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Reichlich Straßenobst für alle da

Völlig legal: Irena und Alexander Linberger aus Strausberg ernten an der Straße nach Sternebeck Mirabellen: „Die geben ein schönes süß-saures Kompott“, sagen sie.
Völlig legal: Irena und Alexander Linberger aus Strausberg ernten an der Straße nach Sternebeck Mirabellen: „Die geben ein schönes süß-saures Kompott“, sagen sie. © Foto: MOZ
jens sell / 24.07.2011, 05:49 Uhr
Bad Freienwalde (In House) Sommerzeit ist Erntezeit. Was aber, wenn sich niemand für die Ernte zuständig fühlt? Obst von Straßenbäumen zum Beispiel verschmutzt die Fahrbahn oder verfault im Graben. Dabei ist es erlaubt, es zu ernten. Sofern man niemanden gefährdet.

Apfelbäume stehen an der Straße zwischen Brunow und Heckelberg, zwischen Prötzel und Sternebeck lange Reihen Mirabellen. Die Äste neigen sich unter der schweren Last der kleinen Pflaumen. Die meisten leuchten noch gelb, einige sind schon gesprenkelt, andere bereits dunkelrot. Unter dem einen oder anderen Baum liegen schon Früchte und werden zu Mus gefahren. Bald wird das Asphaltband in regelmäßigen Abständen matschig sein.

Mancher Autofahrer fühlt sich eingeladen, die Ernte der Bäume zu übernehmen. Doch ist das rechtens? Wem gehört das Obst der Straßenbäume? „In erster Linie dem Eigentümer, also dem Straßenbaulastträger“, sagt der zuständige Sachgebietsleiter im Straßenverkehrsamt des Landkreises Märkisch-Oderland Uwe Wähner. Im Fall der beschriebenen Mirabellenallee zwischen Prötzel und Sternebeck ist das der Landesbetrieb Straßenwesen. Der hatte die Straße gerade im vorigen Jahr grundhaft erneuern lassen.

Der Bereichsleiter Ost des Landesbetriebs für Straßenwesen Andreas Schade hat seinen Dienstsitz in Frankfurt (Oder). „Ja, es stimmt, die Bäume und folglich auch das Obst, das auf ihnen wächst, gehören uns“, sagt er auf Nachfrage. „Aber natürlich werden wir jetzt nicht das Obst an allen Landesstraßen ernten und vermarkten, das ist nicht unsere Aufgabe. Also: Wer möchte, kann sich das Obst mit Rücksicht auf den fließenden Verkehr gern holen, wir tolerieren das“, sagt er.

Das trifft auch für die Kreisstraßen zu. Jedenfalls sagt Uwe Wähner, dass „Mundraub“ von Straßenobst in aller Regel geduldet werde. Nach kurzer Überprüfung räumt er auch ein, dass Halten und Parken an der Landesstraße nach Prötzel erlaubt sei: „Man sollte auf jeden Fall versuchen, sein Fahrzeug nicht auf der Fahrbahn abzustellen“, sagt er als Vorsitzender der Kreisunfallkommission. Die Strecke ist auf Tempo 80 begrenzt, wird von den meisten Autofahrern aber schneller befahren. Schade seinerseits betont: „Wir haben im Zuge der Straßenerneuerung auch die Bankette neu bauen lassen. Sie werden regelmäßig gemäht. Doch soll man sich über ihre Stabilität und Tragfähigkeit nicht täuschen. Obstpflücker sollten deshalb lieber Einmündungen von Feldwegen oder Schneisen zum Parken nutzen, ehe man sich festfährt.“

Die Ernte herrenloser Obstbäume hat übrigens viele Anhänger. Im Internet kann man auf der Seite www.mundraub.org auf einer Karte eintragen und finden, wo legal herrenloses Obst zu ernten ist.

Für Irena und Alexander Linberger aus Strausberg ist die Straße nach Sternebeck ein Obstgarten. „Kompott aus Mirabellen löscht im Sommer den Durst besser als Wasser“, sagt die Frau. Sie fände es schade, wenn das Obst verkommen würde.

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