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Oliver Köhler 10.10.2010 22:09 Uhr - Aktualisiert 11.10.10 13:08 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Überleben hinter drei Tonnen Stahl

Ladeburg (moz) Sie sollten im Ernstfall die Regierung der DDR schützen und sogar Atomschläge aushalten können. Doch zwanzig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist von der Bedeutung der einzigen Prestigeobjekte nicht viel geblieben. Heute interessieren sich stattdessen viele Besucher für das Innenleben der milliardenschweren Bauten. Im ehemaligen Gefechtsstand der 41. Fla-Raketenbrigade „Hermann Duncker“ in Ladeburg etwa gab es am Wochenende eine Führung.

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© MOZ/Sergej Scheibe

„Wir machen solche Veranstaltungen bereits seit Jahren, haben immer eine große Resonanz“, berichtet Torsten Stein, der sich mit drei anderen Bunker-Begeisterten des Areals in Ladeburg angenommen hat. Auch dieses Mal finden sich über den Tag verteilt wieder einige Dutzend Interessierte ein.

Was die Besucher zu sehen bekommen, erinnert zunächst kaum noch an die frühere militärische Nutzung. Nachdem das 1986 in Betrieb genommene Bauwerk, aus dem der Luftraum über Berlin überwacht wurde, 1990 zunächst von der Bundeswehr weiter genutzt und später an das Tierheim Ladeburg verkauft wurde, fallen vor allem die vielen Tiere auf, die über das Gelände streifen. „Der Tierheim hat hier seinen Gnadenhof“, erklärt Stein, der für die Führung in Tarn-Uniform der NVA erschienen ist.

Nach einem Gang durch einen 30 Meter langen Tunnel und eine drei Tonnen schwere Stahltür 
zeigt sich ein anderes Bild. Es riecht muffig. Kaltes Licht strahlt von der Decke auf die weiß getünchten Wände. Im Normalbetrieb waren in den 68 Räumen auf zwei Etagen 
30 bis 40 Soldaten im 24-Stunden-Dienst beschäftigt. Im Ernstfall hätten sogar 110 Soldaten Platz gefunden – und 14 Tage ausharren können. „Wie sinnvoll das bei einem Atomschlag ist, kann jeder für sich selbst beantworten“, lautet Steins launischer Kommentar dazu.

Heute dürfen die Besucher gerade einmal zwei Stunden innerhalb der bis zu fast vier Meter dicken Wände bleiben. Es reicht aus, um sich ein Bild machen zu können. „Diese Bunkeranlagen gehören zu meiner Geschichte“, sagt Steffen Gottheit, der mit seiner Frau aus Blumberg gekommen ist. Er hat auch schon andere Bunker besichtigt und ist erstaunt, dass sich außer ein paar Enthusiasten niemand darum kümmert. „Das sind doch auch Baudenkmäler“, erklärt er.

So ähnlich sieht das auch Torsten Stein. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hat er in den vergangenen neu Jahren viel Zeit aufgewendet, um die Betonhülle wieder mit Technik zu füllen. Und so stehen im Funkraum heute wieder zahlreiche Geräte, mit denen sich zumindest Amateurfunk betreiben lässt. Auch der Dispatcher-Raum hat wieder seine Funktion. „Von hier lässt sich die gesamte Anlage überwachen“, sagt Stein stolz.

In anderen Räumen haben die Bunker-Freunde alte Uniformen ausgestellt. Karten und Bilder hängen wieder an den Wänden. Sogar die Regale in den Vorratskammern sind wieder aufgefüllt – mit Vollkorn-Brot in Dosen und Makrelenfilet in Senfsoße. Auch wenn die Dosen bereits 1989 abgelaufen sind und nicht mehr für den Verzehr taugen. „Es soll eben alles möglichst im Original zu erleben sein“, sagt Stein. Das gibt es in anderen Bunkeranlagen kaum.

Den Besuchern gefällt es. Zumal sie mit ihrem Besuch auch noch einen guten Zweck unterstützen. Denn das Eintrittsgeld kommt als Spenden dem Tierheim Ladeburg zugute.

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