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Ein Film ehrt eine stille Heldin

BHORNN / 08.11.2008, 08:31 Uhr
() Wandlitz70 Jahre sind an diesem Sonntag seit einer der schrecklichsten Nächte in der Zeit des Nationalsozialismus vergangen - da brannten die Synagogen, wurde die millionenfache Vernichtung der Juden eingeläutet. Zum Gedenken an diese hasserfüllte Nacht hat der amerikanische Regisseur Steven D. Martin einen Film gedreht. Einen Film über eine Frau, die nicht schwieg. Ein Film über Elisabeth Schmitz.

Große Neugier lag in der Luft, als am Donnerstag ein Informationsabend der etwas anderen Art stattfand. Rund 200 Zuschauer zwischen 13 und 88 Jahren besuchten die Filmvorführung von Steven D. Martin. "Ich wohne in Wandlitz und habe das Haus von Frau Schmitz schon etliche Male gesehen. Aber ich wusste nie, was es damit auf sich hat", sagte Eckert Artstreit auf die Frage, warum er den Film "Elisabeth von Hanau" sehen wolle. Aber nicht nur Einwohner von Wandlitz, sondern auch Besucher aus Berlin, aus Elisabeth Schmitz´ Heimatstadt Hanau, aus Bernau sowie aus den USA besuchten die Vorführung im "Goldenen Löwen" in Wandlitz. Auch Bürgermeister Udo Tiepelmann, Landrat Bodo Ihrke sowie die Ortschronistin Claudia Schmid-Rathjen waren an diesem Abend vertreten.

"Ich muss zugeben, über Elisabeth Schmitz bisher nicht allzu gut Bescheid zu wissen. Umso gespannter bin ich auf den Film von Mr. Martin, der das Lebenswerk dieser mutigen Frau beleuchtet", so Udo Tiepelmann. Als Elisabeth Schmitz 1977 starb, hatten nur sieben Menschen an ihrem Grab gestanden. Erst Jahre nach ihrem Tod wurde ihr Widerstand in der NS-Zeit öffentlich.

Claudia Schmid-Ratjhen freute sich, "dass so viele Geschichtsbegeisterte heute den Weg in den ,Goldene Löwene_SSLqgefunden haben". Steven D. Martin würdigte des Leben von Elisabeth Schmitz, der Historikerin und Theologin. "Ich drehte diesen Film nicht nur, um zu zeigen, was für eine tolle Frau Schmitz war, sondern auch, um unsere eigene Geschichte zu verstehen. In Elisabeth Schmitz habe ich eine Frau gesehen, die ihre Augen offen hatte, als es notwendig war."

Schließlich kam auch Gerhart Lüdecke noch zu Wort. Von ihm erfuhr das Publikum, dass seine Eltern in dem Sommerhaus von Frau Schmitz für eine Zeit versteckt lebten. Und das war kein Einzelfall. Elisabeth Schmitz gewährte regelmäßig jüdischen Mitmenschen Unterschlupf in ihrem Sommerhaus in Wandlitz, das den Namen "Pusto" trägt. Sie war eine derjenigen, die sich weigerten, die schlimmen Zustände hinzunehmen. Sie wollte sich nicht damit zufriedengeben, dass die Nationalsozialisten systematisch begannen, sechs Millionen Juden zu vernichten. Sie sagte Nein zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Steven D. Martin schaffte es, auf dokumentarische Art und Weise das Leben dieser stillen Heldin beeindruckend und durchaus verständlich darzubieten. Der einstündige Film ist dabei nicht nur ein gelungener Dokumentarfilm, er setzt selbst ein Zeichen gegen Ausländerhass. Der Film besteht im Übrigen nicht nur aus altem Filmausschnitten, sondern zeigt auch Einspielungen aus der heutigen Zeit, mit Erinnerungen von Zeitzeugen.

"Ich kenne das Haus. Ich kenne es nun schon eine halbe Ewigkeit und nicht nur das Haus, sondern auch einige Vormieter. Und nun habe ich noch dazugelernt. Der Film war einfach toll", sagte Ingeborg Kalisch. Die 88-Jährige war ausgesprochen überrascht über diesen spektakulären Film. Aber auch jüngere Besuchern waren angetan. "Ich fand den Film wirklich toll. Wir haben das Thema Elisabeth Schmitz gerade in der Schule und aus diesem Grund waren auch schon Herr und Frau Lüdecke bei uns in der Klasse", sagte Tim Linebach, 13 Jahre, aus Hanau.

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