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Dziuks Küche und Pustki spielen zur Eröffnung der Transvocale

Musiker mit trockenem Witz: Danny Dziuk bei seinem Transvocale-Konzert in Slubice
Musiker mit trockenem Witz: Danny Dziuk bei seinem Transvocale-Konzert in Slubice © Foto: MOZ/Dietmar Horn
Uwe Stiehler / 19.11.2010, 19:09 Uhr - Aktualisiert 20.11.2010, 14:01
Slubice (In House) Danny Dziuk spielt auf der Transvocale. Es gibt eine Menge Dinge, die er nicht sein will: Liedermacher zum Beispiel, die deutsche Ausgabe von Bob Dylan und Deutschrocker. „Und erst recht bin ich kein Scheiß-Comedian.“ Einen musikalisch sehr begabten Dichter könnte man ihn nennen, der beim Singen manchmal knarrt wie eine alte Kommode, auch ein bisschen so aussieht und in seinen Liedern träumt: „Könnt ich werden, was ich will, ich wär das Wetter im April.“

Was seine Songs betrifft, so kommt er diesem Wunsch ziemlich nahe. Da tobt er sich aus zwischen emotionalem Sonnenschein und Bodenfrost. Seine Texte haben Charme und köstlich trockenen Witz. Mit ihnen drückt er kräftig den Finger auf verschiedene Wunden und freut sich diebisch, wenn es weh tut. „Kühn“ nennt die Jury der Transvocale, was Danny Dziuk mit seiner Band „Dziuks Küche“ zusammenbäckt und hat den Musikern zur Festivaleröffnung am Donnerstagabend in Slubice einen der beiden diesjährigen Transvocale-Preise verliehen. Den anderen bekam die polnische Band Pustki.

Sie greift noch härter in die Saiten als „Dziuks Küche“. Pustki wühlt exzessiv in punkigen, manchmal psychedelischen Sphären. Diese wilde Hatz von Schlagzeug und 
E-Gitarre begleitet ein literarisches Experiment. Die jungen Musiker verneigen sich mit ihren Stücken vor den Großen der polnischen Literatur, vor dem Dramatiker Stanisław Wyspianski, dem Vater des modernen polnischen Theaters und den Dichtern Tadeusz Gajcy und Julian Tuwim. Jeder hat seine Vorbilder, auch Danny Dziuk. Bob Dylan ist das eine, das er zu kopieren nie die Absicht hatte, dem er aber sehr nahe ist. Dziuk ist davon überzeugt, dass keiner seiner deutschen Kollegen den Amerikaner besser verstanden und verarbeitet habe als er. Dabei erinnert er gern an das, was Tom Waits einmal über Dylan gesagt hat. Der bedeute für Liedschreiber ungefähr das, was Hammer und Säge für einen Zimmermann sind.

Die andere Säule, auf die Danny Dziuk seine Musik gebaut hat, ist Johann Sebastian Bach. Bei ihm findet er die Schönheit von Mathematik und Religiosität so perfekt vereint, als wenn der Widerspruch zwischen Glauben und Wissenschaft aufgehoben, als wenn damit Einsteins Satz bewiesen sei, dass Gott nicht würfelt. Dziuks Lieder sind wie ein Spiegel, der zeigt, was eine durchschnittliche irdische Existenz von einem so großen Ideal übrig lässt. Die Männer von „Dziuks Küche“ besingen ein „freundlich verbogenes Christentum“ und bitten „Vater vergibt uns was wir/ tun müssen, um zu überleben hier.“

Ob er nun eine liebenswürdig vernichtende, mit freundlichen Boshaftigkeiten, und widerwilligen Sehnsüchten getränkte Hymne auf sein geliebtes Berlin singt oder mit „Tante Bank“ abrechnet, Dziuk überzeichnet nicht nur, sondern mischt immer auch ein oder zwei Körnchen Wahrheit unter. Er findet hübsche sprachliche Bilder wie das von den „frechen Tatoos auf blutjungen Bankiers“. Und er kann sehr romantisch werden, wenn er von dem erzählt, was alles passiert, wenn zwei wirklich zueinander passen.

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