Donnerstag, 24. April 2014



Benno Dietrich 16.02.2011 14:07 Uhr - Aktualisiert 16.02.2011 14:16 Uhr

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Spitzenküche für Reha-Patienten

(moz) Er ist einer der besten Köche Brandenburgs, räumte bei Koch-Olympiaden und -Weltmeisterschaften ab, gibt Kochkurse für Amateure und Profis, ist Vizepräsident des Deutschen Kochverbandes und kocht in einer Reha-Klinik. Andreas Rohde – Global Master Chef – lebt für die Kunst am Kochen und den Genuss beim Essen.

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Gern schlendert Andreas Rohde ganz in Weiß und mit Kochmütze über den langen Flur zwischen Rezeption und Küche, um auf diesem Weg mit Patienten zu plaudern. Der Küchenleiter will wissen, wie den Rehabilitanden der Reha-Klinik Hohenelse in Rheinsberg das Essen schmeckt, das er und sein Team jeden Tag zubereiten. Ergebnis: Er kann sich vor Lob kaum retten. Das ist kein Wunder, denn die Patienten haben das Glück, einen Spitzenkoch in der Großküche zu wissen, der kürzlich den Titel „Global Master Chef“ erhielt, die höchste Auszeichnung des Weltverbandes der Köche. Der Küchenmeister, Restaurantmeister und Diätkoch ist zudem Vizepräsident des Verbandes der Köche Deutschlands, nimmt seit Jahren die Prüfungen von Köchen und Küchenmeistern bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ab und ist Juror bei vielen Wettbewerben. 1998 wurde er zum Eurotoques-Ambassador, also Mitglied der weltweit agierenden Köche-Vereinigung, die den Ehrenkodex hat, nur frische Produkte zu verarbeiten. Die Liste seiner Auszeichnungen, Preise und Titel ist lang.

Aber was macht ein Spitzenkoch in einer Reha-Klinik? „Na, die Patienten freuen sich, und das sollen sie auch“, sagt er kurzerhand. Es war natürlich nicht sein Lebenstraum, Küchenleiter in einer Klinik zu sein. Doch als Patronat in seinem Hotel in Lindow/Mark – also Küchenchef und Inhaber zugleich – und später als Direktor des Landgutes Gühlen war er jeden Tag 15 Stunden auf den Beinen, auch an den Wochenenden. Da blieb für all seine Ehrenämter keine Zeit mehr. Doch die sind ihm bis heute sehr wichtig. Er will die Lust am Kochen und den Genuss beim Essen weitergeben und in die Welt tragen. So gehörte er zu den Ersten, die unmittelbar nach der Wende im Osten Deutschlands den Verband der Köche Deutschlands e.V. (VKD) aufgebaut hatten. Er gründete die Köche-Vereine in Rostock und Potsdam sowie den der Ruppiner Köche, dessen Vorsitzender er seit fast 20 Jahren ist. Er trainierte die Köche-Jugendregionalmannschaft des VKD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg und war Teamchef der Senioren-Regionalmannschaft, die seit ihrem Bestehen rund 200 Medaillen und Preise im In- und Ausland erkochte. Etwa 50 davon kommen auf Rohdes persönliches Konto, erkämpft zum Beispiel bei drei Koch-Olympiaden, bei Weltmeisterschaften oder dem Culinary Challange in Singapur. 2005 wurde er Landeschef der Berliner und Brandenburger Köche. „Ich suchte eine Arbeit, die mein Chaos etwas ordnete und bei der ich meine Ehrenämter ausleben konnte. Da wurde die Stelle des Küchenleiters in der Reha-Klinik frei, und meine Freunde sagten: Bewerbe dich doch! Da habe ich sie zunächst ausgelacht. Aber dann dachte ich etwas darüber nach und bewarb mich einen Tag vor Ablauf der Frist. Nun bin ich seit 2006 hier.“

Rund 200 Patienten sowie das gesamte Personal bekocht er mit seinem Team jeden Tag. Ab dem frühen Nachmittag kümmert er sich dann um all die anderen Verpflichtungen in Sachen Kocherei. So betreibt er mit zwei befreundeten Köchen in Lindow/Mark bei Neuruppin eine Kochakademie, wo er Kurse für Hobbyköche und Profis gibt.

Natürlich wusste er, dass er in einer Reha-Klinik mit einem eng begrenzten Tagessatz pro Patient auskommen muss. „Das ist eine Kunst, aber auch eine Herausforderung. Und dennoch muss ich nicht mit Büchsengemüse arbeiten. Hier kommt nur Frisches auf den Tisch. In den Krankenhäusern sind die Budgets hingegen noch geringer und stellen nur einen Bruchteil der Behandlungskosten dar, dabei kann gutes, frisches Essen wesentlich zur Gesundung beitragen“, kommentiert er die Schieflage bei der kulinarischen Versorgung in solchen Einrichtungen.

„Egal, wo ich in der Küche stehe, ich koche immer so wie für meine besten Freunde. Am Kochtopf habe ich ohnehin beste Laune“, was man dem Genussmenschen gern abnimmt. Es wird oft gelacht in seiner Reha-Küche. „Ich stehe auch gern vor meinem eigenen Kühlschrank, schaue, was drin ist, und habe dann Lust, etwas zu zaubern.“ Er kocht stets mit einer ansteckenden Leichtigkeit.

Andreas Rohde will den Leuten zeigen, was mit der regionalen Küche alles möglich ist und kreierte vor Jahren mit einem Freund ein literarisches Fontane-Kochbuch mit Geschichten, Original-Rezepten aus jener Zeit, mit leicht abgewandelten und mit reinen Kreationen á la Rohde. Außerdem liebt er die asiatische Küche. „Sie ist die gesündeste der Welt, deshalb koche ich gern Gerichte mit asiatischem Einschlag.“

Doch nicht nur über das Mittagessen schwärmen die Reha-Patienten. Auch zum Abendbrot lässt er sich immer wieder etwas einfallen. An einem Tag gibt es unterschiedlichste Kartoffelzubereitungen, an einem anderen den Nudel-, oder Fischtag.

Seine Kochleidenschaft hat er von seiner Oma geerbt. Mit ihr kochte und buk er oft zusammen. Später kochte er bei Klassenfahrten, für die Familie beim Dauercampen und während seiner Armeezeit für Marine-Offiziere bei Sonderveranstaltungen. Schließlich lernte er Koch in einem Erholungsheim, wurde 1985 Küchenmeister, 1995 Diätkoch und 2006 Restaurantleiter.

Und sein Lieblingsgericht? „Margarine in den Topf geben, dazu etwas Mehl zum Aufsaugen, die Mischung dunkel werden lassen, mit Wasser auffüllen, Pfeffer, Zucker und Essig dazugeben. Fertig. Eier kochen, schälen und in einem Nest aus Kartoffelpüree anrichten“, sagte er. „Dann brauche ich nur noch einen tiefen Teller, einen großen Löffel, einen guten Schluck Weißwein, und die Welt ist für mich vollkommen“. So hatte seine Oma saure Eier gekocht.

(Kontakt: 0171/4424994)

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