Letschin . Der Schaubaum, der historisches Handwerk würdigen und im Ortsteil Letschin aufgestellt werden soll, scheint zum Dauerthema zu werden. In der jüngsten Ortsbeiratssitzung wurde erneut darüber diskutiert - ohne Ergebnis. Statt dessen kündigte Bürgermeister Michael Böttcher an, dass sich jetzt auch der Bauausschuss der Gemeindevertretung mit dem Thema beschäftigten wird.
"Manchmal komme ich mir vor, wie im Kindergarten." Für die Schaubaum-Diskussion, die seit Wochen im Ort geführt wird, hat Lothar Böttcher, wie auch andere Letschiner, kaum noch Verständnis. Böttcher würde lieber Tatsachen sehen. "Das ist doch eine gute Idee", findet er. "Warum stellen wir den Baum nicht endlich auf, sondern palavern so lange darüber?"
Eigentlich sollte die Vorbereitung auf die 675-Jahrfeier Letschins Hauptthema des Abends sein. Deshalb war die Runde zur Ortsbeiratssitzung in der Gaststätte "Zum Alten Fritz" diesmal besonders groß. Vertreter aus fast allen Vereinen saßen am Tisch. Ihre Anregungen und Vorschläge zum Fest sollten zusammengetragen werden. Hitzig diskutiert wurde wohl. Aber nicht übers Jubiläum, sondern erneut über die Schaubaum-Idee des Vereins "Wir im Oderbruch".
Warum bislang keine Entscheidung getroffen wurde, machte Ortsvorsteher Günter Fetting zu Beginn deutlich: Die Meinungen über das Projekt gehen weit auseinander. "Und das ausgerechnet bei denjenigen, die geehrt werden sollen, nämlich die Handwerker vom Unternehmerstammtisch. Das verstehe ich nicht", sagte Fetting. Er ließ keinen Zweifel daran, dass sich der Ortsbeirat für das Projekt ausgesprochen hat. Lediglich die Standortfrage ist weiter ungeklärt. "Die Denkmalschutzbehörde hat ihr Einverständnis erklärt, die Sanierungsbeauftragte und ich gehen davon aus, dass auch die meisten Bürger den Schaubaum wollen." Selbst die Finanzierung sei weitgehend geklärt, so Fetting.
Die Kritiker indes verweisen darauf, dass der Schaubaum untypisch für die Region und mit knapp acht Metern zu hoch sei.
Nachdem Mario Forner kräftig die Trommel für das Anliegen des WiO-Vereins gerührt und dem Ortsbeirat eine Liste mit 30 Letschiner Unternehmern, die die Schaubaum-Idee befürworten, übergeben hatte, erklärte der Vorsitzende des Unternehmerstammtisches, Mario Ambos, dass sich sein Verein nicht weiter an der Diskussion beteiligen werde. Die Mitglieder seines Vereins setzten stattdessen mit dem "Tag der alten Meister" auf eine alternative und lebendige Form der Handwerkerwürdigung. Die Veranstaltung soll im Juni stattfinden.
Und der Schaubaum? Mit einer Entscheidung ist in absehbarer Zeit wohl nicht zu rechnen. Der Grund: Gemeindebürgermeister Michael Böttcher, der Mitglied des Unternehmerstammtisches ist, kündigte auf der Sitzung an, dass sich jetzt der Bauausschuss mit dem Thema beschäftigen werde. Als Grund nannte er die überregionale Bedeutung, die das Thema inzwischen erlangt habe. Damit wird dem Ortsbeirat praktisch die Kompetenz entzogen.
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