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Beim Kaiserbahnhof Maß genommen

Reich verzierter Stuck: Jakob Pittroff und Maike Kohnert haben die Bestandsaufnahme der Deckenverzierungen abgeschlossen. „Der Stuck muss erst später aufgebracht worden sein“, sagt die Architektin. Foto: MOZ/Gerd Markert
Reich verzierter Stuck: Jakob Pittroff und Maike Kohnert haben die Bestandsaufnahme der Deckenverzierungen abgeschlossen. „Der Stuck muss erst später aufgebracht worden sein“, sagt die Architektin. Foto: MOZ/Gerd Markert © Foto: MOZ Gerd Markert
Irina Voigt / 19.05.2011, 07:45 Uhr
Hoppegarten (In House) 32 Studenten forschen im Kaiserbahnhof. Akribisch untersuchen die Architekten, Bauingenieure, Restauratoren, Archäologen und Kunsthistoriker aus dem Masterstudiengang Denkmalpflege der TU Berlin das unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Ende Juni wollen sie die Ergebnisse ihrer Projektarbeit der Öffentlichkeit vorstellen.

Der alte Hoppegartener Bahnhof war einst ein Schmuckstück. Die Historie berichtet, dass er 1890 erbaut worden sein soll, um dem Kaiser den ihm entsprechenden Prunk beim Aussteigen und dem Gang zur Galopprennbahn Hoppegarten zu verschaffen. Seitdem hat nicht nur der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt. Unzählige Umbauten hat das Gebäude im Laufe der Zeiten und Gesellschaftsordnungen erfahren.

Seit Herbst vergangenen Jahres sind 32 Studenten eines Masterstudienganges des Instituts für Architektur, Fachgebiet Historische Bauforschung der TU Berlin, im Haus zugange. Was sie vorgefunden haben, waren leere Räume mit DDR-typisch abgehangenen Decken, durchgetretenen Dielen und bröckelndem Putz. Das Fachwerk ist an einigen Ecken überhaupt nicht mehr tragfähig. Hinter Verschalungen lauert sogar Asbest. Aber sie fanden auch Lichtblicke, die an einst prächtige Zeiten erinnern. Eine schmale Stiege hinauf, ist im linken Teil über der später eingezogenen Decke noch der Gold bemalte Stuck erhalten geblieben. Auch ein rundes Oberlicht lässt sich hier noch erahnen.

„Die Bretter, die hier jetzt frei liegen, waren mal gestrichen“, sagt Maike Kohnert. Das lasse darauf schließen, dass der Stuck erst später angebracht worden sei. Die Architekten Maike Kohnert und Jakob Pittroff haben alles genau aufgenommen. „Das ist spannend“, stellen sie immer wieder fest. Im Masterstudiengang erfahren sie mehr über den Umgang mit dem Alten, wenn Neues entstehen soll.

Nachdem die Masterstudenten aus den verschiedenen Fachrichtungen Architektur, Bauingenieur, Restaurator, Archäologie und Kunsthistorik im ersten Semester die Baugeschichte des Gebäudes erforscht hatten, alte Pläne studierten und alles Vorgefundene auf 2,5 Zentimeter Genauigkeit digitalisierten, sind sie nun im zweiten Semester dabei, eine Material- und Schadenskartierung zu erstellen. Für eine lückenlose Rekonstruktion wären für sie Fotos, Schriftstücke oder Zeitzeugenberichte sehr wertvoll. Es interessieren die Alltäglichkeiten. Wer ihnen mit Fotos, Andenken oder Speisekarten aus der Vergangenheit des Kaiserbahnhofs helfen kann, kann das der Gemeinde mitteilen, die die Verbindung zur TU hält.

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