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Abkochanordnung erregt die Gemüter

BRIGITTE HORN / 04.10.2010, 19:14 Uhr - Aktualisiert 05.10.2010, 07:25
Bernau/Biesenthal (In House) Die Abkochanordnung für das Trinkwasser aus der Ruhlsdorfer Straße bringt immer mehr Unruhe unter die Bürger. Die einen kochen strikt alles ab, andere gehen lax daran und ändern ihren Gewohnheiten nicht. Vor wenigen Tagen hatten der Wasser- und Abwasserverband „Panke/Finow“ (WAV) und die für ihn arbeitenden Stadtwerke Bernau eine Abkochanordnung herausgegeben. Danach ist das Wasser, auch für das Abwaschen von Obst und Gemüse und das Zähneputzen, abzukochen.

Dazu kommt dann noch der Ärger über die Art der Bekanntmachung. Warum sei denn nicht die Information jedem betroffenen Haushalt per Postwurfsendung zugegangen, fragt Werner Hill aus Biesenthal. Nicht zuletzt seien auch die Energiekosten zu betrachten, die für das Abkochen des Trinkwassers anfallen.

Die MOZ fragte in dieser Angelegenheit noch einmal nach und musste feststellen, dass die Auffassungen zwischen dem Barnimer Gesundheitsamt und den Stadtwerken auseinandergehen. Die gefundenen coliformen Keime seien nicht gesundheitsschädlich und keine Fäkalkeime, hieß es bei den Stadtwerken. Nach deren Sicht seien es Umweltkeime, die es praktisch überall gebe. Bei einem Test hatte man zwischen fünf und 47 dieser Keime in 100 Milliliter Wasser aus einem Behälter des Wasserwerks an der Ruhlsdorfer Straße in Biesenthal gefunden. In den Leitungen gebe sie es nicht, weil sie dort nur kurze Zeit überlebten, erklärte Elke Goldbach von den Stadtwerken. Richtig sei, dass der Behälter desinfiziert werde und Kontrollen erfolgen bis die Keimzahl wieder bei Null sei, erklärte sie. Eine Gesundheitsgefahr bestehe aber ihrer Ansicht nach nicht und habe auch nicht bestanden, weil es sich um überall vorkommende Umweltkeime handele. Man habe auch Proben aus dem Rohrnetz gezogen. Die seien in Ordnung gewesen.

Demgegenüber vertritt das Gesundheitsamt die Auffassung, dass nicht alle koliformen Keime gesundheitsgefährdend sein müssen, sie es aber auch sein könnten, erklärte Pressesprecherin Marianne Schlestein. „Das heißt, dass es zu Durchfällen kommen kann.“ Richtig sei, dass man in dem fraglichen Wasserbehälter nicht die gefährlichen Keime Escherichia coli (E. coli) gefunden habe, die schlimme Durchfälle verursachen könnten. „Wenn heute die Proben alle in Ordnung sind, dann ist auch wieder alles gut“, sagte Marianne Schlestein gestern.

In vier von fünf der gestrigen Proben lag die Keimzahl bei der geforderten Null. Nur an einer Stelle muss noch einmal nachgeprobt werden, so die Fachfrau von den Stadtwerken. Und was die Stromkosten betrifft, so müsse das im WAV-Vorstand besprochen werden.

Kommentare

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Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann 04.10.2010 - 21:02:49

Fäkalien im Trinkwasser sind der Skandal - nicht die Energie zum Abkochen

Abgekocht werden müssen die Wasserwerksbosse! Oft Fäkalien im Trinkwasser: Das Bayerische Landesamt warnt: Legionellen immer im Trinkwasser, Fäkalkeime in bis zu 33% der Proben. Anderswo in Deutschland wird das nicht anders sein. Das UBA berichtet über häufigere Nachweise von coliformen Bakterien. Prof. Exner, Chef der Trinkwasserkommission vom Bundesgesundheitsministerium, hat oft Enterobacter cloacae im Trinkwasser aus Talsperren nachgewiesen. Das Veterinäruntersuchungsamt Krefeld hat in Trinkwasser in 20% der Proben Rotaviren gefunden. Der 1. Zwischenbericht Reine Ruhr in NRW betont wie auch der jetzt vorliegende Statusbericht die Belastung des Trinkwassers durch Viren. Das Liefern von Trinkwasser mit Krankheitserregern steht unter Strafe! Wasserwerke mit der üblichen Technik können Krankheitserreger nicht gut genug filtern oder abtöten. Trinkwasser enthält oft Bakterien, Parasiten und Viren. Deshalb muss Trinkwasser mit der Ultrafiltration für einen halben Euro je Person und Monat aufbereitet werden. http://sites.google.com/site/trinkwasservirenalarm/Trinkwasser-Viren http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12909 soddemann-aachen@t-online.de

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