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Blinde Zerstörungswut

Massive Gewalt: Mit einem Doppel-T-Träger wurden im ehemaligen Bernauer Heeresbekleidungsnebenamt Türen und Eisenschränke aufgerammt. Die Täter hinterließen Chaos und einen Schaden von gut 15 000 Euro.Foto: Verein Panke-Park
Massive Gewalt: Mit einem Doppel-T-Träger wurden im ehemaligen Bernauer Heeresbekleidungsnebenamt Türen und Eisenschränke aufgerammt. Die Täter hinterließen Chaos und einen Schaden von gut 15 000 Euro.Foto: Verein Panke-Park © Foto: Verein Pankepark
Oliver Köhler / 18.01.2011, 06:31 Uhr
Bernau (In House) Seit Jahren ärgern sich Barnimer Kommunen über Vandalismus. In den vergangenen Wochen trieben es die Randalierer besonders schlimm. Die Schäden gehen in die Zehntausende.

Die Liste ist lang und beliebig fortsetzbar: zerstörte Buswartehäuschen, mit Graffiti beschmierte Gebäude, demolierte Geräte auf Spielplätzen oder aufgehebelte Schranken. Über Vandalismusschäden klagen Barnimer Gemeinden schon lange, müssen sie für die Beseitigung doch nicht selten tausende von Euro in die Hand nehmen. Und auch Private leiden unter den Randalierern.

Bereits an den Weihnachtsfeiertagen hatte es den Verein Panke-Park getroffen. Die Mitglieder wollen helfen, das ehemalige Heeresbekleidungsnebenamt in Bernau friedlich und nachhaltig zu entwickeln. Nun benötigen sie aber erst einmal selbst Hilfe – vor allem beim Aufräumen. Denn in eines der riesigen Häuser sind Unbekannte eingebrochen und haben im Innern, in dem sich auch die Räume des Vereins befinden, randaliert. Schwere Türen und Eisenschränke seien mit einem Doppel-T-Träger „einfach aufgerammt“ worden, berichten Mitglieder des Vereins. Was sie wundert: die Täter gingen dabei anscheinend mit System vor. So wurden andere Eingänge zu dem Haus von Innen gesichert, um „Überraschungsbesuche“ auszuschließen. Auch Hintertüren zum Rückzug wurden geöffnet.

Den Diebstahlschaden schätzt der Verein auf 1500 bis 2000 Euro. Der Schaden durch Vandalismus, den die bislang Unbekannten zurückließen, ist jedoch weitaus höher. Gut 15 000 Euro werden es nach einer ersten Inaugenscheinnahme wohl sein.

Ähnlich hoch ist auch der Schaden, den Randalierer in Wandlitz verursachten. Insgesamt vier demolierte Buswartehäuschen sind die traurige Bilanz der Silvesternacht in der Gemeinde. Bei zwei Wartehäuschen in Basdorf in Höhe der ehemaligen Polizeifachhochschule und einem vor dem ehemaligen Kino wurden sämtliche Seiten- und Rückfrontscheiben heraus geschlagen beziehungsweise der Rahmen der Seitenscheiben so verdreht, das alles erneuert werden muss.

Ein ähnlich trauriges Schicksal erlitt ein Buswartehäuschen in der Klosterfelder Geschwister-Scholl-Straße. Besonders ärgerlich ist dort, dass an diesem Wartehäuschen erst vor wenigen Wochen ein Vandalismusschaden repariert worden war. Die Verwaltung hat nun Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Schadenshöhe wurde mit mindestens 10 000 Euro angesetzt.

Noch nicht sicher ist man sich in der Wandlitzer Verwaltung, wie künftig mit derartigen Schäden umzugehen ist. Würden die vier zerstörten Buswartehäuschen jetzt instand gesetzt, wäre das im Gemeindehaushalt 2011 eingestellte Budget für die Reparatur von Vandalismusschäden von Buswartehäuschen vollständig aufgebraucht.

Die Häufigkeit von solchen Delikten hat in der Gemeinde Wandlitz in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Reichten für die Reparatur der angerichteten Schäden vor wenigen Jahren noch 5000 Euro, kommt man mit diesen Summen schon lange nicht mehr hin.

Auch in Panketal begann das Jahr mit einem herben Schlag. Bereits in der ersten Januarwoche hatten Unbekannte in der Gesamtschule Zepernick randaliert, dort unter anderem Türen aufgetreten, Heizkörper von der Wand gerissen und Böller in die Toiletten geworfen. In der Vergangenheit seien auch schon mal sämtliche Feuerlöscher geleert worden, weiß Bürgermeister Rainer Fornell (SPD) zu berichten.

Aber auch kaputte Buswartehäuschen, Graffiti und umgestoßene Straßenlaternen sind für den Rathauschef nichts Neues. Im Rathaus laufen mindestens einmal wöchentlich Meldungen über neue Vandalismusschäden auf. „Wir stellen in jedem dieser Fälle einen Strafantrag“, berichtet Fornell, der mittlerweile zusätzlich auch eine „Ermittlungsprämie“ aussetzt. Da es meist Zeugen gebe, zeige diese Prämie auch ihre Wirkung, weiß er. Und sind die Schuldigen gefasst, macht die Gemeinde konsequent Schadenersatzforderungen geltend.

Wird hingegen niemand gefasst, bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen. Davon weiß man auch in Ahrensfelde zu berichten. Dort haben Randalierer besonderen Spaß am Aufhebeln von Schranken an Feldwegen gefunden. Mit bis zu 3000 Euro schlägt das zu Buche. Rund 10 000 Euro muss die Gemeinde indes für die Reparatur von Buswartehäuschen zahlen. Um die Kosten zu senken, hat man sich in der Verwaltung mittlerweile ein Versicherungsangebot eingeholt. Die Kosten dafür seien aber so hoch gewesen, dass sich das nicht mehr rechne, berichtet der zuständige Mitarbeiter Andreas Knop.

Obwohl die Gemeinden gegen die neue Qualität des Vandalismus kämpfen müssen, ist die bloße Anzahl anscheinend zurückgegangen. Während bei der Polizei 2009 noch 1717 Sachbeschädigungen angezeigt wurden, waren es vergangenes Jahr noch 1490. Ein Großteil davon fiel auf Bernau (318) und Eberswalde (646).

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