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Annette Herold 15.03.2011 19:42 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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In 29 Sekunden auf und davon

Frankfurt (moz) 309 Autos sind 2010 in Frankfurt gestohlen worden. Dass professionelle Diebe nicht einmal eine halbe Minute benötigen, um ein Kfz aufzubrechen und zu starten, berichtete Wachenleiter Hanjo Loose im Ausschuss für Ordnung. Er mahnt zur Vorsicht und warnt zugleich vor Panik.

  Elektronischer Schutz: Kundendienstmeister Peter Klügel und der Diagnosemechaniker Roy Noppe codieren im Autohaus Autoland eine Wegfahrsperre neu. © MOZ/Dietmar Horn

Ein Parkplatz irgendwo in Frankfurt. Ein Wagen fährt vor, die Beifahrertür öffnet sich, ein Maskierter steigt aus und macht sich an einem abgestellten Kombi zu schaffen. Ruckzuck ist die Fahrertür offen, der Maskierte steigt ein – und fährt wenig später davon. Das Ganze hat gerade 29 Sekunden gedauert.

„Und dabei sind wir natürlich keine Profis“, sagt Hanjo Loose, Leiter der Frankfurter Polizeiwache. Gerade hat er den Stadtverordneten im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Ordnung ein kurzes Video gezeigt. Polizisten stellen den Diebstahl eines Pkw nach und demonstrieren darauf auch, wie sich die Täter nach Erkenntnissen der Polizei dabei oft absichern. In der Regel seien sie zu zweit unterwegs, berichtet der Polizeihauptkommissar im gehobenen Dienst. Einer steuere das sogenannte Pilotfahrzeug, das auch dazu genutzt werde, den Tatort abzusichern.

„Wir haben es hier mit organisierter Kriminalität auf höchstem technischen Niveau zu tun“, hebt der Wachenleiter hervor. Die Fahrzeuge würden mit einem sogenannten mechanischen Überdrehwerkzeug geöffnet, mittels Steuerteil lasse sich das Auto dann starten. Interessant seien für die Diebe vor allem Autos aus deutscher Produktion, oft jüngeren Baujahrs. Insgesamt 309 Fahrzeugdiebstähle sind der Statistik zufolge in Frankfurt angezeigt worden, hauptsächlich handelt es sich nach Looses Worten um Pkw, gestohlen würden aber auch Kleintransporter. Die Zahl der Diebstähle hat sich laut Statistik seit 2007 fast versechsfacht, damals waren noch 52 entsprechende Diebstähle angezeigt worden.

Mit dem Jahreswechsel 2007/08 waren die stationären Kontrollen an der Grenze zu Polen weggefallen. Auch in Slubice sei die Zahl der Diebstähle seither gestiegen, berichtet der Wachenleiter und verweist darauf, dass die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen in der Nachbarstadt immer selbstverständlicher werde. „Die Kollegen dort haben ähnliche Sorgen wie wir.“

Über die Täter sagt er, es handele sich oft um Mitglieder von Banden, die je nach Auftrag komplette Fahrzeuge oder aber gewünschte Ersatzteile entwendeten. Soweit bekannt sei, würden sie regelrecht geschult. „Die absolvieren in der Regel einen Lehrgang über 14 Tage.“ Ganze Fahrzeuge gingen häufig ins Baltikum, vor allem nach Litauen. Fahrzeugteile würden nach Erkenntnissen der Ermittler oft in Polen verkauft.

Dabei seien es nicht nur in Frankfurt gestohlene Fahrzeuge, die über die Grenze geschafft würden, hebt Loose hervor. „Man muss davon ausgehen, dass 60 bis 80 Prozent der in Westeuropa gestohlenen Fahrzeuge mit Ziel Osteuropa in Frankfurt über die Grenze gebracht werden.“ Genutzt würden sowohl der Übergang Autobahn als auch die Stadtbrücke.

Es sei eine Illusion, zu glauben, dass Diebstähle von osder aus Autos komplett vermeidbar seien. Panik sei ebenso wenig angebracht, betont Loose erneut. Er mahnt die Autobesitzer vielmehr zur Wachsamkeit. „Wenn ich durch die Stadt gehe und sehe, was mancher im Auto lässt, fällt mir wenig ein“, sagt er. „Ein Auto ist kein Tresor.“ Im Handumdrehen – und mit den richtigen Tricks sogar fast geräuschlos lasse sich eine Seitenscheibe einschlagen. Deshalb sei es Sache der Autofahrer, mögliche Diebe nicht mit allzu offensichtlich im Pkw gelagerten Dingen zu verlocken.

Zum Schutz vor einem kompletten Diebstahl rät der Wachleiter zu einem kleinen mechanischen Hilfsmittel. „Das einzige, was hilft, ist ein versteckter Schalter.“ Diese Startunterbrecher funktionierten so, dass die Benzinpumpe nicht mit Strom versorgt wird und das Fahrzeug nur noch so weit fahren kann, wie der in der Benzinleitung noch vorhandene Kraftstoff reicht. Alle in Frankfurt gestohlenen Fahrzeuge, die mit einem solchen Bauteil ausgerüstet waren, sind nach Looses Worten wiedergefunden worden. „Die kommen drei- bis vierhundert Meter weit.“ Nach Einschätzung der Polizei riskierten die Täter nicht, ein solches Fahrzeug doch noch in Gang zu setzen, indem sie nach dem versteckt angebrachten Schalter suchten. Dann sei für sie die Gefahr viel zu hoch, von der Polizei entdeckt zu werden. Damit drohe ihnen eine Gefängnisstrafe. Und damit setzten sie die Mitgliedschaft in den Diebesbanden aufs Spiel, die sie nicht gefährden wollten.

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