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Angelkahn mausert sich zur "Santa Maria"

Ein Knall, dann fließt der Sekt: Schüler vom Oberstufenzentrum in Eberswalder haben gestern in Oderberg ihr Boot getauft. Am 25. Juni soll der umgebaute Angelkahn mit den aufgepfropften Modulen zur Solarbootregatta auf dem Werbellinsee an den Start gehen.
Ein Knall, dann fließt der Sekt: Schüler vom Oberstufenzentrum in Eberswalder haben gestern in Oderberg ihr Boot getauft. Am 25. Juni soll der umgebaute Angelkahn mit den aufgepfropften Modulen zur Solarbootregatta auf dem Werbellinsee an den Start gehen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 01.06.2011, 06:55 Uhr - Aktualisiert 01.06.2011, 08:58
Eberswalde/Oderberg (In House) In reichlich drei Wochen startet die erste Solarbootregatta auf dem Werbellinsee. Das Ereignis kündigt sich in immer kürzeren Intervallen an. Am Sonnabend feierte Initiator Hartmut Ginnow-Merkert Schiffstaufe. Nun weihten auch Azubis vom OSZ 2 ihr Boot ein.

Jacqueline und Santa Gloria standen auch noch zur Wahl. Ein Stechen gab es dann mit „Kanonenboot Otter“. Das Rennen aber machte „Santa Maria“. „Bootsnamen sind immer weiblich und außerdem sind die Spanier, an die der Name erinnert, ein großes Seefahrervolk“, erläutert Christian Arndt seinen Vorschlag.

Der 21-jährige Anlagenmechaniker im zweiten Ausbildungsjahr ist einer von zwölf Azubis, die den alten Angelkahn flottgemacht haben. Bisher hatten die angehenden Fachleute vor allem eine Gemeinsamkeit: Für den theoretischen Teil ihrer Lehre besuchen sie das Barnimer Oberstufenzentrum in Eberswalde (OSZ 2).

In den vergangenen Monaten hat sie der Bootsbau zu einem Team zusammengeschweißt. Die Konstruktionsmechaniker schweißten den Bootskörper. Obenauf haben die Anlagenmechaniker sechs Solarmodule gesetzt. Kfz-Mechatroniker brachten Motor und Schiffsschraube zum Schnurbeln. „Und die Elektroniker haben alles angeklemmt“, berichtet Christian.

Am schwierigsten war es, alle Arbeiten zu koordinieren, glaubt er. „Die Azubis kommen aus drei unterschiedlichen Klassen und sind in unterschiedlichen Turnuswochen bei uns“, bestätigt Martina Kalohn. Bei der Ansprechpartnerin vom OSZ liefen die Fäden für das Projekt zusammen. „Den Angelkahn haben wir für 150 Euro gekauft“, sagt sie. Reichlich überholungsbedürftig war das zum Teil angerostete und schon löchrige Boot. In sattem Gelb leuchtet nun der Rumpf aus Stahlblech in der Oderberger Werft.

Die Farbe hat die Stahlbau Oderberg GmbH zur Verfügung gestellt. Ebenso wie einen Großteil der Arbeitsstunden. Schiffe gehen dort schon seit vielen Jahren nicht mehr vom Stapel. Auch Lukendeckel für Containerschiffe, für den Hersteller noch vor zwei Jahren das Hauptgeschäft, verlassen das Werk wegen der Schiffsbaukrise zur Zeit nicht. „Wir sind im Moment hauptsächlich im Brückenbau tätig“, sagt Geschäftsführer Karsten Neick. Der Solarbootbau jedoch, sagt er für seine Lehrlinge, „hat die Ausbildung gut ergänzt“. Das sehen auch die Azubis aus anderen Bereichen so. „Die Erfahrungen die man hier von der Elektronik bis zum Bootsbau sammelt, könnten immer von Nutzen sein“, sagt Anlagenmechaniker Michael Konschake (20). Unterstützt haben die Zusammenarbeit mehrere Firmen. Der Eberswalder Solarsystemanbieter Mp-tec sponsorte Modulgestelle und brachte zur Schiffstaufe gestern T-Shirts für die gesamte Crew mit. Die Prenzlauer Aleo Solar stellte die Solarmodule zur Verfügung, David Sebök vom Elektrohandel Finow die Elektrobauteile. „Wir haben gedacht, dass wir sie auch bei der Arbeit unterstützen – aber die Jungs sind so fit, dass sie eigentlich alles allein gemacht haben“, lobt er.

150 Kilogramm schwer ist allein der Bootsrumpf. „300 bis 400 Kilogramm dürften es mit den Modulen und einem Schüler sein“, schätzt Projektleiterin Kalohn. Auf 25 Kilometer pro Stunde könnte es die „Santa Maria“ bringen, schätzt sie.

Um den Sieg kann es damit nicht gehen, glaubt Christian Arndt. „Dabei sein ist alles.“ Jeder der zwölf im Team darf deshalb auch mal ans Steuer. Für den Wettkampf haben sie trotzdem einen bestimmt, von dem sich die Jungs den größten Erfolg erhoffen. Der 25 Jahre alte Dimitri Kravcenko hat von seiner Ausbildung her die Elektronik im Griff. Und: „Er ist unser Fahrer, weil er der Leichteste ist“, sag Christian Arndt.

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