Petershagen-Eggersdorf . Ein Archivar sammelt, sortiert und verwahrt. Es ist eine mühsame Arbeit im Verborgenen. Der Archivar ist meist allein mit Akten und alten Papieren, dicht gefüllten Regalreihen, Karteikästen, Büchern und Kartenmaterial, die das Gedächtnis eines Ortes sind. Umso ungewohnter war der Sonnabend für Gemeindearchivar Holger Krahnke. Zum bundesweiten Tag der Archive öffnete er die Tür im Keller des Rathauses Petershagen für zahlreiche Besucher.
Gesammelt, sortiert, verwahrt: Im Petershagener Rathaus-Keller findet Archivar Holger Krahnke f³r die unterschiedlichsten Besucherw³nsche Dokumentarisches. Foto: Dominique Hensel
Während der eine Besucher nach dem letzten Reparaturdatum einer bestimmten Straßenlaterne suchte, blätterte eine Petershagenerin in alten Gewerbeanmeldungen. Sie war auf der Suche nach Details ihrer Familiengeschichte. Bei einer weiteren Anfrage wurden Hinweise auf eine holländische Familie gesucht, die früher im Ort lebte.
Holger Krahnke hörte sich jedes Problem an, verschwand dann hinter den Regalen, die seit Schließung der Gesamtschule auch eine große Menge Schulakten tragen müssen, zauberte Adressbücher von 1926/27 herbei, alte Grundbücher, Meldeunterlagen - und oft war der entscheidende Hinweis dabei. Für die Fragen, die er nicht sofort beantworten konnte, bat er sich Zeit aus. Wie auch bei den drei bis fünf Anfragen, die er üblicherweise in der Woche erhält, geht er dafür später auf Datensuche und reicht die Antworten nach.
Mit jedem Jahr wächst das Archiv. Zu viel Interessantes ist es wert, aufbewahrt zu werden. Neben den neueren Protokollen politischer Gremien lagern unter anderem alte Klassenbücher, Anträge auf Besuchserlaubnis westdeutscher Bürger aus DDR-Zeiten, Unterlagen über Viehzählungen und Fürsorge-Akten aus der Weimarer Republik in der Rathausstraße. Holger Krahnke hätte gern noch mehr Material für seine Sammlung. "Ich vermisse alte Postkarten und Zeitungen aus der Zeit vor der Wende", sagt er. Für die würde er sicher noch ein Plätzchen finden in den Regalen und Schränken unter dem Rathaus.
Zum Tag der Archive hatte der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare für Freitag und Sonnabend zum nunmehr 4. Mal eingeladen. Bundesweit beteiligten sich das Bundesarchiv, Kommunal-, Kirchen-, Medien- und Wirtschaftsarchive an der Veranstaltung, die in diesem Jahr unter dem Motto "Heimat und Fremde" stand.
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