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Ackerland für Biobauern

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Daniela Windolff / 29.09.2010, 21:34 Uhr
Angermünde (In House) Die Uckermark wird zur Modellregion für den Biolandbau. Zwölf Ökobauern im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin haben sich zur Bauerninitiative Ökolandbauregion Südliche Uckermark zusammengeschlossen. Damit ist der Fortbestand des größten zusammenhängenden ökologischen Ackerbaugebietes in Europa gesichert.

Mit einem bundesweit einzigartigen Projekt haben zwölf ökologisch wirtschaftende Agrarunternehmen ihr wichtigstes Kapital, den Boden, langfristig gesichert und ihre Betriebe dadurch stabilisiert. Ein mit privatem Geld von Anlegern und Stiftungen gespeister Fonds, der von der GLS-Bank initiiert wurde, hat 2550 Hektar Ackerland von der Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft BVVG erworben und verpachtet diese Flächen an die bisherigen Landnutzer mit der Verpflichtung, darauf mindestens 18 Jahre lang weiter ökologischen Landbau zu betreiben. Jährlich müssen die Pächter nachweisen, dass die Flächen ökologisch nach EU-Richtlinien bewirtschaftet werden, sonst können sie fristlos gekündigt werden.

Anlass dieser Initiative war das Privatisierungskonzept der BVVG für ehemalige volkseigene Flächen, die meistbietend ausgeschrieben wurden. Die mühsam geschaffenen Agrarstrukturen drohten zerstört zu werden. „Wir standen zunehmend unter Druck, bei den enorm gestiegenen Bodenpreisen nicht mehr mithalten zu können. Hinzu kam ein beachtlicher Zufluss von Risikokapital in den Bodenmarkt auch von Nichtlandwirten. Spekulationen auf hohe Agrarerzeugerpreise, zum Beispiel durch die Bioenergiebranche, führen zu Kampfpreisen. Als Einzelbetrieb waren die Probleme nicht mehr zu lösen. Es war eine gesunde Wut, die uns zu neuen Ideen führte“, begründet Stefan Palme, Biobauer aus Wilmersdorf, die Initiative.

Die Uckermark war von der Privatisierungspolitik besonders betroffen durch den hohen Anteil ehemaliger volkseigener Güter, die nach der Wende an die Treuhand und die Nachfolgegesellschaft BVVG übergingen. Rund 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind BVVG-Flächen. Im Landesdurchschnitt sind es zehn Prozent. Einige Betriebe wie das Gut Wilmersdorf oder Gut Temmen bewirtschaften bis zu 90 Prozent BVVG-Flächen. „Die Privatisierung nach Höchstgebot hätte viele in die Knie gezwungen“, sagt auch Schäfermeister Jens Kath, dessen Flächen gänzlich BVVG-Flächen waren. Zum Kaufen fehlt den meisten Bauern das Kapital.

„Ökolandbau ist auf langfristige Sicherheit angewiesen“, betont Landwirt Johannes Niedeggen vom Gut Kerkow. Er hat erst vor einem Jahr begonnen, seinen Betrieb auf Bio umzustellen und will dem Bio-Bodenfonds beitreten. Martin von Haaren hat seine Betriebe in Petznick und Mittenwalde bereits zu 70 Prozent auf Öko umgestellt. „Grund und Boden müssen kalkulierbar sein, das geht nur bei langfristigen Pachtverträgen.“ Das Bio-Fondsmodell war deshalb für ihn ein Anreiz, diesen schon lange angedachten Schritt zu vollenden.

„Zum Freundschaftspreis konnte jedoch auch der Fonds die BVVG-Flächen leider nicht erwerben“, räumt Stefan Palme ein. Der Kaufpreis betrug je nach Bonität zwischen 2220 und 14 200 Euro je Hektar. Die Gesamtkaufsumme betrug 12,8 Millionen Euro. Somit wird sich auch der Pachtpreis für die Fondsflächen um 50 bis 100 Prozent erhöhen müssen. „Es bleibt ein hartes Ringen. Ohne Flächenbeihilfen kann hierzulande kein Bauer schwarze Zahlen schreiben, aber zumindest sind unsere Flächen langfristig für den Ökolandbau gesichert“, resümiert Stefan Palme.

Für Uckermark-Landrat Dietmar Schulze ist das Fondsmodell Pionierarbeit in Deutschland, das nicht nur Betrieben die Existenz sichert, sondern auch Naturschutz und nachhaltige Landnutzung im Biosphärenreservat vereint. Insgesamt 12 000 Hektar werden in der Uckermark ökologisch bewirtschaftet, davon 7800 Hektar von den zwölf Fondsbetrieben.

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