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Eine Werkstatt im Freien


Bei der Arbeit:  MOZ-Kunstpreisträgerin Emirita Pansowová (r.) hält das Modell einer Madonna in der Hand, die sie aus Stein arbeiten will.
Bei der Arbeit: MOZ-Kunstpreisträgerin Emirita Pansowová (r.) hält das Modell einer Madonna in der Hand, die sie aus Stein arbeiten will. © Foto: Klaus-Peter Rudolph
FOSCHROEDER / 12.10.2010, 08:50 Uhr
(In House) Von Klaus-Peter Rudoph

Biesenthal Nicht immer, wenn es im Wald klopft, sind Spechte am Werk. Manchmal sind es auch Künstler – das 2. deutsch-polnische Bildhauersymposium findet derzeit unter dem Thema: „Mensch und Natur“ am Biesenthaler Schlossberg statt.

Daran beteiligen sich diesmal sieben Künstlerinnen und Künstler. Darunter sind vier Deutsche, zwei Polen und eine Slowakin. Besucher können erleben, wie aus einem unscheinbaren Felsbrocken oder einem Holzstamm beeindruckende Skulpturen entstehen. Das schöne Wochenendwetter lockte denn auch viele Biesenthaler und Gäste in den Schlosspark, wo sie staunend und bewundernd die Arbeiten verfolgen konnten.

Organisiert wurde die Werkstatt im Freien von Anne Schulz, Bildhauermeisterin aus Biesenthal. „Erstmals hatte wir eine solche Veranstaltung anlässlich der 750-Jahr-Feier vor zwei Jahren“, erzählt die 45jährige. „Wir wollen den interessierten Bürgern Einblicke in unsere Arbeit geben und diese Veranstaltung auch zum Austausch untereinander nutzen.“

Anne Schulz engagiert sich seit Jahren für ihre Heimatstadt. In verschiedenen Gremien versucht sie, Ideen für ein schöneres und lebenswerteres Biesenthal einzubringen. Die Aktion der deutsch-polnischen Bildhauer soll ein Beitrag zur Sanierung des Schlossparks sein, auch wenn die hier geschaffenen Kunstwerke nicht im Parkgelände aufgestellt werden dürfen.

„Der Schlosspark ist als Bodendenkmal deklariert“, erklärt die Künstlerin. „Deshalb dürfen hier keine Veränderungen vorgenommen werden. Aber ich hoffe, dass unsere Aktion ein Beitrag ist, dem Park mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und damit die nötigen Sanierungsmittel schneller zu bekommen.“

Fehlendes Geld war und ist auch für das von Schulz organisierte Symposium ein Thema. „Ich habe lange gebraucht, um wenigsten das Geld für die Unterkunft und die Verpflegung unserer Gäste zusammenzutragen“, berichtet sie. „Für die Polonia-Stiftung waren wir zu wenige. Da müssten mindestens 20 Künstler mitmachen, um von dort Geld zu bekommen. So musste ich sehr viele Klinken putzen und und eine Menge Schriftkram bewältigen, bis ich 5 000 Euro zusammen hatte. Und das reicht gerade für die Unkosten. Alle Künstler arbeiten hier umsonst.“

Das Symposium findet noch bis zum 15. Oktober statt. Die entstandenen Kunstwerke werden danach zwei Jahre lang am Radweg Berlin-Usedom im Stadtgebiet Biesenthal aufgestellt. Danach gehen die Skulpturen an die Künstler zurück. „So haben wir dann die Chance, unsere Werke später zu verkaufen“, erklärt Anne Schulz. „Ohne diese Möglichkeit hätte ich wohl niemanden für die Aktion begeistern können.“

Emirita Pansowová lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Sie ist eng mit der Organisatorin befreundet und arbeitet oft mit ihr in einer Werkstatt zusammen. „Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, hier dabei zu sein“, erklärt die Slowakin. „Ich will meine Freundin unterstützen und Biesenthal ist auch für mich zur zweiten Heimat geworden.“ Sorge macht der Bildhauerin nur der extrem harte Stein. „Immer wieder werden die Meißel stumpf. Das Schärfen braucht viel Zeit. Ich weiß nicht, ob ich in der knappen Frist meine Madonna fertig bekomme.“

Ganz anders sieht es bei Violetta Holownia aus. Die polnische Laienkünstlerin ist mit ihrem Mentor Jerzy Kuzminski angereist und hat sich den etwas weicheren Werkstoff Holz gewählt. Ihre Pegasus-Skulptur ist bereits gut erkennbar. Derweil formt ihr Lehrmeister die Skulptur einer Kauernden aus festem Granit. Bei ihm sind erst die oberen Konturen erkennbar. Aber Schlag für Schlag nähert er sich dem angestrebten Ziel. Im Gegensatz zu Anne Schulz arbeitet er nach einer Zeichnung.

Die Biesenthaler Künstlerin hat wie die Slowakin Pansowová ein Tonmodell als Vorlage angefertigt. Sie will ein Wildschwein aus dem harten Granit-Findling modellieren. Neben dem üblichen Steinmeißel geht sie auch mit einer Flex dem Steinbrocken zu Leibe. Ob ihr harter Stein am Ende des Symposiums tatsächlich dem Modell entspricht, weiß sie auch noch nicht. „Es könnte sein, dass ich nur eine Seite bearbeite und den Rest in seiner Ursprungsform belasse“, überlegt die Meisterin. „Ich habe mich hier um alles zu kümmern. Zur Arbeit komme ich ich nur gelegentlich. Es wäre schön, wenn mich zukünftig jemand organisatorisch unterstützen könnte.“ Angesprochen sind dabei die Stadt Biesenthal, der Landkreis Barnim und der Deutsch-Polnische Begegnungsfonds. Sie alle haben zwar zwischen 1000 und 2000 Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt, aber die Arbeit bleibt doch bei Anne Schulz hängen. Etwa 120 Stunden hat sie in die Organisation für das Projekt bislang investiert – und das kostenlos.

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