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Stephanie Lubasch 09.09.2010 18:23 Uhr

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Künstler auf Landpartie

Frankfurt (Oder) (moz) Ferdinand von Hohenzollern ist ein Stadtmensch. Gemeinsam mit seiner Frau, einer Künstlerin, lebt und arbeitet der Architekt in Berlin. Beide brauchen und mögen, was ihnen die Metropole bietet. Dennoch bevorzugen sie an den Wochenenden seit geraumer Zeit das Leben auf dem Lande. Ferdinand von Hohenzollern ist zu einem Freizeit-Uckermärker geworden. Sich in den Weiten der Region zu erholen, ist dem 50-Jährigen jedoch zu wenig. Gemeinsam mit anderen Hauptstadtflüchtern hat er vor zwei Jahren den Verein „Freunde der Uckermark“ gegründet, um Kultur aufs Land zu bringen. Ein erstes, damals relativ spontan organisiertes „UM-Festival“ wurde zum Erfolg; an diesem Wochenende nun soll ein zweites folgen.

  Kunst an Feldsteinmauer: Franziska Hünig beim Aufbau der Installation „Landstück“ (Acryl auf Werbeplane) in Fergitz © UM-Festival

Das zweitägige Programm in Suckow, Pinnow, Fergitz und Sternhagen kann sich sehen lassen. Zwei Dutzend Bildende Künstler aus der Region ebenso wie aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland arbeiten entweder extra für dieses Wochenende oder stellen mitgebrachte Werke zum Festivalthema „Sehnsucht“ aus. Daneben gibt es Konzerte mit Musikern wie Elektro-Pionier Thomas Fehlmann, Lesungen unter anderem von Judith Hermann und dem in Gerswalde lebenden Harald Martenstein, eine Tänzerin des Staatsballetts Berlin tritt auf und Mathew Hale präsentiert Harold Pinters „Der willkommene Fremde“ als Performance, die er gemeinsam mit Uckermärkern erarbeitet hat.

Der Kontakt zu den eingeladenen Künstlern ist meist auf privater Ebene entstanden. „Unser Freundeskreis hat einen festen Kern von 15 Leuten“, erzählt Hohenzollern. „Der eine kennt Musiker, ein anderer hat Kontakt zur Literaturszene.“ Finanziert wird das Wochenende durch Mitgliedsbeiträge, den Landkreis und die Gemeinde Gerswalde sowie viele Sponsoren, darunter das PCK Schwedt. Außerdem hat ein ungewöhnliches Benefizkonzert ein wenig Geld in die Kassen gespült: „Falling in love with the Uckermark“ – „Verliebt in die Uckermark“ hieß es im Mai dieses Jahres im Berliner Technoklub „Tresor“. Thomas Fehlmann und Gudrun Gut, die selbst zum Freundeskreis gehören, legten dort zu Gunsten des Festivals auf.

„Die Uckermark ist eine schöne Gegend und die Menschen sind toll, das gibt uns den Kick, uns derart zu engagieren“, erklärt Ferdinand von Hohenzollern solcherart Einsatz. Dem Vorurteil, Berliner fallen kurz in die Provinz ein und stülpen ihr mitgebrachte Kunst über, stellt er sich gelassen. „Wir sind eine Gemeinschaft geworden, die gern hier raus fährt, aber keineswegs isoliert ist“, sagt er. „Und wir wollen etwas in die Region hineintragen, das ihr Aufmerksamkeit bringt, sie mit etwas Positivem verbindet.“ Man hoffe, dass sich daraus auch Synergien entwickeln. „Schon in diesem Jahr werden ja gleichzeitig Dorffeste in Fergitz und Sternhagen stattfinden, wir haben Gastronomen angesprochen, die Getränkestände aufstellen werden, und Radverleiher.“ Von den Gästen, die zum Festival kommen, könnten alle profitieren.

Und natürlich, betont Hohenzollern, gebe es ein inhaltliches Anliegen. „Wir wollen ja nicht hier einfliegen und was hinstellen, weil die Uckermark als Kulisse so schön ist.“ Vorhaben wie Schweinemastanlagen, die Förderung großflächiger Landwirtschaft zum Beispiel sieht man kritisch. „Die Politik denkt, die Leute hier ziehen eh alle weg, und dann kann man so was machen.“ Das Festival sieht der Freundeskreis als Möglichkeit, „neue Interessenten in die Region“ zu locken und auf solche Entwicklungen aufmerksam zu machen.

Dass das Leben auf dem Land nicht nur rosig ist, wissen die Teilzeit-Uckermärker. Eine romantische Verklärung der Provinz liegt ihnen – angesichts von Arbeitslosigkeit und Abwanderung – fern. Dennoch gebe es da diese Sehnsucht nach einer Alternative, die man als Stadtmensch hin und wieder habe und aus der sich nun das diesjährige Festivalthema speist. Künftig will man das, was jetzt komprimiert an zwei Tagen geboten wird, übrigens gern über den ganzen Sommer verteilen. Denn trotz all der Arbeit: „Die Sache macht auch riesigen Spaß!“

2. UM-Festival, 11./12.9., jeweils ab 11 Uhr, in Fergitz, Pinnow, Sternhagen und Suckow

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