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Schulunterricht ohne Kreide

© Foto: MOZ/Sabine Steinbeiß
Sabine Steinbeiß / 18.11.2010, 08:39 Uhr
Wriezen (In House) Eine kreidelose Tafel ist in der Salvador-Allende-Schule in Wriezen installiert worden. Das sogenannte Whiteboard birgt viele moderne Einsatzmöglichkeiten. Bevor es jedoch praktisch im Unterricht eingesetzt wird, müssen die Lehrer der Grund- und Oberschule die Schulbank drücken.

„Sie sind die Maus“, sagt Regina Funk und erntet das Schmunzeln von einem Dutzend Lehrern. Die Dozentin steht an einer weißen Tafel und klappt mit ihrem Finger – wie von Zauberhand – das Menü des Computers auf. Die moderne Technik macht es möglich: Ein Laptop ist mittels eines Kabels an einen Projektor 
(Beamer) angeschlossen. Dieser überträgt das Computerbild auf die große weiße Fläche.

„Wir müssen die Kinder auf eine Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten, in der der Computer allgegenwärtig und ein ganz selbstverständliches Arbeitsinstrument ist“, erklärt Regina Funk. Die zertifizierte Dozentin arbeitet bei der Firma Minhoff in Berlin. Diese bietet kostenfreie Whiteboard-Schulungen für Lehrer an. Denn die neue Technik aufstellen ist die eine Seite, die Beherrschung die zweite Seite der Medaille.

Und so drücken am Dienstagnachmittag zwölf Lehrer des Grund- und Oberschulteils die Schulbank und erfahren allerhand Neues. Denn die interaktive Tafel kann viel mehr als nur zum einfach Schreiben genutzt werden. Mittels eines speziellen Computerprogramms gibt es tausende Hilfen für verschiedene Unterrichtsfächer. So sind Notenlinien ebenso möglich wie kariertes und liniertes Papier oder ein farbig unterlegtes Koordinatensystem. „Ganz wie der Lehrer es sich wünscht“, erklärt 
Regina Funk.

Mit schnellen Handgriffen zaubert sie ein imaginäres Klavier auf die große Fläche. Ein paar Fingertipps und die aufgemalten Noten verwandeln sich in Töne. „So können sie beispielsweise gleich kontrollieren, ob alles stimmig ist“, weiß die Fachfrau. Sie erntet erstaunte Gesichter. Aber auch die Verbindung zum Internet fehlt nicht. „Sie können im World Wide Web nach den passenden Unterrichtsthemen suchen und gleich hier auf die Tafel projizieren.

„Letztens lief eine Reportage über Karl den Großen im Fernsehen. Das würde ich gern mit meinen Schülern ansehen“, wünscht sich eine Lehrerin. „Kein Problem“, sagt Regina Funk. Mit wenigen Klicks ist die richtige Mediathek im Internet gefunden, kurze Zeit später läuft der Vorspann auf der großen Leinwand an. „Der Ton ist über die mitgelieferten Boxen zu hören“, erklärt sie.

Aber auch Fotos, vorbereitete Folien, Präsentationen und vieles mehr können für alle Schüler sichtbar an die Wand projiziert werden. „Durch die Integration des interaktiven Whiteboards in den Unterricht wird die Arbeit mit den Neuen Medien zur Selbstverständlichkeit“, erklärt Regina Funk. Der Computer werde in der Rolle genutzt, die ihm auch im Berufsleben zukommt: Als leistungsfähiges Werkzeug, das in vielen Disziplinen eingesetzt werden kann, ohne die Technik in den Vordergrund zu rücken.

Die gute alte Kreidetafel hat ausgedient. Nur ein letzter Vorgang bleibt gleich: das Abwischen. Anstatt eines Lappens kann man beim Whiteboard entweder zum Schwamm greifen. Oder man fährt einfach mit der bloßen Hand über die digitale Tinte. „Alles ohne dreckig zu werden oder Kreidestaub an den Händen zu haben“, sagt Regina Funk.

Die Lehrer der Allende-Schule drücken an diesem Nachmittag nicht nur die Schulbank. Sie dürfen sich auch praktisch an der interaktiven Tafel ausprobieren. „Es schreibt sich ganz anders“, ist die einhellige Meinung. Ungläubigkeit herrscht, als sich die Stiftfarbe von allein ändert. Sie springt von Rot zu Grün, weiter zu Blau und Schwarz.

Die Dozentin wendet einen kleinen Trick an. Denn die Stifte liegen in einer Mulde, die mit einer Lichtschranke gekoppelt ist. „Wenn ein Stift herausgenommen wird, weiß der Computer, welche Farbe die Schrift haben soll“, so die Whiteboard-Fachfrau. Und wenn mehrere Stifte gleichzeitig entnommen werden? Dann merkt sich die Technik, welche Farbe zuletzt die Mulde verließ.

„Die moderne Technik hält nun auch in unserer Schule Einzug“, freut sich Schulleiterin Sibylle Fuhge. Das Whiteboard soll auch bald den Schülern vorgestellt werden. „Ich bin gespannt, wie die Technik aufgenommen wird.“

Ein Whiteboard, auch Weißwandtafel oder weiße Tafel genannt, ist eine Weiterentwicklung der nur mit Kreide beschreibbaren Schultafel. Das Bild wird von einem Beamer projiziert. Das Whiteboard stellt über Sensoren ein Koordinatensystem dar, das es ermöglicht, einen Computer mit all seinen Funktionen und für alle sichtbar einzusetzen.

Das Steuern des Computers erfolgt per Fingerdruck oder mit einem batterie- und kabellosen Stift. Auf dem Whiteboard werden die Menüs wie mit der Maus bedient und wird mit dem Stift oder mit dem bloßen Finger geschrieben. Mit einem Whiteboard lassen sich über jedes vom Computer angezeigte Bild handschriftliche Ergänzungen legen.

Am weitesten verbreitet sind Whiteboards als moderne Tafel im Klassenzimmer, weltweit sind rund 1,5 Millionen Klassenräume mit einem Whiteboard ausgestattet. Nach einer 2008 vorgelegten Studie sind an Schulen rund 26 000 Whiteboards (Tendenz steigend) vorhanden, die die herkömmliche Kreidetafel allmählich ablösen.

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