Joachimsthal . Weder Spaziergänger noch die Kirchgänger selbst nehmen Notiz von ihnen. Sie wirken nämlich im Verborgenen. Hoch oben im Gotteshaus von Joachimsthal. Zimmerer einer Müncheberger Firma sanieren den Dachstuhl - und haben dabei gut zu tun.
Arbeitsplatz mit Ausblick: Vom Dach des Gotteshauses k÷nnen die Zimmerer auf den Joachimsplatz mit Rathaus und Kurf³rstenbrunnen schauen.
Hausschwamm, Braunfäule, Nassfäule, Sägeblättling, Hausbock - mehr geht fast nicht. Das Gebälk leidet sozusagen an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Zumal der "Holzdoktor" auch noch konstruktive Mängel festgestellt hat. All das versuchen jetzt die Sanitäter, die Zimmerer der Müncheberger Baugesellschaft zu heilen.
"Wir sind die Macher im Kleinen", sagt Pfarrerin Beatrix Spreng. Gern wäre sie schon viel weiter. Doch die Kirchengemeinde sei fast so arm wie die viel zitierte Kirchenmaus. Deshalb ginge es halt nur in kleinen Schritten voran. Und nicht immer sei der Fortschritt sichtbar, wie diesmal. Selbst wer das Gotteshaus betritt, ahnt kaum, dass hinter den Kulissen fleißig gewerkelt wird.
"Das war schon ein herber Schlag, als die Kreishandwerkerschaft den Einsatz von Lehrlingen bei der Sanierung ablehnte", macht die Pfarrerin keinen Hehl aus der Enttäuschung. Doch alles Hadern half nichts. Und irgendwann hatte die Gemeinde auch wieder Glück.
"Vom Förderkreis Alte Kirchen sowie vom Kulturministerium des Landes haben wir Fördermittel bekommen", erzählt Beatrix Spreng. Zusammen mit den Spenden stehen jetzt für die Reparatur des Dachstuhls 75 000 Euro zur Verfügung, um zumindest die dramatischsten Schäden zu beseitigen. "Ob wir mit dieser Summe insgesamt hinkommen, müssen wir sehen." Die Zimmerleute der Müncheberger Firma seien noch bei der Arbeit. Und zumeist offenbare sich das wirkliche Ausmaß der Schäden ja erst während der Sanierung. Aber die Diagnose, die die Gutachter stellten, sei schon schlimm genug gewesen.
Ungeachtet dessen ist Beatrix Spreng von der Arbeit der Männer um Gerd Thomas begeistert. "Das ist eine wunderbare Zimmermannsleistung." Für sie als Laien sei es schon erstaunlich zu sehen, wie die Handwerker die kranken, schadhaften Stellen aus den alten Balken herauslösen und durch neues Material ersetzen. "Und das sich dann auch perfekt einpasst", schwärmt die Pastorin. Gerd Thomas und seine Kollegen freuen sich über das Lob.
Ziel oder besser Wunsch sei es, bis 2011 die Dachsanierung komplett abzuschließen. "Allein ist dies aber nicht zu stemmen. Wir sind weiter auf Unterstützung angewiesen", sagt Spreng klar. Für Zuversicht sorge auch das Signal des Konsistoriums, wonach das Gotteshaus Joachimsthal ab 2011 vielleicht eine Förderung über den Staats-Kirchen-Vertrag erfahren könnte.
Die weitere Sanierung des Gotteshauses würde nicht nur die Kirche selbst aufwerten, sondern "die ganze Region", ist Spreng überzeugt. Denn gerade die Joachimsthaler Kirche erlebe einen "hohen Zulauf" - auch durch Ausflügler und Touristen. "Die Kirche ist immer offen. Und dank der ausgebauten Radwege machen gerade viele Radfahrer hier Stopp."
Einstweilen erfreuen sich die Pfarrerin und die Kirchengemeinde an den kleinen Fortschritten. "Ob an dem schönen Kronleuchter, am neu gestalteten Mittelgang oder an den Kirchenfenstern." Auf alle Fälle sei der Anfang gemacht. Und mit der Dachsanierung werde der Grundstock weitere Arbeiten gelegt.
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