Eisenhüttenstadt . Kinderkriegen oder Karriere: Auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer befinden sich viele Frauen in einem Dilemma. Verzichten sie auf Nachwuchs, um sich selbst zu verwirklichen? Oder stellen sie sich der Mehrfachbelastung aus Haushalt, Kinderbetreuung und oft niedrig bezahlter Arbeit. Der Stundenlohn deutscher Frauen liegt laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 24 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen.
Ungerechtigkeiten wie diese waren gestern Gegenstand einer Gesprächsrunde, die anlässlich der 19. Brandenburgischen Frauenwoche im Eisenhüttenstädter Frauen- und Familienzentrum des Demokratischen Frauenbunds stattfand. Die Frauenwoche wird seit 1991 jährlich veranstaltet. Sie wird um den Internationalen Frauentag am 8. März ausgerichtet und schließt den Weltgebetstag der Frauen mit ein. Das Motto der diesjährigen Veranstaltungsreihe lautet "Frauenpolitik im Spiegel der Macht - Accessoire oder Motor der Entwicklung".
Welche Familienpolitik der Staat betreiben sollte, wurde rege diskutiert im Frauen- und Fami-lienzentrum. Mehrere Stunden redeten die 19 Frauen darüber, was sich unter anderem in Bezug auf Kinderbetreuung und berufliche Perspektiven für Frauen seit der Wende 1989 verändert hat.
"Viele gut qualifizierte junge Frauen wandern ab, weil sie hier keinen entsprechenden Job bekommen", sagt Rathaussprecherin Kathrin Heyer während der Veranstaltung. "In der Folge werden Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte junge Männer nach Eisenhüttenstadt zu locken, weil die keine jungen Frauen mehr finden."
Darüber hinaus waren sich die meisten Frauen einig, dass das Schulessen unabhängig vom Elterneinkommen wieder für alle Schüler kostenlos sein sollte. Helga Böhnisch (Linke) plädierte zudem für ein bundesweit einheitliches Bildungssystem. "In Zeiten, wo einheitliche Bildung gefordert wird und ebenso die Bereitschaft, der Arbeit hinterherzuziehen, braucht man nicht in jedem Land ein unterschiedliches Bildungssystem", sagt die Landtagsabgeordnete.
Einige Diskussionsteilnehmerinnen sehnen sich zurück nach den "positiven Seiten" der DDR. "Die gesellschaftliche Entwicklung geht mehr rückwärts als vorwärts", kritisierte die frühere Verkäuferin Simone Woitke. "Damals war das Miteinander schöner."
Nächste Veranstaltung im Frauen- und Familienzentrum, Stadthafenweg 9: "Frauen und ihr Können", Diskussion mit Chor und Imbiss, 13. März, 15 Uhr, Eintritt frei.
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