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Einmischen statt raushalten

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Mandy Timm / 19.01.2011, 07:34 Uhr
Seelow (In House) Es gibt bislang kein vergleichbares Projekt im Land Brandenburg. Der „Oberjugendrat“, den die Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz ins Leben gerufen hat, ist nicht nur deshalb etwas besonderes, weil sich deutsche und polnische junge Leute näher kommen, sondern auch weil sie gemeinsam ihre Region erobern und – sie zusammen gestalten.

Matthias Hoffmann muss es wissen. Er arbeitet beim Brandenburgischen Bildungsministerium und beschäftigt sich dort vor allem mit Jugendarbeit und Austauschprogrammen. Er weiß, was los ist im Land, wenn es um Projekte geht, wie etwa das neuste, das jetzt an der Bildungsstätte Schloss Trebnitz gestartet ist. Hoffmann versicherte gestern mit warmen Worten und guten Wünschen, dass es ein besonderes Vorhaben sei. „Es gibt bislang kein vergleichbares Projekt in Brandenburg“, sagte er. „Es besitzt absoluten Pilotcharakter im Land.“ Aber nicht nur deshalb würde es sehr neugierig machen. Aus seiner Sicht gibt es wenigstens noch einen Grund und der hat damit zu tun, dass das Projekt in eine Zeit fällt, in der jüngere wie ältere Grenzgänger ihren Lebensraum gemeinsam entwickeln können.

Der Name des Projektes, um das es geht, heißt Oberjugendrat und ist aus der Jugendagora, einem Projekt der Bildungsstätte Schloss Trebnitz, hervor gegangen. Was sich dahinter verbirgt? Junge Leute von beiden Seiten der Oder sollen gemeinsam das Gremium bilden und sich nicht nur besser kennenlernen, sondern auch gemeinsam einmischen und Politik mitgestalten in ihrer Region, ihrer Heimat.

Vier Kommunen beteiligen sich an dem Projekt: Letschin und Seelow auf der deutschen Seite der Oder, Boleszkowice und Kostrzyn auf der polnischen. Das „organisatorische Zentrum“ ist das Schloss Trebnitz. Insgesamt werden 20 junge Leute gesucht, die sich an dem grenzüberschreitenden Projekt beteiligen. Der Jugendrat versteht sich als Interessenvertreter und Ansprechpartner für Jugendliche, Politiker und Verwaltungen. Engagierte Jugendliche zu finden, wird vermutlich die schwierigste Aufgabe sein, so die einhellige Meinung, gestern bei einem ersten Treffen der Teilnehmer im Landratsamt. Denn die jungen Deutschen und Polen müssen eine wichtige Voraussetzungen erfüllen, die zwar einfach klingt, sich aber als schwierig erweisen könnte: Sie müssen davon überzeugt sein, etwas in ihrem Umfeld – sei es in der Freizeit, im Sport oder der Kommunalpolitik – verändern zu wollen. Sie müssen sich die Antworten auf ihre Fragen erarbeiten, ohne dass sie ihnen fertig aufgetischt werden. Die großen Vorteile: Die jungen Leute bekommen Experten und Fachleute an die Seite, die ihnen das Politik-Abc beibringen, sie in Sachen Politische Bildung qualifizieren und ihre Rhetorik und Argumentationsstrategie stärken. Exkursionen bringen sie nach Straßburg, Gorzow oder Zittau – Ausflüge per Paddelboot entlang der Oder oder auf Festivals. Sie präsentieren ihre Arbeit und Ergebnisse selbst auf Veranstaltungen wie Stadtfesten oder einer gemeinsamen Internetplattform. Sie lernen die Grenzregion kennen und schließen Freundschaften mit ihren Nachbarn, deren Probleme und Sorgen, wie Julius Brand aus Seelow bereits festgestellt hat, gar nicht so viel anders sind, als die eigenen. „Lediglich der Kontakt fehlte bislang meistens“, sagte er gestern.

Julius, Gymnasiast in Seelow und Ideengeber des Oberjugendrates, war neben Marian Wasilewski, Gymnasiast aus Kostrzyn, der einzige Schüler beim ersten Treffen. Ansonsten bestand die Runde aus Experten für Jugendarbeit, dem Direktor des Kostrzyner Gymnasium, Leszek Naumowicz, Lehrern und gestandenen Verwaltungschefs wie dem Seelower Bürgermeister, Jörg Schröder, sowie dem Letschiner Bürgermeister, Michael Böttcher. Ihn hob Darius Müller, Projektleiter vom Schloss Trebnitz, besonders hervor. Er habe als einer der ersten die Patenschaft übernommen und sei der aktivste Pate von allen, sagte Müller. Christopher Lucht, er betreibt in Berlin eine Europaberatungsagentur mit dem Schwerpunkt Jugendbeteiligungsprojekte, setzt auf die Erfahrungen der Letschiner: Die Gemeinde hat – vermutlich als einzige Kommune im Kreis Märkisch-Oderland – einen eigenen Jugendrat ins Leben gerufen. Er hat eine beratende Funktion und soll sich für die Belange von Kindern und Jugendlichen der Großgemeinde stark machen.

Anderthalb Jahre wird das Projekt „Oberjugendrat“, das vom Europa-Programm „Jugend in Aktion“ mit 30 000 Euro gefördert wird, dauern. Danach soll es sich von selbst tragen und in den Kommunen verankert sein, sagte Darius Müller beim ersten Treffen, dem bis Juli 2012 nun noch viele folgen sollen.

Wer sich für das Projekt Oberjugendrat interessiert, kann mit Darius Müller von der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz Kontakt aufnehmen unter Tel. 033477 5190.

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