Angermünde (moz) Die Bau- und Wohnungsgesellschaft Angermünde mbH meldete am Donnerstag ihre Zahlungsunfähigkeit an. Als Grund nennt die Geschäftsführung den Wegfall von Einnahmen durch die Zwangsverwaltung von Wohnhäusern. „Die amerikanischen Kreditaufkäufer zwingen die BWG GmbH in die Knie“, sagt die Geschäftsführung. Für die Mieter ändere sich jedoch vorerst nichts. Angermündes Bürgermeister Wolfgang Krakow zeigte sich wenig überrascht. Seit langem werde die Entwicklung der Gesellschaft mit Sorge beobachtet, sagt er und fügt hinzu: Die Auswirkungen auf die Stadt werden derzeit geprüft.
Die Nachricht schockiert. Sie kam jedoch nicht unerwartet. Die Bau- und Wohnungsgesellschaft Angermünde ist pleite. Der neue BWG-Geschäftsführer Murat Kapli teilte offiziell die Zahlungsunfähigkeit seiner Gesellschaft mit. Drei Jahre nach der Privatisierung der einst kommunalen Wohnungsgesellschaft scheinen sich die Kassandra-Rufe zu bewahrheiten. Die Stadt hatte unter großen Protesten von Bürgern die marode Wohnungsgesellschaft für symbolische zwei Euro an Investoren der Nau-Gruppe verkauft, die im Gegenzug versprach, die Bürgschaften der Stadt über 9,6 Millionen Euro bis zum 27. September 2008 abzulösen. Diese Verpflichtung ist bis heute nur zu einem Teil erfüllt worden.
Inzwischen änderten sich die Strukturen, wurden verschiedene Gesellschaften gegründet, wechselten mehrmals die Geschäftsführer der BWG. Die Probleme sind geblieben.
„Amerikanische Kreditaufkäufer zwingen die BWG in die Knie“, besagt der neue BWG-Geschäftsführer Murat Kapli. Er erklärte gestern, dass die Gesellschaft ohne die Verwaltungseinnahmen aus zwangsverwalteten Objekte nicht mehr überlebensfähig sei. „Die durch die amerikanischen Kreditaufkäufer Lonestar Funds und deren Handlungsträger Hudson Advisors München gegen ein Großteil der durch die BWG verwalteten Häuser in Angermünde eingeleitete Zwangsverwaltung hat zu einem Wegfall der Einnahmen geführt“, erklärt Murat Kapli. Man habe bis zum Schluss gehofft, die gegen Hudson Advisors wegen der Zwangsverwaltung geführten Prozesse zu gewinnen, zumindest einen für die BWG tragbaren Vergleich auszuhandeln. „Diese Bemühungen sind leider zeitmäßig nicht erfolgreich umzusetzen gewesen. Daneben wurden alle Anstrengungen unternommen, die Darlehen von Hudson Advisors noch rechtzeitig abzulösen. Leider verliefen auch diese Bemühungen aus verschiedensten Gründen, unter anderem wegen der schlechten Standortbeurteilung für Angermünde, fruchtlos“, so Kapli.Zur Kostensenkung wären weitere Personalmaßnahmen erforderlich gewesen, die aber aufgrund der historischen kommunalen Tarifstruktur nicht ohne erhebliche Kosten umsetzbar waren.
Nun sollen die unter die Zwangsverwaltung des Rechtsanwaltes Hans-Martin Bergsdorf gestellten Häuser zwangsversteigert werden.
Zwangsversteigerungsverfahren und Zwangsverwaltungsverfahren laufen allerdings grundsätzlich unabhängig voneinander, betonte Rechtsanwalt Hans-Martin Bergsdorf. „Ein Zwangsverwalter ist grundsätzlich nicht Beteiligter des Zwangsversteigerungsverfahrens. Soweit ein Zwangsverwaltungsverfahren fortdauert, bleibt der Zwangsverwalter für die Mieter Ansprechpartner in allen Belangen des Mietverhältnisses. Es ändert sich vorerst nichts.“
Auch für die Mieter der nicht von Zwangsverwaltung betroffenen Häuser der BWG Beteiligungs GmbH & Co. Erste bis Dritte KG werde sich nichts ändern, versicherte BWG-Chef Murat Kapli. Die BWG Beteiligungs GmbH & Co. Erste bis Dritte KG, (laut Grundbuch Eigentümer), sei von der Zahlungsunfähigkeit und einer Insolvenz nicht betroffen. Dabei handelt es sich um 460 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Die noch nicht vermieteten Wohnungen sollen sukzessive saniert und vermietet werden.
Man werde die Hausverwaltung in den nächsten Wochen neu strukturieren, so Kapli. Die Mieter werden schriftlich informiert. Die Zukunft der noch verbliebenen Mitarbeiter sei ungewiss. Die Verwaltung werde in Kürze ein neues Verwaltungsbüro in der Altstadt beziehen, kündigte Kapli an. Das Verwaltungsgebäude in der Schleusenstraße wird demnächst zwangsversteigert, ebenfalls betrieben von Hudson Advisors.
Bürgermeister Wolfgang Krakow, der gestern von der Zahlungsunfähigkeit der BWG informiert wurde, zeigte sich wenig überrascht. „Die durch die Westend Olympic GmbH, ein Tochterunternehmen des amerikanischen Lonestar Funds, eingeleiteten Zwangsmaßnahmen wurden bisher bereits mit Sorge betrachtet. Der Fonds hatte in der Vergangenheit Kredite, u. a. auch der BWG, aufgekauft und deren Verwertung vorangetrieben“, informiert Wolfgang Krakow. Es sei daran erinnert, dass die Stadt Angermünde mit Zustimmung der Kommunalaufsicht 2006 ein Sanierungsverfahren für die BWG eingeleitet hatte, das vor allem an der fehlenden Mitwirkung des durch die Inkassogesellschaft „Hudson Advisors GmbH“ vertretenen „Lonestar Funds“ gescheitert ist. „Die BWG hatte in der Vergangenheit ihre Wohnungen auf andere Gesellschaften (BWG Beteiligungs GmbH & Co Erste bis dritte KG) übertragen. Die Mieter zahlen ihre Miete bereits seit einiger Zeit an diese Gesellschaften als neue Vermieter. Für die Mieter ändert sich durch die Zahlungsunfähigkeit der BWG vorerst nur ihr Ansprechpartner für die Hausverwaltung“, erläutert Wolfgang Krakow.
Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich zuletzt im nichtöffentlichen Teil der SVV am Mittwoch Abend über die Entwicklung der BWG und der mit ihr verbundenen Unternehmen informieren lassen. Die Stadt Angermünde wird nun prüfen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Zahlungsunfähigkeit auf die Stadt als juristische Person haben wird.
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Neueste Kommentare
21.05.2012 16:46:10 B. Fröhlich
Umbau der Verwaltung notwendig
21.05.2012 16:29:14 Zdenka Kotková
Remember that!
21.05.2012 16:27:55 Dr. Simone Wendtland-Hilpsch
Die Schau war sehr schön, aber was hier von einem "Verzweifelden" ...
21.05.2012 16:18:23 heinzi
@ kein hundealter
21.05.2012 16:10:45 heinzi
dazu müsste ich erwarten,