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Stasi-Beichte am Strand

Lesung: Rüdiger Sielaff (r.) begrüßte Ulrike Poppe und Martin Ahrends in der Gedenkstätte.
Lesung: Rüdiger Sielaff (r.) begrüßte Ulrike Poppe und Martin Ahrends in der Gedenkstätte. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 12.10.2016, 05:43 Uhr
Frankfurt (Oder) (rmk) Fast 27 Jahre sind seit dem Fall der Mauer inzwischen vergangen. Nach der Wiedervereinigung erfolgte ein oft mühsamer Prozess der Aufarbeitung des politischen Systems der DDR, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Das belegt auch das Buch, das Martin Ahrends geschrieben hat und das er zusammen mit der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen kommunistischer Diktatur, Ulrike Poppe, am Sonntag in der Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft" in der Collegienstraße vorstellte.

"Verführung, Kontrolle, Verrat - Das MfS und die Familie" beschäftigt sich mit dem Privatleben von Verfolgten und Verfolgern. Das Interesse an der jüngeren Geschichte ist immer noch groß. Der Zuschauerraum jedenfalls war voll besetzt, als der Autor Ahrends sich an die Kontaktaufnahmen zu den beschriebenen Personen in dem Buch erinnerte. Eine etwa habe er zufällig am Strand getroffen - eine ehemalige Mitschülerin, die ihm eine Stasimitarbeit beichtete. Vielen musste er absolute Anonymität zusichern. Nur wenige hat er gefunden, die überhaupt über ihre Tätigkeit beim MfS berichten. Auch die Frage, ob man eine Stasimitarbeit in der Familie besprechen sollte oder nicht, war Thema. Ahrends beschreibt in dem Buch eine Großfamilie, in der jeder weiß, dass einer von ihnen bei der Stasi war und die Familie ausspioniert hat. Die folgenden Familienfeiern finden jedoch unter striktem Ausschluss dieses Themas statt. Es wird totgeschwiegen.

Dabei, findet der Autor, könne man in der jetzigen Zeit durchaus darüber reden. "Es ist eine neue Atmosphäre entstanden, die dies möglich macht", meint Martin Ahrends, der insgesamt 24 Geschichten in dem Buch zusammengetragen hat.

Einmal im Quartal finden die Sonntagsveranstaltungen in der Gedenkstätte statt, erklärte Rüdiger Sielaff, Leiter der BStU-Außenstelle in Frankfurt. Und sie sind fast immer ein Erfolg. Die nächste Veranstaltung - "Unterwegs im Archiv" - ist für den 10. November, 16 Uhr, in der Fürstenwalder Poststraße 87 geplant.

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