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Türenschleifen im Urlaub

Handarbeit: Jakob Grimm, Laura Hofrichter und Ewa Lewczuk (v. l.) befreien eine alte Tür von Lack und Firnis. Danach wird das Holz lediglich eingeölt.
Handarbeit: Jakob Grimm, Laura Hofrichter und Ewa Lewczuk (v. l.) befreien eine alte Tür von Lack und Firnis. Danach wird das Holz lediglich eingeölt. © Foto: MOZ
Lina Hatscher / 05.08.2011, 21:05 Uhr
Vierraden (In House) Dass Urlaub und Arbeit sich nicht ausschließen, ist in der Vierradener Tabakfabrik zu erleben. Zwei Wochen lang arbeiten dort 13 Jugendliche in einem Workcamp. Sie helfen bei der Renovierung der alten Villa und befreien etwa die alten Türen und Fenster von Lack und Firnis.

Der Verein Kunstbauwerk bietet seit über zehn Jahren Raum für internationale Jugendbegegnungen auf dem alten Fabrikgelände. Bei Workcamps werden Jugendliche, die zur freiwilligen Mitarbeit bei der Renovierung anreisen, von ausgebildeten Handwerkern angeleitet. Die jungen Teilnehmer kommen aus Polen, Spanien und Deutschland. Am 14. August ist in diesem Sommer der letzte Arbeitstag.

Die Jugendlichen sind auch deshalb nach Vierraden gekommen, um die Umgebung zu erkunden und andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Ihr Tagewerk endet am späten Nachmittag, dann trifft sich die Gruppe in der Küche, um gemeinsam zu kochen. Die Freiwilligen-Organisation Internationale Jugendgemeinschaftsdienste hat das Camp mitorganisiert. Das Team der 16- bis 25-Jährigen wird geleitet von der 23-jährigen Maria Lüdeke aus Sachsen-Anhalt und dem 25 Jahre alten Carlos Risen aus Valencia im Osten Spaniens.

„Ich habe schon bei einigen Workcamps mitgearbeitet, zum Beispiel vor zwei Jahren in Berlin“, erklärt Carlos Risen. Dass er jetzt lernt, Türen und Fenster von Lack zu befreien, erscheint ihm nützlich für den Alltag. Sein Studium in Valencia hat der 25-Jährige abgeschlossen. Er kennt sich aus mit Arbeit im sozialen Bereich wie auch mit der kommunalen Entwicklungsplanung. „In Spanien ist die Arbeitssuche derzeit sehr schwierig.“ Er ist mit der Situation in seinem Heimatland unzufrieden und kam deshalb nach Deutschland. Ganz Berlin sei derzeit voll von Spaniern, berichtet der junge Mann und lacht. Auf Mallorca hat er in einem anderen Camp bereits mitgearbeitet bei der Renovierung eines kleinen Gebäudes. Mit seiner Teamer-Kollegin Maria Lüdecke spricht er Deutsch und Englisch. „Carlos versteht schon eine Menge auf Deutsch“, sagt Maria Lüdecke. Die 23-Jährige hat gerade ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege in einer Zimmerei in Ostwestfalen-Lippe absolviert. „Ich fange in diesem Jahr eine Ausbildung zur Holzbildhauerin an.“ Auch Maria Lüdecke hat bereits einige Erfahrung mit den „Arbeitsurlauben“, die jungen Menschen ermöglichen zu reisen, ohne viel bezahlen zu müssen. „Wir wohnen hier in der Villa im zweiten Stock. Die Räume sind sehr hell und schön – das ist Luxus.“ Auf der Etage befinden sich die geräumige Küche sowie Schlafräume für mehrere Personen, die jeweils mit einem modernen Bad ausgestattet sind.

Seit dem Jahr 2003 arbeitet Gerd Patzschke, ausgebildeter Fliesenleger, mit auf der Baustelle. „Damals war das eine halbe Ruine“, erinnert sich der erfahrene Handwerker. Mittlerweile ist die Schönheit der denkmalgeschützten Villa aus dem späten 19. Jahrhundert an vielen Stellen freigelegt. „Die meisten Fenster sind original und wieder aufgearbeitet“, erklärt Gerd Patzschke. Im Treppenhaus fallen die Sonnenstrahlen durch ein kleinteiliges Fenster mit eingeschliffenem Blumenschmuck. Teile des Mauerwerks liegen frei, die alten Dielen sind abgeschliffen. Moderne Stahlelemente fügen sich in ihre Umgebung aus Holzbalken und Ziegelsteinen.

„Die Doppelstockbetten in den Schlafräumen stammen aus dem alten Waldbad. Sie haben dort in den Bungalows gestanden. Als diese abgerissen wurden, konnten wir uns die Gestelle samt Decken abholen“, erinnert sich Gerd Patzschke.

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