Rüdnitz . Es mutet fast wie die Quadratur des Kreises an. Die Gemeinde Rüdnitz hat das Bahnhofsgebäude gekauft und ringt jetzt um ein Konzept, das wirtschaftlich tragfähig ist. Derzeit gibt es zwei Strategien, die am Dienstagabend von der Arbeitsgruppe Bahnhofsgebäude diskutiert worden sind.
Bahnhof R³dnitz: Das alte Bahnhofsgebõude steht schon lõngere Zeit leer. Die Gemeinde hat es erworben und sucht jetzt nach einem tragfõhigen Konzept. Foto: GMD/Sergej Scheibe
Bahnhöfe sind Visitenkarten eines Ortes. Mit der Entscheidung der Bahn, die Bahnhofsgebäude nicht mehr zu nutzen, haben die Kommunen ein Problem bekommen. Durch Vandalismus und Graffiti-Schmierereien sind die Gebäude oft alles andere als einladend. Mit dem Kauf der Immobilie und einer gemischt kommunalen und wirtschaftlichen Nutzung will die Gemeinde Rüdnitz dem entgegenwirken.
Während der Rüdnitzer Bürgermeister Hubertus Ritter (Freie Wählerliste Rüdnitz) dafür streitet, dass dort eine kulturvolle Gaststätte entsteht, ein Fremdenzimmer und eine Wohnung, die vom Wirt zugleich bewohnt wird, sieht das Konzept der Gemeindevertreter von Pro Rüdnitz ein Begegnungszentrum mit verschiedenen Möglichkeiten vor. Gleich, wofür man sich entscheidet: Die Gemeinde Rüdnitz muss nach einem ersten Kostenüberschlag mit Ausgaben zwischen 400 000 und 500 000 Euro für die Sanierung des Gebäudes rechnen.
Die Variante, dort eine Gaststätte einzurichten, barg einiges an Zündstoff, wie die Diskussion in der Arbeitsgruppe zeigte. Verwiesen wurde auf vorhandene Gaststätten im Ort, denen man mit einer weiteren am Bahnhof das Wasser abgraben würde. Auf Missfallen stieß, dass der potenzielle Betreiber nicht zur Sitzung der Arbeitsgruppe gekommen war und offenbar, entgegen vorheriger Äußerungen auch nicht in einer Wohnung im Bahnhofsgebäude wohnen möchte. Nicht zuletzt schien das vorlegte schriftliche Material einigen Mitgliedern der Arbeitsgruppe wenig überzeugend. Und im Hinblick auf die von Hubertus Ritter gewünschte Gaststätte auf hohem Niveau hieß es in der Runde, dass mit drei Tischen im eigentlichen Gastraum so etwas nicht zu erreichen sei. Das Konzept sieht zwar auch einen größeren Gastraum vor, aber nicht für den täglichen Betrieb. Der soll von Bürgern gemietet werden können. Nicht zuletzt trugen auch die Pläne für die kaum 100 Meter entfernte Gaststätte auf dem Reiterhof dazu bei, dass damit letztlich auch die Wirtschaftlichkeit einer Gaststätte im Bahnhof fraglich erscheint.
Demgegenüber setzt das Konzept von Pro Rüdnitz nicht auf eine Wohnung als Sicherheitsfaktor, sondern auf eine Betreuung durch einen Hausmeister, die Installation einer Alarmanlage oder anderes. Sie sehen das Haus vor allem als Möglichkeit für Vereine, zum Beispiel Modelleisenbahnfreunde, für eine Lesestube oder ein Internetcafé. Mit Räumen für Physiotherapie und eine Sauna setzen sie auf Wellness, was wiederum auch interessant sein könnte, wenn im Zusammenhang mit dem nahe gelegenen Reiterhof die bereits diskutierten Bungalows entstehen. Geschäftlich wirksam soll außerdem ein Reiseshop sein, in dem es Fahrkarten, Zeitschriften, eine Tasse Kaffee vor Fahrtantritt und einen Imbiss sowie alles für den Bedarf von Reisenden geben soll. Insgesamt rechnen die Initiatoren mit fünf oder sechs Arbeitsplätzen.
Dazu kommt, dass mit ihrem Konzept für die Begegnungsstätte die Sanierungskosten, die am Ende auf der Gemeinde lasten, reduziert werden können. Im Rahmen der Euro-Region Pomerania könne man, wenn man mit Partnern auf der anderen Seite der Oder ein gemeinsames Projekt anfasst, in größerem Umfang Fördermittel erhalten, erläuterte Gudrun Zuppke, die zusammen mit Wilfried Zuppke an der Technik (beide Pro Rüdnitz) die Pläne für die Begegnungsstätte vorstellte.
Eine endgültige Einigung, welche Vorstellungen nun ungesetzt werden sollen, gab es in der Sitzung der Arbeitsgruppe nicht. Allerdings haben sich von 135 Rüdnitzern, die sich an der Fragebogenaktion von Pro Rüdnitz beteiligt haben, nur 15 für eine weitere Gaststätte im Ort ausgesprochen, sagte Gudrun Zuppke.
Hinzu kommt noch, dass das Gebäude von der Bahn noch nicht entwidmet wurde. Dies bedeutet, dass die künftige Nutzung noch mit der Bahn abgestimmt werden muss. Um aber dennoch vorwärts zu kommen, schlug Astrid Schäfer von der Amtsverwaltung vor, dass man die Planungen für den Ausbau und die Diskussion um das endgültige Konzept parallel führt und zunächst mit den Dingen beginnt, die universell bei jeder Variante erforderlich sind.
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21.05.2012 17:04:02 T. Muschker
Ein Konzept vorlegen