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Joachim Eggers 08.06.2011 06:55 Uhr
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Wie trübe Brühe zu sauberem Wasser wird

Erkner (moz) Wer über die Baekeland-Brücke fährt, sieht sie – die Grundwasser-Reinigungsanlage, die das Grundwasser aus dem hoch belasteten Teerwerks-Gelände sauber ins Flakenfließ laufen lässt. Wie sie funktioniert, haben die Betreiber gestern einer Gruppe interessierter Bürger gezeigt.

Seit 1988 ist die Anlage einer Berliner Spezialfirma in Betrieb. Zwei Brunnen schöpfen das auf das Flakenfließ anströmende Grundwasser ans Tageslicht und leiten es durch die Anlage. In ungefähr 14 Stunden verwandelt sich ein Schadstoff-Cocktail übelster Sorte in klares Wasser, das über eine sprudelnde Leitung unterhalb der Anlage ins Flakenfließ geleitet wird. Lothar Kratt, der Projektleiter der Anlage, hatte vier Flakons aufgestellt, die sehr plastisch das Wasser in seinen unterschiedlichen Reinheitsgraden zeigten.

Die zahlreich anwesenden Chemiker hatten ihre helle Freude daran, über Aniline, Phenole, polyzyklische Kohlenwasserstoffe und ihre Verwandten zu fachsimpeln. Für Laien ist eines wichtig: Gesund ist das alles nicht.

Für den Fachmann selbst unerklärlich: Es gibt im Untergrund zwei Gruppen von belastetem Grundwasser, vor und hinter der Baekeland-Brücke, die getrennt behandelt werden müssen. Der Versuch, das Wasser vermischt durch die Anlage laufen zu lassen, habe „die Biologie zum Umkippen gebracht“. Damit ist die erste Klärstufe gemeint, bei der Mikroorganismen die Schadstoffe zersetzen sollen. Das mit Öl belastete Wasser wird deshalb über eine weitere Vorstufe geschickt, bevor es den Mikroorganismen überlassen wird. Nach vier bis sechs Stunden ist das Wasser zu 60 bis 70 Prozent gereinigt, so Kratt; es folgt eine Stufe mit Wasserstoffperoxid und am Ende eine Feinreinigung mit Aktivkohle-Filtern. Diese Filter werden alle drei Wochen gereinigt. Die gesamte Anlage wird über eine eigene Stromversorgung aus der Ferne überwacht; zwei- bis dreimal in der Woche ist ein Techniker vor Ort und erledigt Wartungsarbeiten.

30 Kubikmeter Wasser pro Stunde werden auf diese Weise gereinigt. Früher waren es 100 und mehr, so Thomas Driebusch von der Unteren Bodenbehörde des Landkreises. Früher stand der Sanierungsbrunnen 10 auf dem Dynea-Gelände, weit weg vom Zentrum der Schadstoff-Konzentration. Unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten sei die jetzige Einstellung die beste. Auf Nachfrage seines einstigen Chefs, Ex-Umweltdezernent Gerhard Ziebarth, sagte Driebusch, dass es mittelfristig wahrscheinlich anderer Anlagen bedürfe, um sicherzustellen, dass kein belastetes Wasser in Richtung Dämeritzsee abfließt. Das werde aber überwacht.

Der Betrieb der Anlage kostet laut Driebusch jährlich rund 500 000 Euro. 60 Prozent davon zahlt der Bund, 40 Prozent das Land. Driebusch sieht keine Gefahr, dass dieser Geldstrom einmal versiegt. „Den Schuh wird sich keiner anziehen wollen, irgendwann für einen Sanierungs-Notstand verantwortlich gemacht zu werden.“

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