Frankfurt (moz) . Es ist ein Schreckens-Szenario: Der Bundesinnenminister besucht eine Veranstaltung im Kleist Forum. Terroristen haben eine Bombe unter seinem Sitz versteckt. Ein Fall für die Spürhunde der Bundespolizei, die auf die Suche nach Sprengstoff besonders trainiert sind.
Fleiß und Disziplin gelten gemeinhin als preußische Tugenden. Wer, wenn nicht eine deutsche Schäferhündin, sollte sie verkörpern? Die achtjährige Hündin Attra hat ihre Emotionen jedenfalls fest im Griff. Gelangweilt liegt sie auf dem blauen Teppich. Dem Medienrummel um ihre Person schenkt sie keine Beachtung. Ihre Metamorphose vom lethargischen Tier zum wachsamen, hochkonzentrierten Spürhund macht sie binnen Sekunden auf Kommando durch.
Diensthundeführer Dieter Beck und Attra bilden eine verschworene Einheit. Das Tier folgt den Befehlen seines Meisters aufs Wort. Kurze Kommandos, leise Pfiffe und schnelles Klatschen sind die Signale. Den Rest erledigt Attra mit ihrer Nase. Die Hündin sucht überall, wo Dieter Beck es ihr befiehlt. Mit Erfolg: In der neunten Reihe findet sie unter einem Sitz den Köder aus militärischem Sprengstoff. Doch sie schlägt nicht etwa bellend oder kratzend Alarm, sondern legt sich mucksmäuschenstill auf den Boden. Zur Belohnung darf sie in ein mit dem Geruch des Sprengstoffs präpariertes „Bringsel“ beißen. Ihr Jagd- und Spieltrieb ist vorerst befriedigt. „Im Ernstfall will ich gar keinen Erfolg haben“, sagt René Kaiser, Diensthundelehrwart der Bundespolizeidirektion Berlin. „Doch wir müssen die Hunde ständig trainieren, damit sie auch dann erfolgreich sind, wenn es um eine tatsächliche Bedrohung durch Sprengstoff geht.“ Mindestens zweimal im Monat müssen die Tiere zum vorgeschriebenen Training. Einmal jährlich beweisen sie ihre Fähigkeiten in einer Prüfung.
„Mit Kommissar Rex hat das hier nichts zu tun“, erläutert René Kaiser seinen Job. „Ein Hund ist ein Lebewesen, das wie wir Menschen fehlbar ist. Er ist ein Hilfsmittel, das wir möglichst zu 100 Prozent kalkulierbar einsetzen wollen.“ Ein Hund könne 20 bis 30 Minuten lang seine volle Leistung abrufen. Vor einem erneuten Einsatz brauche er die gleiche Zeit, um sich wieder zu erholen. Schwierigster Teil der Ausbildung sei es, dem Hund ruhiges Verhalten bei einem Fund beizubringen. „Es ist auch wichtig, dass der Hund mal ohne Erfolg auskommt. Sonst entwickelt er die Erwartungshaltung, dass es immer etwas zu finden gebe und versucht irgendwann, den Erfolg selbst herbeizuführen, indem er sich einfach so hinlegt.“ Deshalb versteckt René Kaiser nicht in jeder Trainingsrunde Sprengstoff. Wichtig sei auch der gute Kontakt zwischen Hund und Hundeführer. Die beiden leben immer unter einem Dach.
Was aber, wenn ein Hund tatsächlich einmal eine Bombe fände? Das Gebäude würde zunächst geräumt. Ein Entschärferteam käme aus Berlin, um die Bombe mit einem Miniroboter oder einer Wasserkanone zu entschärfen.
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