Donnerstag, 23. Februar 2012

Frankfurt
regnerisch
4°C/8°C

10.09.2008 08:32 Uhr

artikel-ansicht/dg/0/

Silbertaler unterm Pflug

Neufeld . Der Quappendorfer Wohnbereich Neufeld feierte in diesem Jahr sein 250. Jubiläum. Ortschronist Rolf Ignaz hatte dafür Historisches zum Dorf zusammengetragen.

  ©

Neufeld, die kleine Siedlung an der Alten Oder, die von einer an einen ausgebauten Landwirtschaftsweg erinnernde Straße in der einen Richtung mit Quappendorf, auf der anderen mit Neutrebbin verbunden ist, hat eine bewegte Geschichte. "Quappendorf mit seinem Ortsteil Neufeld ist geradezu typisch für die Geschichte des Werdens und Gehens der Dörfer im Oderbruch", sagt Ortschronist Rolf Ignaz. Während Quappendorf als "Altdorf" gilt, das es bereits vor der Trockenlegung des Oderbruchs gab, wurde Neufeld erst nach der begonnenen Entwässerung des Oderbruches gegründet. Markgraf Karl Albrecht von Sonnenburg legte die Siedlung 1758 als "Vorwerk Karlsfleiss" mit 1000 Morgen Land an. Es dauerte keine fünf Jahre, der Standesherr war gestorben, da erhielt Joachim Bernhard von Prittwitz den Besitz Quielitz zum Dank für die Rettung Friedrich II. in der Schlacht bei Kunersdorf. Dazu gehörte auch Quappendorf, zu dessen Feldmark Karlsfleiss ab 1769 gehörte. Es dauerte nicht lange, da machte sich von Prittwitz Luft: 1770 schrieb von Prittwitz an seinen König, dass die Quappendorfer (und damit auch die Neufelder) "nie dasjenige tun, was ihre Schuldigkeit ist".

"Solche eine klare Ansage muss man sich erst einmal verdienen", schmunzelt der Ortschronist noch heute über diese Zeilen. Es sei dem Dorf immer um seine Eigenständigkeit gegangen.

1805 wurde Karlsfleiss in Neufeld umbenannt. 1814, als Staatskanzler von Hardenberg das Dorf übernahm, hatten die Bauern ihre langersehnte Freiheit - sie waren aber nun auch sich selbst überlassen. "Sie standen damals offenbar vor der Wahl, weiter unter den gewohnten schweren Bedingungen zu arbeiten oder andere Wege zu gehen", erklärt Rolf Ignaz. "In den darauffolgenden hundert Jahren verließen viele ihre Höfe und versuchten in den Städten ihr Glück." Allein zwischen 1910 und 1926 verkauften 21 Bauern ihre 19 Höfe, sechs wurden gänzlich abgebaut. Manch Hof wechselte in zehn Jahren zwölfmal den Besitzer. "Nur die Familien Liese und Wagener blieben", erzählt Rolf Ignatz. Die Wageners stammten noch von den ersten Kolonisten ab. 1928 wurden das Vorwerk Neufeld und Quappendorf zur Gemeinde Quappendorf, ein Jahr darauf wurde Neufeld offiziell Ortsteil der Gemeinde.

Schwere Zeiten kamen auf den Ort auch nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Vieles war zerstört, die meisten Einwohner beim Eintreffen der Roten Armee auf der Flucht. "Die zuerst zurückkamen, machten sich ans Aufräumen", beschreibt Rolf Ignaz diese Zeit. Gefallene und verendete Tiere wurden geborgen, Schützenlöcher zum Teil samt übriggebliebener Munition zugeschüttet. Aber auch nach vergrabenen Schätzen wie Haushaltwaren und Wäsche sei gesucht worden. Maschinenwracks wurden wieder gangbar gemacht, Keller und Ställe hergerichtet. Und ein wenig profitierte man vom Lebensmittelschwarzhandel nach dem Krieg. Das bis zu Fünfzigfache sei seinerzeit bezahlt worden, hat Ignaz in den Chroniken gelesen. Das funktionierte so bis zum Hochwasser 1947. Einen Meter hoch stand das Wasser damals in Neufeld, so der Ortschronist.

Auch andere Geschichten hat er gesammelt. Etwa jene, dass Quappendorf 1911 - vier Jahre vor Neuhardenberg - elektrische Energie bekam. Kurz darauf, 1912, wurde in Neufeld eine freiwillige Feuerwehr gegründet.

Erzählt wird noch immer von der sechsjährigen Erika Liese, die 1919 beim Pflücken eines Blumenstraußes zum Geburtstag ihrer Mutter in der Alten Oder ertrank. Unvergessen sind auch kleine Sensationen. So steht in der Chronik, dass der Landwirt Marquardt einst beim Pflügen nahe des Rohrhorstes 200 Silbermünzen fand, darunter 34 harte, blanke Silbertaler aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Sie sollen heute im Berliner Münzkabinett aufbewahrt werden. "Festgehalten ist auch, dass beim Rübenhacken eine 3000 Jahre alte Tüllenaxt gefunden wurde", erzählt Rolf Ignaz. 2002 fand ein Neufelder beim Ausschippen des Rübenkellers zudem einen 3-Pfennig-Taler von 1855.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Lesezeichen setzen

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

24.08.2011 07:32 Thema

Grünes Licht für Investition

Seelow (ulg) Die Gemeindevertreter von Letschin haben den Weg für die Biomethan- und Photovoltaikanlage in Voßberg freigemacht. Sie stimmten der Änderung des Flächennutzungsplans... mehr

23.08.2011 18:30 Thema

Wenig Zeit und Raum für Bücher

Seelow (MOZ) Rund 4700 Bücher stehen in dem nur 30 Quadratmeter großen Zimmer neben dem Neutrebbiner Gemeindebüro. Gemeindesekretärin Carola Kleinert ist nebenher... mehr

22.08.2011 07:25 Thema

Neuhardenbergs Floriansjünger haben Kräfte gebündelt

Seelow (MOZ) Gefeiert wurde das 20-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr der Gemeinde Neuhardenberg. Doch die Jubiläumsfeier fand am Sonnabend nicht ohne Grund am... mehr




Regionalnavigator

Angermünde Bad Freienwalde Beeskow Bernau Eberswalde Eisenhüttenstadt Erkner Frankfurt (Oder) Fürstenwalde Schwedt/Oder Seelow Strausberg

Ort, PLZ oder Redaktion

Regional

© 2010 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG
...