Potsdam (moz) Im Kontrast zum gelben Backstein der alten Hauptpost sticht das weiße Haus mitten in der Potsdamer Innenstadt schon von weitem ins Auge. Dass hier Künstler ihre Ateliers eingerichtet haben, ahnen Passanten wohl eher nicht, so ruhig und geheimnisvoll liegt das Kunsthaus „sans titre“ an der Französischen Straße da . Sans Titre ist Französisch und heißt übersetzt „ohne Titel“. „Der Name steht für die Freiheit in der Kunst und die Offenheit des Hauses“, sagt der Maler Mikos Meininger.
In einem lichtdurchfluteten Raum der einstigen Verwaltung der Potsdamer Energiewirtschaft wird schnell klar, dass Meininger und der Bildhauer Chris Hinze, die das Kunsthaus 2009 gründeten, hier ideale Voraussetzungen zum Arbeiten und für Ausstellungen gefunden haben. Beide sanierten den Stahlbetonbau aus den 60er-Jahren von Grund auf in viel Eigenarbeit zu einem Loft, in dem Hinze im Erdgeschoss und Meininger oben seit rund eineinhalb Jahren je eine Halle als Werkstatt nutzen. Hier entstanden auch die Bilder, mit denen sich der Maler am MOZ-Kunstpreis beteiligt.
Mitten in der oberen Halle steht eine spindeldürre, knapp einen Meter hohe Skulptur von Chris Hinze, die den hageren Gestalten von Giacometti gleicht, aber noch straffer und reduzierter in der Form ist als bei dem berühmten Bildhauer. Daneben wirbeln Farbtupfer wie Federn über eine hellblaue Leinwand von Ira von Kurnhardt, die in einem der weiteren Ateliers in dem rund 800 Quadratmeter großen Gebäude arbeitet, die Künstler mieten können.
Daneben stakt blaue Ölfarbe aus einem Bild von Mikos Meininger. Die Farbe ist dick wie Knete aufgetragen und lässt noch die Fingerspuren des Künstlers erkennen. Das hänge jetzt erst einmal da und nun schaue er sich das Bild eine Weile an, ob es Bestand hat, sagt der Maler. Wer seine anderen, meist von starken Farbkontrasten bestimmten Bilder kennt, den verwundert die Monochromie der Arbeit.
Diese Offenheit der bildnerischen Formulierung sei charakteristisch für Meinigers Schaffen, meinte die Kunstwissenschaftlerin Katja Wiehagen einmal, sie sichere die Fantasie des Malers, löst die Fantasie des Betrachters erst aus.
Eine Offenheit auch neuen Materialien gegenüber wie dem Pappmaschee, mit dem er jeden Morgen eine kleine, vielleicht 30 Zentimeter große Figur modelliert. Anders als die statuarischen und auf einen existenziell menschlichen Kern konzentrierten Figuren von Chris Hinze wirken seine Gestalten wie Zeitgenossen, denen man gerade auf der Straße begegnet. So hat er eine Figur geschaffen, die die Beine übereinander schlägt und verträumt zur Seite tändelt.
Der Impuls, sich der Papiermasse zu widmen, entstand erst nach dem Einzug ins Atelier in der Französischen Straße. „Die Räume lassen sich im Winter nur schwer beheizen, was das Malen dann schwierig macht. Damit stellte sich mir die Frage, was tun?“, erzählt Miklos Meininger. Also wurde ein Kamin in der Mitte des Hauses eingebaut, den ein Sponsor finanzierte. An dem sitzt der Künstler nun in den kalten Monaten und knetet Pappmaschee.
Mit Pappmaschee setzt er seine malerische Arbeit nur mit anderen Mitteln fort. Für das Malen ohne Pinsel sind die Hände nach wie vor das wichtigste Instrument, mit denen er Ölfarbe direkt aufträgt. „Ich bringe mich selbst in die Bilder ein, male mit dem ganzen Körper“, sagt er. Der taktile Kontakt zur Farbe ist Teil des Arbeitsprozesses als einer unmittelbaren, lebendigen und bewegten Erfahrungen.
Zwischen abstrakter oder figurativer Gestaltung gibt es dabei keine ausschließliche Entscheidung für einen Stil. In „Frauen unterm Mond “, einem seiner vielen großformatigen Bilder, zeichnen sich weibliche Körper als dunkelblaue gestische Linien ab. Weißblaues Licht bringt die Körper in einen Zustand von Schweben und Transzendenz. Der partiell vom Grunde durchdringende rötliche Farbton offenbart das Irdische, Verletzliche und Vergängliche“, sagt Meininger. Dabei verwendet der Maler kaum reine Farben, von denen das Orange die wohl wichtigste ist. Orange erinnert an das Menschliche, das Fleischliche eben, mutet wie aufgerissene Haut an.
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