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Homosexuelle vor allem auf dem Land nicht anerkannt

Potsdam . ­ Sie werden von Rechtsradikalen angegriffen oder Opfer von Gewalt innerhalb der Familie. ­Trotz Aufklärungsarbeit leben Homosexuelle in Brandenburg weiterhin gefährlich. Besonders schwierig sei die Situation auf dem Land, wo jeder jeden kennt, sagte die Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange in Potsdam, Gabriele Kerntopf. "In Berlin ist die Bereitschaft, Übergriffe anzuzeigen, größer als auf dem Land. Dort haben Lesben und Schwule Angst, sich mit der Anzeige gleichzeitig auch zu outen."

Zwar habe sich die Zusammenarbeit mit der Polizei verbessert. Aber noch immer sei unter Homosexuellen die Angst, nicht ernst genommen zu werden, groß. "Da ist Berlin schon ein Stück weiter." Um Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung Opfer von Gewalttaten werden, besser helfen zu können, habe die Landeskoordinierungsstelle 2008 ein Überfall- und Opfertelefon eingerichtet. Es sei das erste, das in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Tolerantes Brandenburg und seinen Partnern unterstützt wird.

"Es wird genutzt, oft auch anonym." Es gebe etwa "eine Hand voll Anrufe" pro Monat. Betroffene würden beraten oder zu Polizei und Hilfsorganisationen begleitet. Konkrete Zahlen zu Übergriffen auf Homosexuelle gebe es in Brandenburg aber nicht. Der Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter Berlin-Brandenburg (VelsPol) teilte mit, dass laut einer Studie für 2007 und 2008 knapp ein Drittel aller gemeldeten Delikte Bedrohungen und Beleidigungen gewesen seien. Die Dunkelziffer jedoch sei hoch: Gut 90 Prozent aller Übergriffe würden aus Angst oder Scham erst gar nicht angezeigt, hieß es.

Jede gesetzliche Änderung zugunsten von Lesben und Schwulen trage ein Stück mehr zu deren Akzeptanz bei, betonte Kerntopf. "Das heißt aber nicht, dass Homosexuelle nicht mehr von Rechten im Park zusammengeschlagen werden." Im Umgang mit Homosexuellen sei in den vergangenen Jahren in Brandenburg "schon ein Aufwärtstrend zu bemerken" gewesen. Dazu hätten Vereine, Verbände und auch die Politik beigetragen. Es müsse aber noch viel getan werden, um in den Köpfen der Menschen etwas zu verändern ­ "bei Frau Müller und Herrn Meier am Frühstückstisch in der Prignitz".

Um auf die Belange von Lesben und Schwulen aufmerksam zu machen, wollen sich auch Homosexuelle aus Brandenburg an der Straßenparade zum Christopher Street Day in Berlin an diesem Samstag beteiligen. Vom 6. September an wird es in Brandenburg außerdem erneut die Informationskampagne "LesBiSchwule Tour" geben. Dabei wird in unterschiedlichen Städten die Regenbogenflagge gehisst und auf der Straße sowie in Schulen für mehr Toleranz geworben. In diesem Jahr soll Nordwestbrandenburg im Fokus stehen. "Es gibt kaum noch einen Bürgermeister, der sich weigert, die Regenbogenflagge zu hissen."

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