Angermünde (moz) Gut behütet ist die neue Leiterin des Angermünder Ehm-Welk- und Heimatmuseums. Nicht weil sie ihren Wohnsitz in die Uckermark verlegt hat, sondern weil sie sich mit Hüten, Mützen und Helmen umgibt. Allerdings aus beruflichen Gründen – für eine einmalige Hutausstellung.
Hut ab! Museumsleiterin Julia Wallentin – mit Marinemütze – und Mitarbeiter Lutz Libert bereiten die Hutausstellung im Angermünder Museum vor. Lutz Libert zeigt den Originalhut des berühmten Malers Emil Schumacher.
„Mein Hut, der hat drei Ecken“, heißt es in einer altbekannten Liedzeile. Gemeint ist der berühmte Dreispitz, den auch der Preußenkönig aufsetzte. Einen echten aus dieser Zeit hat Julia Wallentin zwar nicht auftreiben können, aber zumindest eine Kopie. Die Chefin des Angermünder Ehm-Welk- und Heimatmuseums hat den Ruf „Hut ab!“ wörtlich genommen. Sie zeigt in ihren Räumen in der Puschkinallee ab Sonnabend die Kulturgeschichte des Hutes. Und die reicht bis in die Steinzeit zurück, wenn man es recht bedenkt.
Doch so weit geht die Suche nach originellen und typischen Kopfbedeckungen dann doch nicht. Ältestes Stück ist eine Rauchermütze, gefertigt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Den sogenannten Fez mit orientalischem Einschlag trugen damals Männer beim Rauchen. Zum einen sollte es schick aussehen, zum anderen hatte die Mütze einen ganz praktischen Hintergrund: Man schützte seine Haare vor dem Gestank der Pfeifen.
Weitaus besser und vor allem härter schützten sich zu dieser Zeit die Gendarmen und Polizisten sowie des Kaisers Offiziere mit den berühmten Pickelhauben. Davon hat das Museum ein Originalexemplar bewahrt. Die Pickelhauben konnten jedoch mehr als nur den tätlichen Widerstand von Gesetzesbrechern abwehren. Gleichzeitig waren sie stets Schmuck, Bestandteil einer Berufskleidung, Statussymbol und Ausdruck ihres Trägers, als Staatsdiener zu wirken.
„Viele Hüte haben gleich mehrere Funktionen“, sagt Julia Wallentin. „Man kann an den Kopfbedeckungen sehr sehr viel erkennen.“ Mit Stolz tragen die Handwerker bis heute Zimmermannshüte, Bäckermützen oder andere Berufssymbole nicht nur bei der Arbeit.
In früheren Epochen schien man dem Hut ohnehin eine deutlich stärkere Bedeutung zuzumessen. Welcher Bürger, der auf sich hielt, verließ schon das Haus ohne Zylinder? Berühmt ist auch der Ausruf „Mir platzt die Hutschnur“. Doch von der ausgesprochen wechselvollen Alltagsmode wandelte sich die Behütung zum Luxus- und Schmuckobjekt. Das zeigen vor allem die 20er, 30er und später wieder die 50er Jahre.
Da getragene Hüte nur in den seltensten Fällen den Weg ins Heimatmuseum fanden, musste Julia Wallentin auf private Leihgaben und Bestände des Modemuseums Meyenburg zurückgreifen. Leider sind bis heute keine Kopfbedeckungen uckermärkischer Trachten erhalten geblieben. Dafür wird jetzt der echte Hut des Nachkriegsmalers Emil Schumacher – ein berühmter Mitbegründer abstrakter Kunst – gezeigt.
Die Ausstellung wird am 11. September um 15 Uhr mit einem Hut-Vortrag eröffnet.
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