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Denkmalschutz ist Millimetersache

Eisenhüttenstadt . Das ehemalige Fahrkartenhäuschen neben dem Krankenhaus ist Geschichte. Die Stadt ließ das marode Bauwerk in der vergangenen Woche durch die Stadtwirtschaft abreißen und musste deshalb auch Kritik einstecken. So schrieb Thomas Rein, ehemals Bauamtsleiter im Rathaus, das Häuschen habe im denkmalgeschützten Bereich gestanden. Damit wäre ein Abriss faktisch nicht erlaubt gewesen.

  Es war einmal: An dieser Ecke stand jahrelang das sogenannte Fahrkartenhõuschen. Bald soll an dieser Stelle eine Gr³nflõche entstehen, hei▀t es aus dem Rathaus. Foto: GMD/Gerrit Freitag ©

Die Stadtverwaltung hat nun reagiert: "Das besagte Gebäude befand sich nie im Denkmalbereich nach der Denkmalbereichssatzung für den WK I bis III", sagt Michael Reichl, Bereichsleiter Bauen. Auch "eine Unterschutzstellung als Einzeldenkmal" - wie sie beispielsweise für das Krankenhaus oder die Erich-Weinert-Grundschule gilt - existiere nicht. Dennoch wurde laut Reichl ein "Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis für den Abbruch" bei der Unteren Denkmalschutzbehörde gestellt. Von dort gab es keine Einwände.

Die in Beeskow sitzende Behörde bestätigte Montag erneut, dass das Häuschen nicht denkmalgeschützt war - auch wenn das Ganze scheinbar eine Millimeterentscheidung ist. "Der Denkmalschutz endet dort an der Straßenkante", hieß es nur. Die Wohnhäuser auf der anderen Straßenseite sind beispielsweise wieder geschützt. Das sei alles geprüft worden. Als Einzeldenkmal taucht das Bauwerk tatsächlich nicht in der Denkmalliste des Landes auf. Und was das "Flächendenkmal" betrifft, gibt es für das betroffene Areal nur folgende Angaben: "Friedrich-Engels-Straße (Nordseite)" und "Poststraße (Nordabschnitt ab Friedrich-Engels-Straße)".

Doch die Kritik Thomas Reins ging weiter. "Die Stadtverwaltung hat eine Nachnutzung und Ertüchtigung des Hauses verhindert." Auch Werner Schulz aus Eisenhüttenstadt meldete sich in der MOZ-Redaktion und sagte: "Es gab eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten - alles wurde ignoriert." Hier sei ein "charakteristisches Kleinod zunächst über mehr als ein Jahrzehnt vernachlässigt und nun auch noch entfernt worden." Eine traurige Entscheidung, die wieder einmal getroffen wurde, ohne den Bürger zu fragen, findet Schulz.

"Die Stadtverwaltung wie auch die Untere Denkmalschutzbehörde haben zu keinem Zeitpunkt Aktivitäten einer Nachnutzung beziehungsweise Ertüchtigung verhindert", erklärt Michael Reichl. Das Gebäude sei bereits 1990 an eine Privatperson aus Eisenhüttenstadt verkauft worden. Zu geplanten Umbauarbeiten gab es 1991 einen genehmigten Bauvorbescheid. "Leider hat der Eigentümer aus unterschiedlichen Gründen sein Vorhaben nicht realisiert", so Reichl, so dass der Kaufvertrag 2004 im beiderseitigen Einverständnis rückabgewickelt und der gezahlte Kaufpreis zurückerstattet wurde.

Bei dem Käufer handelte es sich damals um Brigitte Neumann oder vielmehr ihren Sohn. "Da sollte ein kleines Café draus werden", erzählt sie. "Aber es war ein Fehler, das zu kaufen." So habe man beispielsweise keine Parkplätze errichten dürfen. "Aus verkehrsrechtlichen Gründen, glaube ich", sagt Brigitte Neumann. "Aber das ist ja alles schon so lange her." 1200 Euro gab es nach ihren Angaben von der Stadt zurück, als der Kauf rückgängig gemacht wurde.

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