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Jörg Kotterba 28.01.2011 21:36 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Die Kippa von Kantor Rosenbaum

(moz) Bewegende Minuten Donnerstagabend im Kleist Forum: Jan Rosenbaum, Enkel zweier jüdischer Frankfurter Bürger, die von den Nazis umgebracht wurden, überreicht Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde die Kippa seines Großvaters Julius, dem letzten Kantor dieser Gemeinde in Frankfurt vor dem Krieg.

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Fürs Museum: Yosyp Vaysblat und Borys Tovbym von der Jüdischen Gemeinde erhielten auf der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Kleist Forum von Jan Rosenbaum eine Kippa (von links).

© MOZ/Dietmar Horn

Jahrzehntelang lag sie in einer Truhe mit dem Nachlass seines Großvaters. „Als klar war, dass ich nach Frankfurt komme, dem Lebensmittelpunkt meiner Großeltern Julius und Erna Rosenbaum, habe ich die Kippa hervorgekramt, um sie der Jüdischen Gemeinde zu schenken“, erzählte Jan Rosenbaum aus Hamburg, Enkel der beiden Frankfurter, die im KZ Auschwitz von den Nazis umgebracht wurden.

Die Kippa ist eine gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden – ein kleines kreisförmiges Stück Stoff oder auch Leder, reich verziert. „Mein Großvater trug sie hier in Frankfurt. Er war Lehrer im Ruhestand und wohnte mit seiner Ehefrau Erna in der Richtstraße 57. Das Haus gehörte der jüdischen Gemeinde der Orgel-Synagoge, denn Julius Rosenbaum war Kantor der Gemeinde. Der letzte vor dem verheerenden Krieg“, erzählte 
Dr. Jan Rosenbaum, ein pensionierter Zahnarzt.

Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 
27. Januar, dem Tag, an dem Soldaten der Roten Armee vor sechsundsechzig Jahren die Überlebenden des faschistischen Vernichtungslagers KZ Auschwitz befreiten, fand im Kleist Forum eine Gedenkkundgebung statt. Und Jan Rosenbaum ergriff dort das Wort: „Die Eltern meines Vaters, meine Großeltern Julius und Erna Rosenbaum, lebten in Frankfurt, bevor sie 1939 auf das ständige Drängeln meines Vaters hin auch nach Amsterdam flüchteten. Mein Vater war dort schon seit 1933, nachdem er als Anwalt in Cottbus Berufsverbot bekommen hatte. In Amsterdam wohnten meine Großeltern ,ganz normal’ in einer Vier-Zimmer-Wohnung, Julius weigerte sich unterzutauchen, da er der Meinung war, ihm könne nichts geschehen. Er war im Ersten Weltkrieg schließlich Offizier und sein damaliger Vorgesetzter agierte zufällig nun auch in Amsterdam.“ 1943 wurden Rosenbaums Großeltern dennoch verhaftet und deportiert. Endstation Auschwitz.

Über Internet erfuhr der Hamburger, dass hier in Frankfurt für Julius und Erna Rosenbaum am 11. September 2008 in der Karl-Marx-Straße – in Nähe des Synagogengedenksteins – zwei Stolpersteine verlegt wurden. Dem Künstler Gunther Demnig sei mit der Stolperstein-Idee „ein großer Wurf gelungen“, meinte Jan Rosenbaum. „Viele Opfer der staatlich sanktionierten Mörderbande erhalten so wenigstens ein Mini-Denkmal – mangels eines Grabsteines.“

Im Mittelpunkt des Abends stand im Kleist Forum die Aufführung des Theaterstückes „Abschied vom Vergessen“ von Eva Schloss durch das Theater Frankfurt. Eva Schloss und ihre Mutter überlebten als einzige ihrer Familie die Deportation nach Auschwitz-Birkenau. Erst im Alter widmete sie sich als Stiefschwester von Anne Frank und in eigener Verpflichtung der Aufarbeitung ihrer grauenvollen Erlebnisse.

Mit Eva Schloss hat Jan Rosenbaum erst seit März 2007 Kontakt. Durch einen Zufall. Damals besuchte er seinen Geburtsort Amsterdam und dort eine Ausstellung von Gemälden, die Erich und Heinz Geiringer in ihrem Amsterdamer Versteck während der „Untertauchzeit“ gemalt hatten. „Eine jüdische Familie aus Wien, die 1940 Sicherheit in Amsterdam suchte – aber nicht fand. Erich und Heinz wurden verraten, deportiert und ermordet. Fritzi und Eva, Mutter und Tochter dieser Familie, überlebten Auschwitz.“ Rosenbaum entdeckte biografische Daten der Familie Geiringer, darunter Evas Wohnadresse: Deurloostraße 68. „Da stockte mir der Atem, denn da wohnten wir!“ Eva Schloss, geb. Geiringer, hat Rosenbaum jr. tatsächlich als Baby erlebt. „Eva hat mir aus ihrem Tagebuch vorgelesen. Ich war keine Woche alt, als sie mich sah. 
62 Jahre später schickte ihr das ehemalige Baby eine Mail. Im Mai 2007 flogen wir nach London.“

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