Nürnberg (DPA) Sie galten jahrzehntelange als verschollen - inzwischen sind die Originale der „Nürnberger Gesetze“ im Internet für jedermann einsehbar. Auf der Webseite des US-Nationalarchivs in Washington können sich Geschichtsinteressierte in aller Welt seit neuestem einen Eindruck von den mit Schreibmaschine verfassten und von Hand verbesserten Nazi-Dokumenten verschaffen. Im Besitz des Nationalarchivs sind sie erst seit ein paar Wochen.
Vorher waren sie jahrzehntelang von der Huntington Library and Art Gallery im kalifornischen San Marino unter Verschluss gehalten worden. Erst 1999 machte die Bibliothek öffentlich, dass sie im Besitz der Originaldokumente war. Bis dahin hatten viele Historiker geglaubt, die mit den Unterschriften von Adolf Hitler und mehreren seiner Minister unterzeichneten Gesetze seien im Feuersturm des Zweiten Weltkrieges vernichtet worden.
Tatsächlich aber hatte sie, wie Historiker recherchierten, der Nürnberger Oberbürgermeister Willy Liebel während des Zweiten Weltkriegs dem Leiter der Nürnberger Reichsbankzweigstelle übergeben, der sie wiederum in einem Banktresor in Eichstätt aufbewahrte. Der war es auch gewesen, der die Dokumente nach der Kapitulation im April 1945 dem US-Geheimdienst aushändigte. So seien sie schließlich nach jüngeren Recherchen von US-Forschern in das Hauptquartier von US- General George S. Patton in Erlangen gelangt.
Warum Patton das Material seinerzeit nicht bei der in Paris eingerichteten Sammelstelle für Beweismaterial für den geplanten Kriegsverbrecherprozess ablieferte, sondern in der Huntington- Bibliothek deponierte, ist auch bei Geschichtswissenschaftlern umstritten. Jedenfalls dauerte es 54 Jahre, bis sich die Huntington- Bibliothek dazu bekannte, die Gesetze schon seit Kriegsende verwahrt zu haben. Erst vor wenigen Wochen - am 25. August - übergaben Vertreter der kalifornischen Huntington-Bibliothek dem Nationalarchiv die Gesetze.
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