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Starkstromgefahr im Kiessee!

Kiesreicher Mann: Ralf-Rüdiger Schönberg ist der letzte Arbeiter auf der Kiesgrube in Gusow. In den Sommermonaten nutzen viele Einheimische und Besucher den See, um zu baden oder ihre Hunde schwimmen zu lassen. Das kann im Extremfall tödlich enden.
Kiesreicher Mann: Ralf-Rüdiger Schönberg ist der letzte Arbeiter auf der Kiesgrube in Gusow. In den Sommermonaten nutzen viele Einheimische und Besucher den See, um zu baden oder ihre Hunde schwimmen zu lassen. Das kann im Extremfall tödlich enden. © Foto: Johann Müller
Markus Woller / 11.05.2011, 21:09 Uhr
Gusow (In House) In Anzeigen und mit großen Hinweisschildern warnt der Betreiber der Kiesgrube in Gusow vor dem Baden im Kiessee. Nicht die unberechenbaren Strömungen sind dort die Hauptgefahr. Es ist die Starkstromleitung für den großen Saugbagger.

In einem dicken, verrosteten Rohr, das an Pontons auf der Wasseroberfläche des Kiessees in Gusow treibt, liegt die Gefahr. Ein 20 000-Volt-Kabel, das den großen Saugbagger mit genügend Strom versorgt, ist der Hauptgrund für die vielen Warnschilder und einer großen Zeitungsanzeige in der vergangenen Woche. Diese weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Baden in dem Gewässer strengstens verboten ist. „Egal ob Einheimische oder Leute von außerhalb. Viele halten sich im Sommer nicht dran“, weiß Ralf-Rüdiger Schönberg, Vorarbeiter und mittlerweile einziger Mitarbeiter auf der Kiesgrube. „Das Kabel ist von 1993 und könnte bei einem Unfall auch mal abknicken“, weiß er. Das kann für die Badenden dann im Extremfall tödlich enden.

Wie gefährlich der Kontakt mit der 20 000-Volt-Leitung ist, zeigt ein Fall aus dem vergangenen Dezember. Kabeldiebe hatten in einer Nachtaktion versucht, sie durchzuschneiden. „Ich habe am nächsten Tag die Stelle mit dem Einschnitt gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass wer auch immer das probiert hat, es nicht überlebte“, so Schönberg. „Wahrscheinlich haben die Diebe ihren toten Komplizen nach dem Stromschlag irgendwo vergraben.“ Denn eine Leiche konnten weder Spürhunde vor Ort finden, noch Beamte in den umliegenden Krankenhäusern in Märkisch-Oderland und Polen, berichtet Schönberg von der Polizeiaktion. Ob sie eventuell im See zurückblieb konnten Taucher damals wegen der schlechten Sicht vor Ort nicht feststellen.

Die Firma Haniel Baustoff- Industrie Sand- und Kieswerke, der die Grube gehört, hat wegen der Gefährdung bereits den Wachschutz verstärkt. „Ich komme aber auch an Wochenenden selbst raus, um Badende zu vertreiben“, sagt Schönberg. Viele seien dann vernünftig und würden ohne zu murren freiwillig den Rückzug antreten.

Doch nicht nur die unbelehrbaren „Badegäste“ treiben den 58-Jährigen mitunter an Wochenenden ins Kieswerk. Oft ist es auch die Arbeit. Denn 100 000 Tonnen Kies pro Jahr produziert er mit seinen beiden Händen – vom bedienen des Baggers, der in zwölf Metern Tiefe den Kies vom Boden saugt, über das Bedienen der Siebmaschine bis hin zur Herstellung verschiedener Kiessorten. „Zum Beispiel wollen manche Firmen eine Mischung aus Split, Kies und Schwemmsand als Material für den Straßenbau“, erklärt er. Die mischt er dann an. „Zu DDR-Zeiten haben hier mal 23 Mann gearbeitet, lange waren es dann sieben und heute, dank der Technik, mache ich das allein“, erzählt Schönberg.

Abnehmer für den Kies sind kleinere und mittlere Unternehmen aus der Region. Aber auch Privatleute mit Bedarf können sich bei ihm melden. In jüngster Zeit sind es allerdings etwas weniger Kunden, die hier her hinten den Baggersee finden, denn die Baustelle in Gusow wirkt sich aus. „Der Umweg über Jahnsfelde schreckt manche Unternehmen ab“, meint Ralf-Rüdiger Schönberg. Er hofft deshalb, dass die Arbeiten dort möglichst schnell abgeschlossen werden.

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Leser 12.05.2011 - 17:08:23

Übertrieben

„Wahrscheinlich haben die Diebe ihren toten Komplizen nach dem Stromschlag irgendwo vergraben.“ Schöne Räuberpistole, wie lange bleibt der Baggerführer noch am Leben?

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