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Heike Hahn 25.11.2010 17:45 Uhr

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"SOS for Human Rights" im Grips

Berlin (moz) Europa glänzt. Europa besitzt dank seines Reichtums und seiner universell geltenden Menschenrechte eine unwiderstehliche Ausstrahlungskraft, die bis in die entlegensten Gegenden der Welt vordringt. Was viele Europäer nicht wissen: Sie leben in einer Festung.

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Flucht nach Europa: Jamila (Veronica Naujoks, v.l.), Naischa (Dalila Abdallah) und Kerim (Adil El Bouamraoui). Foto: Jürgen Scheer

© promo

„SOS for Human Rights“, eine Kampagne für die Wahrung der Menschenrechte von Flüchtlingen, will auf das süße Festungsleben aufmerksam machen und gleichzeitig an diejenigen erinnern, die keinen Zutritt bekommen. Das Grips-Theater in Berlin unterstützt die Initiative mit einem mobilen Theaterstück, das am Mittwochabend uraufgeführt wurde. Kein leicht verdauliches Schauspiel, was beim Thema auch nicht zu erwarten ist.

Jamila (Veronica Naujoks), Naischa (Dalila Abdallah) und Kerim (Adil El Bouamraoui) sind Prototypen der Flüchtlinge, die versuchen, über das Mittelmeer und andere Wege nach Europa zu gelangen. Das Stück handelt von der Odyssee eines 13-jährigen Mädchens, dessen Familie aus Ghana stammt. Aufgewachsen in Potsdam, kommt es eines Tages zur Abschiebung. „Es geht nach Hause!“, schreit der Polizist. Jamila versteht nicht, sie ist doch schon zu Hause! Mit ihrem Vater wird sie in den Flieger gesetzt und landet in einem Land, das ihr fremd ist.

Erbarmungslose Polizisten in Deutschland, korrupte Grenzsoldaten in Afrika und lüsterne Schlepper, Schleuser, Menschenhändler – manche nennen sie Reiseleiter – säumen den Weg von Jamila und ihrer Cousine Naischa aus Ghana. Als ihr Boot auf dem Mittelmeer kentert, müssen sie sich eine Rettungsinsel mit Kerim aus Afghanistan teilen. Ihm erzählen sie ihre Geschichte, er selbst schweigt lieber.

Es ist eine ambitionierte Kampagne von Jugendlichen, die angestoßen wurde und Aufmerksamkeit braucht. Täglich geschehen an den Grenzen der Europäischen Union Menschenrechtsverletzungen, wenn Flüchtlingen auf hoher See die Hilfe verweigert wird oder sie in Lagern eingesperrt werden. Das Theaterstück, geschrieben von Susanne Lipp und umgesetzt von Philipp Harpain, ist aber kein typisches Grips-Stück. Es ergreift einseitig Partei, ist problem- und textbeladen. Vor dem vermeintlich sorglosen Zuschauer mit EU-Pass wedelt beständig der erhobene Zeigefinger. Dass Europa ein besseres Leben bedeutet, wird kaum in Frage gestellt. Das Problem sei im Grunde nur: „Wie hinkommen, ohne zu sterben?“

Die stärksten Momente des Stückes sind die, wenn die Lebensrealität der westlichen Welt aufs Korn genommen wird. Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Menschenrechte haben Grenzen, irgendwo im Mittelmeer, irgendwo in der Wüste eines Flüchtlinglebens.

Ab 12 Jahre; Nächste Veranstaltungen: 25.11., 26.11., 2.12., Grips im Podewil, , Berlin-Mitte, Tel. 030 39747477

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