberger Büro erhielten für ihre Ideen den ersten Platz.
Die Außenwände und das Dach sollten aus regional typischen Baustoffen hergestellt werden. Fußböden aus PVC waren verboten, genau wie glänzende Dachsteine. Vier Betten, eine Sitzmöglichkeit, Dusche, WC, eine Kochgelegenheit und ein Abstellraum für vier Fahrräder mussten die Übernachtungspavillons beinhalten, die die sechs Architekturbüros entwerfen sollten. Und das alles durfte nicht mehr als 30 000 Euro kosten.
So sahen nur einige der Baunormen und Vorschriften aus, die die LAG Oderland für ihren Architekturwettbewerb vorgegeben hatte. Vergangene Woche wurden die zwei Sieger (KSV Krüger Schuberth Vandreike aus Berlin und Thorsten Schubert + Partner aus Strausberg) und ein dritter Platz (Keller Mayer Wittig aus Cottbus) von der Jury gekürt.
Hintergrund für die Ausschreibung ist die wachsende Zahl an Gästen und Touristen, die das Land Brandenburg jedes Jahr zu verzeichnen hat. Dadurch ist ein erhöhter Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten entstanden – vor allem an den vielen Radwegen der Region, denn in der Vergangenheit wurden in Brandenburg über 10 000 Kilometer Radweg neu errichtet.
Normalerweise bekommen die Sieger eines Architekturwettbewerbs nach einem Sieg den Bauauftrag. Das sieht hier anders aus. Jedes der sechs Büros erhält zunächst einmal eine Prämie von 6550 Euro – ganz egal, ob Sieger oder Verlierer. „Die Gewinner bekommen auch nicht sofort einen Folgeauftrag. Noch haben wir ja keine Bauherren, aber jeder aus der Region, der interessiert an den Modulen ist, kann sich an uns wenden“, sagt Andreas Schmidt von der LAG Oderland. Das können Unternehmen, Privatpersonen oder Vereine sein, die neue Übernachtungskapazitäten schaffen möchten. Denn Interesse an solchen Übernachtungsplätzen bestehe schon lange, weiß Schmidt. Im nächsten Schritt werden Rahmenvertragspartner gesucht, die die Schlafmodule dann zu einem Festpreis schlüsselfertig produzieren und vor Ort montieren. Finanziert wurde das Architekturprojekt zu 85 Prozent aus Mitteln des Förderprojektes „Leader“, das innovative Ideen e im ländlichen Raum unterstützt. Der Rest wurde von der LAG Oderland getragen.
Und was ist nun das Besondere an den Sieger-Modellen, die die Jury am Ende überzeugen konnten? „Unser Entwurf spiegelt die traditionelle Langhausform der Oderland-Häuser wieder“, sagt Torsten Krüger vom Berliner-Architektenbüro. Außerdem sei der Pavillon gänzlich aus Holz. Und womit konnte der zweite Sieger überzeugen? „Wir haben die Form sehr reduziert und die Gestaltung der Natur entnommen“, sagt Thorsten Schubert. Ihm lag vor allem die Funktionalität des Moduls am Herzen: „Ich bin Bergsteiger und wenn ich in eine Hütte komme, will ich mich erst mal hinsetzen, etwas im Rücken haben und meinen Rucksack loswerden“, erzählt Schubert von seinen Erfahrungen.
Als Preis überreichte Landrat Gernot Schmidt den Gewinnern Apfel- und Kirschbäume. Architekt Torsten Krüger resümiert: „Ich war schon bei vielen Architekturwettbewerben, aber einen Apfelbaum haben wir noch nie geschenkt bekommen. Das spricht für die Originalität des Wettbewerbs.“
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