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22.06.2009 17:56 Uhr

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Zischende Raketen im blauen Himmel

. Zischend und blitzschnell saust die Rakete in den weißblauen Himmel, als Marvin Lemke den Startknopf drückt. Erst fliegt das Geschoss kerzengerade und hinterlässt dabei einen weißen Streifen. In 300, 400 Meter Höhe schlingert es plötzlich verhängnisvoll hin und her. So war das nicht geplant wird später klar. In luftiger Höhe öffnet sich das integrierte silberglänzende Flatterband. Minutenlang schwebt die Minirakete wieder sanft zur Erde und plumpst hinter einem Zaun ins kniehohe Gras. Ein Raunen geht durch die Runde. "Das Triebwerk war nicht in Ordnung", ruft jemand, der gerade noch das unscheinbare Etwas mit dem Fernglas fixiert hat. "Das Band hätte sich viel schneller öffnen müssen", sagt ein anderer.

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Die Männer müssen es wissen. Die Rakete, die da eben in der Luft war, hat einer von ihnen selbst gebaut. Rumpf, Zünder, Flatterband und sogar die Startrampe von der die 50-Zentimeter lange Rakete abgeschossen worden ist: Alles ist selbstgebastelt. Nichts von alledem gibt es als Setzkasten zu kaufen. So wie andere Eisenbahnen und ganze Streckennetze samt Bahnhof detailgenau zusammenbauen, basteln die Männer und Frauen vom Raketenmodellklub ihre Miniraketen. Dabei müssen sie mitunter erfinderisch sein. Das untere Teil der Startrampe zum Beispiel ist eigentlich ein Fotostativ. "Unser Hobby hat nichts mit dem Militär zu tun", stellt René Makowsky aus Berlin als erstes klar. " Das ist Quatsch. Viele Leute denken das nämlich, wenn sie von unserem Hobby hören. e_SDRq Das Hobby der übersichtlichen Gruppe nennt sich Raketenmodellbau. Als Krönung werden jedes Jahr Meisterschaften ausgetragen - so wie am Wochenende auf dem Flugplatz in Neuhardenberg. Dort fand zwei Tage lang ein Teilwettbewerb der Deutschen Meisterschaft statt.

Etwa 20 Leute nahmen an der exotischen Veranstaltung teil. Die meisten von ihnen kamen aus Berlin und Sachsen. Unter ihnen ist auch Claudia Schuster, eine der wenigen Frauen. Im verdorrten Gras etwas abseits der Landebahn sitzt sie im Schneidersitz und stopft Blumensteckmasse in den hohlen Körper ihrer Rakete. Auf der roten Hülle steht " GER-2036 e_SDRq , eine Lizenznummer, die nur ihr gehört und zur Identifizierung beim Deutschen Aeroklub eingetragen ist. Den Feuerschutz, der noch fehlt, baut sie aus Alufolie. " Der ist wichtig damit die Rakete nicht verbrennt e_SDRq , erklärt die 36-jährige Frau aus Berlin. Manchmal komme es schon vor, dass eine Rakete nach der Zündung abbrennt. Gefährlich sei das aber nicht, versichert sie. Bei der Meisterschaft soll aber alles klappen und perfekt sein. Verbrannte Raketen oder Fallschirme, die sich nicht öffnen, gehören jedenfalls nicht dazu. Der Versuch gilt als fehlgeschlagen.

Eine Stunde haben die Modellbauer während einer Meisterschaft gerademal Zeit, um in ihrer Disziplin die Raketen zu zünden. Drei Versuche gibt es insgesamt, die besten zwei Ergebnisse fließen in das Endergebnis ein. In dem kurzen Zeitfenster muss alles passen. Vor allem aber das Wetter. Jede noch so kleine Windböe ist fatal für den Raketenflug. Regen sowieso. Ziel ist es, die Rakete möglichst lange in der Luft zu behalten. Fünf Minuten, erklärt Uwe Brewka vom Berliner Raketenmodellklub, ist sozusagen Bestzeit. " Das allerdings schaffen die wenigsten. e_SDRq Er selbst sei mit seinem Ergebnis nicht zufrieden. " In der kurzen Zeit zeigt sich eben, wie gut man eine Rakete gebastelt hat, ob man die Wetterverhältnisse optimal ausnutzt und auch wie fit die Teilnehmer körperlich sind. e_SDRq Schließlich kommen die Miniraketen wieder herunter. Meistens landen sie hunderte von Metern irgendwo weit abseits, nicht selten in Bäumen. " Dann braucht man eben flinke Hufe, um die Rakete schnellstmöglich wiederzubekommen. e_SDRq

Dass ihre ungewöhnliche Beschäftigung eine Randsportart ist, wissen die Raketenmodellbauer natürlich. So wie in Neuhardenberg bleiben sie meistens unter sich. Zuschauer gibt es selten. Zumindest ist das in Deutschland so. Gerade einmal 30 Männer, Frauen und Kinder gebe es zurzeit, schätzt Claudia Schuster. " In den osteuropäischen Ländern sieht das ganz anders aus. Da ist der Sport richtig populär e_SDRq , sagt sie. Als sie 2006 etwa an der Weltmeisterschaft in Kasachstan teilnahm, warteten schon hunderte Zuschauer und wollten sogar Autogramme. Im beruflichen Leben berät die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Schuster große Unternehmen. Warum sie in ihrer Freizeit ausgerechnet Raketen baut? Claudia Schuster lächelt. Die Frage habe sie schon oft in ihrem Leben gehört. " An unserer Schule gab es die AG Junge Modellraketenbauer. Da hab e_SSRq ich mitgemacht und bin bis heute dabei geblieben. " 23 Jahre ist das inzwischen her. Die Leidenschaft zu Basteln und die Spannung eines Raketenfluges haben die junge Berlinerin bis heute nicht losgelassen.

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