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Henning Kraudzun 19.03.2011 11:44 Uhr

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Landeslabor sucht nach Radioaktivität

Oranienburg (moz) Jochen Beetz eilt in weißem Kittel zur Auffahrt des Laborgebäudes in Oranienburg. Er will einen hochsensiblen Geigerzähler vorführen. Kaum steht der Physiker auf den grauen Pflastersteinen, beginnt das Gerät zu schnarren, der gemessene Wert verdoppelt sich. Der Wissenschaftler zeigt auf den Boden: „Kupferschlackesteine aus DDR-Produktion.“ Dieses Baumaterial sende eine natürliche Strahlung aus. Es werde jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet. Auch im Eingang der Strahlenschutz-Abteilung des Landeslabors schlägt das Instrument aus, wenn es auf ein kleines Regal gerichtet wird. Darin sind Bodenproben von einer Baustelle in Oranienburg.

  © Henning Kraudzun

An mehreren Stellen sei radioaktives Material während der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg in das Erdreich gelangt, erklärt der Leiter des Strahlenschutz-Labors. Denn in den früheren Auer-Werken, die ein Ziel der alliierten Angriffe waren, wurde Uran für das Atomprogramm der Nazis produziert.

„Mit kontaminierten Sanden, die von Deponien stammten, wurden später Bombentrichter verfüllt. Dadurch wurde das Zeug überall in der Stadt verteilt“, erklärt der 61-Jährige. Altlasten brachten auch die ehemaligen Goetschke-Werke hervor. Dort wurde das radioaktive Mineral Thorium für die Herstellung von Glühstrümpfen für Laternen genutzt. „Bei Aushub-Arbeiten sind daher unsere Mitarbeiter immer vor Ort, um die Belastung zu messen.“

Neben Oranienburg ist die Umgebung des früheren Kernkraftwerks Rheinsberg ein Schwerpunkt. Labor-Mitarbeiter untersuchen dort Böden, Gewässer, Milch und Fische in Stichproben, sagt Beetz. Bislang gab es „absolut unauffällige Werte“. Von einer grenzwertigen Belastung könne keine Rede sein. Auch Proben von Krankenhaus-Essen, Klärschlammen, Gewässersedimenten, Futtermitteln sowie Abfällen landen auf den Untersuchungstischen.

„Alles Routinekontrollen“, beruhigt der Strahlenschutz-Experte, der zu DDR-Zeiten im Staatlichen Amt für Atomsicherheit arbeitete. Die Daten werden in ein Messsystem eingegeben, das vom Bundesamt für Strahlenschutz betrieben wird. Diese Behörde hat auch ein deutschlandweites Netz von Sonden aufgebaut. Damit kann selbst geringste Radioaktivität in der Atmosphäre aufgespürt werden. „Wenn irgendeine Sonde Alarm schlagen würde, fahren wir hin“, sagt Beetz.

Der Laborbetrieb läuft derzeit im „Routinemodus“, wie Beetz sagt, dies kann sich angesichts der hohen Strahlung in Fukushima schnell ändern. Das Labor wurde in Bereitschaft versetzt – es soll die Veterinäre am Flughafen Schönefeld bei der Auswertung von Lebensmittelimporten aus Japan unterstützen. Zudem können Einreisende sich freiwillig „scannen“ lassen. Bei Auffälligkeiten würden sie für weitere Tests an Beetz und seine Kollegen verwiesen.

Alarmzustand habe für Strahlenschützer vor allem nach der nukleraren Katastrophe in Tschernobyl geherrscht, erinnert sich Beetz. Damals wurde ein engmaschiges Überwachungsnetz für Lebensmittel aufgelegt. Auch Rückkehrer aus der Ex-Sowjetunion wurden untersucht. „Lebensgefährlich verstrahlt war aber niemand.“

Ein weiteres großes Problem waren die Folgen oberirdischer Atombomben-Tests. „Strahlende Partikel sind um den ganzen Globus gewandert.“ Heute seien diese immer noch nachweisbar.

Eine Gesundheitsgefahr angesichts der jährlichen 1500 Strahlenanalysen droht für die Labor-Mitarbeiter laut Beetz nicht. Er tippt auf ein Gerät am Kittel, das sogenannte Brustdosimeter. „Wir werden selbst täglich überwacht. Aber wir 
hatten noch nie die Chance, überhaupt einen Grenzwert zu erreichen.“

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