Landkreis Barnim . Nur 13 Monate war die Barnimer Denkmalpflege in rein weiblicher Hand. Mit Dana Ratz und Manfred Thon steht jetzt sozusagen ein gemischtes Doppel an der Spitze der Behörde. Ein Doppel, das sich nach eigener Aussage gut ergänzt.
Auf Tour durch den Oberbarnim: Der langjõhrige Kreisdenkmalsch³tzer Roland Gabsch (links) zeigt Dana Ratz und Manfred Thon die Papierfabrik Wolfswinkel in Eberswalde, hier die alte Fabrikantenvilla.
Nach dem Weggang von Bianca Rohloff und Sybille Haseley - letztere hatte nur ein kurzes "Gastspiel" in der Barnimer Kreisverwaltung gegeben - waren die Stellen neu ausgeschrieben worden. Den Zuschlag erhielten Dana Ratz (31 Jahre) für das Sachgebiet Bodendenkmale sowie Manfred Thon (52) für den Bereich Baudenkmale. Eine Kombination also aus Jugend und Erfahrung. Das verbindende Element ist die Bodenständigkeit, die Verwurzelung der Zwei in der Region.
Dana Ratz, die aus Oderberg stammt und Kunstgeschichte sowie Geschichte studiert hat, reizt nach eigener Aussage vor allem, in der Heimat tätig sein zu können. Manfred Thon aus Wandlitz, der viele Jahre als Architekt tätig war, spricht indes von einer "Konzentration der Kräfte in der Region". In der Vergangenheit sei er sehr viel unterwegs gewesen, habe vor allem Sanierungsvorhaben im Land Brandenburg betreut.
Obgleich beiden der Barnim durchaus vertraut ist, gibt es auch für sie viel Neues zu entdecken. Weshalb sich der langjährige Kreisdenkmalschützer Roland Gabsch angeboten hat, das Duo auf der Kennenlerntour zu begleiten und ihm die wichtigsten Baudenkmale zu zeigen. Von der Bundesschule in Bernau bis zum Kaiserbahnhof in Joachimsthal. Ein Schwerpunkt dabei waren die Industriedenkmale am Finowkanal, unter anderem mit der Messingwerk-Siedlung, der Papierfabrik Wolfswinkel und dem Kraftwerk Heegermühle. "Natürlich kenne ich Eberswalde. Aber im Detail sind mir bislang die Denkmale doch nicht so vertraut gewesen", bekennt Thon.
Sein Anspruch ist es vor allem, eben jene Details bei der Pflege und Sanierung von Denkmalen zu betonen sowie die Denkmale in ihrer Form und Gestaltung zu erhalten. "Wobei ich der Bauqualität einen hohen Wert beimesse."
Dana Ratz, die sich mit den verborgenen Denkmalen befasst und vor allem archäologische Grabungen begleitet, sieht einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in der "Lobbyarbeit". Auch den "Dingen, die verdeckt sind, müssen wir mit Respekt begegnen", sagt die Expertin, die zuletzt in Warschau tätig war. Denn auch diese Teile gehören zur Kulturleistung. "Wir bieten jedem Bauwilligen Beratung an", betonen Ratz und Thon. "Und zwar kostenlos."
Der Entwurf des Kreishaushaltsplanes sieht fürs kommende Jahr 200 000 Euro für die Denkmalpflege vor. Das entspricht der Summe der vergangenen Jahre. "Rund 30 Anträge auf Förderung für 2009 liegen bei uns", so Thon. Anträge von Kommunen, Vereinen und privaten Bauherren. Das Volumen übersteige das Budget bei weitem. Bei der Entscheidung, wie das Geld verteilt wird, halte man an dem bewährten Modus fest, wonach die Anträge im Denkmalpflegebeirat besprochen werden. Vor der Bewilligung müsse aber zunächst der Haushaltsplan durch den Kreistag beschlossen werden.
In den vergangenen Jahren hat der Kreis viel Geld für die Kirchen ausgegeben. "Das sind unsere vornehmsten Denkmale", sagt Gabsch, der sich auch als Rentner noch für den Denkmalschutz engagiert und unter anderem auf dem Gebiet der Regionalgeschichte tätig ist.
Stolz könne der Barnim heute darauf verweisen, kein einsturzgefährdetes oder vom Verfall bedrohtes Gotteshaus mehr zu haben.
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