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Blitzerauto bringt 246 000 Euro ein

Sven Klamann / 24.08.2011, 21:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Seit beinahe einem Jahr ist das neue Blitzerauto der Stadt in Eberswalde im Einsatz. Der unscheinbare Lieferwagen, ein VW Caddy, hat inzwischen knapp 11 000 Kilometer auf dem Tacho. Und wird im Rathaus als wichtiger Beitrag zu mehr Sicherheit im fließenden Verkehr angesehen.

Jeden Tag ist der mit moderner Technik ausgestattete Wagen auf Eberswaldes Straßen unterwegs. Mehr als 100 Messstandorte sind eingerichtet, in allen Ortsteilen ist Rasern zur Vorsicht zu raten. „Die genauen Stellen geben wir nicht preis, weil wir auf die erzieherische Wirkung des Geblitzt-werdens setzen“, sagt Lutz Landmann, der als Beigeordneter für das Dezernat II und damit auch für das Bürger- und Ordnungsamt im Rathaus zuständig ist. In diesem Amt sind die acht Außendienstmitarbeiter tätig, die das Messauto fahren, wenn sie nicht gerade den ruhenden Verkehr überwachen oder gewerbliche Verstöße ahnden.

Nur dass die Straßen vor Schulen und Kitas zu den Schwerpunkten der Blitzerei gehören,lässt sich der Beigeordnete noch entlocken. Den von erwischten Autofahrern immer wieder erhobenen Vorwurf der Abzocke lässt Lutz Landmann nicht gelten. „Wir haben im vorigen Jahr durch ertappte Raser Verwarn- und Bußgelder in Höhe von knapp 246 000 Euro eingenommen. Wer das als wichtige Einnahmequelle für die Stadt wertet, verkennt den Umstand, dass unser Verwaltungshaushalt 2010 ein Volumen von 55 Millionen Euro hatte“, sagt der Beigeordnete.

Die ständigen Beschimpfungen durch zur Kasse gebetene Raser haben dennoch zu Konsequenzen geführt. Die Außendienstmitarbeiter werden auf den Anhörungsbogen nicht mehr namentlich genannt, um sie vor Unbill zu schützen. Stattdessen tragen die Zeugen Nummern. Nur wenn die Angelegenheit vor Gericht behandelt wird, ist es mit der Anonymität vorbei.

Zu den Messbeamten, die im Blitzerauto Dienst schieben, gehört der Zeuge mit der Nummer 19, den die MOZ zu einem Einsatz in der Pfeilstraße begleitet, an der es gleich zwei Kindertagesstätten gibt.

Im Wagen bleibt vor lauter Technik kaum Platz für Beifahrer. Das wichtigste Gerät ist die Digitalkamera, die in drei Richtungen blitzen kann – nach vorn, nach hinten und zur Seite. Vorausgesetzt, der Zeuge 19 oder einer seiner Kollegen haben die Kamera richtig justiert. Und zuvor den Wagen so eingeparkt, dass er mit Vorder- und Hinterrad gleichweit von der Bordsteinkante entfernt steht. „Da sind höchstens zwei, drei Millimeter Spiel erlaubt“, sagt der Messbeamte, der das Auto nach drei Versuchen korrekt abgestellt hat.

Die Pfeilstraße ist eine Tempo-30-Zone. Der Blitzer löst aus, sobald ein Autofahrer acht Kilometer pro Stunde darüber ist. „Drei km/h ziehen wir als Toleranz ab. Dann gibt es für fünf Km/h zu viel ein Verwarngeld von 15 Euro“, berichtet der Außendienstmitarbeiter. Neben ihm liegt ein Handkontrollgerät, das ebenfalls die Geschwindigkeit der vorbeirollenden Autos anzeigt. Weil dieses Teil immer im Auge behalten werden muss, können Nummer 19 oder seine Kollegen den Wagen zwischendurch nicht verlassen, obwohl die Kamera automatisch auslöst, sobald das Radar bei zwei Messungen in Bruchteilen von Sekunden ein zu hohes Tempo registriert hat. Sämtliche Bilddateien werden auf einem USB-Stick gespeichert, einmal in der Woche ausgelesen und dann fürVerwarn- oder Bußgeldbescheide verwendet, die in der Regel maximal nach zwei Wochen im Briefkasten des Rasers landen.

An der Pfeilstraße trifft es die Fahrerin eines VW Golf, die mit 39 Kilometer pro Stunde geblitzt wird. Alle anderen Verkehrsteilnehmer sind an diesem Vormittag vorschriftsmäßig unterwegs. Der Messbeamte Nummer 19 wirkt keineswegs enttäuscht. „Wenn die Autofahrer in Eberswalde doch immer so vernünftig wären“, sagt er, als er den Einsatz nach einer Stunde abbricht. Jagdfieber sieht anders aus.

Im vorigen Jahr sind in der Stadt 5375 Geschwindigkeitssünder belangt worden, Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor.

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WackelDackel 04.11.2011 - 22:21:24

:) beim letzten Besuch ...

... dieser Stadt, vor circa 15 Jahren, bekam ich Nachts um 01:30 Uhr einen Strafzetttel wegen falsch Parkens (ich hatte vergessen die Parkuhr ins Fenster zu legen) Man meidet dann einfach solche Städte ;) Warum sieht man die Polizei eigentlich nie vor Schulen und Kindergärten kontrollieren ?

Ein Fußgänger 26.08.2011 - 13:18:23

Alternativen?

(1) Man gegen die Einnahmen von 246T EUR auch die Ausgaben für ein bis zwei Personalstellen p.a. rechnen. Alles andere greift in der Darstellung zu kurz. Am Ende bleibt wenig übrig und der Weg vor der Schule oder der Kita ist nicht sicherer. (2) Daher sollten die Personalstellen besser im Bereich der öffentlichen Ordnung und Sicherheit eingesetzt werden. Wer beschützt unsere Kinder vor freilaufendenen Hunden im Park am Weidendamm (teilweise Kampfhunde, die auf der Wiese vor der Polizeiwache traniert werden)? Wer ermahnt die Jugendlichen im Park, keinen Müll sorglos wegzuwerfen? Wer ermahnt die Hundehalter den Hundekot ordungsgemäß zu entsorgen? -- Hier ist überall das Ordnungsamt gefragt! Die Prioritäten müssen, bei knappen Ressourcen, endlich anders gesetzt werden.

Müller 26.08.2011 - 09:25:53

auch geblitzt

Ich kann Hr. Fischer nur voll zustimmen, man stellt sich im Berufsverkehr an eine belebte Straße und notiert sich die vorbeifahrenden Autos. Wie warscheinlich in meinem Fall ging es an diesem Nachmittag zweispurig stadteinwärts mit unter 60 km/h, ich sah den Caddy, bremste aber nicht aprupt ab und sah auch kein Blitz aufleuchten (Schwarzblitz??). Es muß in dieser Zeit dem Stadtsäckel gut getan haben, das viele nach Hause wollten.

Wolfgang Müller 26.08.2011 - 09:24:02

auch geblitzt

Ich kann Hr. Fischer nur voll zustimmen, man stellt sich im Berufsverkehr an eine belebte Straße und notiert sich die vorbeifahrenden Autos. Wie warscheinlich in meinem Fall ging es an diesem Nachmittag zweispurig stadteinwärts mit unter 60 km/h, ich sah den Caddy, bremste aber nicht aprupt ab und sah auch kein Blitz aufleuchten (Schwarzblitz??). Es muß in dieser Zeit dem Stadtsäckel gut getan haben, das viele nach Hause wollten.

Kolbe 26.08.2011 - 09:10:11

Blitzerauto keine Abzocke?

Es ist sicher richtig, dass das Blitzerauto an Stellen steht, die verkehrstechnisch gefährdet sind, wie z.B Schulen und Kitas, aber das sind nicht die wirklichen „Einnahmequellen“. Ich habe jahrelang an einer Schule gearbeitet, die allein durch den Schulbusverkehr an einer gefährdeten Stelle lag. Hier Tempo 30 für relevante Zeiten einzurichten und zu kontrollieren fand ich sehr vernünftig. Viele Temposünder gab es hier „Gott sei Dank“ nicht, weil wahrscheinlich viele verstanden haben, warum diese Tempoeinschränkung notwendig ist. Wenn aber sonntagmorgens um 06:17 in Eberswalde-Westend (vierspurige Straße mit begrüntem Mittelstreifen) das Blitzerauto steht, ist das für mich Abzocke!!!

kein Raser 25.08.2011 - 16:34:49

@ Stephan Fischer

Man sollte im Straßenverkehr nur niemals unaufmerksam sein! (schreibt einer, der leider selbst sehr oft schon geblitzt wurde und sich das immer wieder hinter die Ohren schreibt).

Stephan Fischer 25.08.2011 - 08:53:25

RADAR!

Um es vorweg zu sagen: Raser müssen bestraft werden! Aber mit Verlaub: Wen erwischen Sie eigentlich öfter? Die üblen Rowdies oder eher etwas unaufmerksame, auswärtige Verkehrsteilnehmer? Ich wohne an einem der "Überwachungspunkte": Die Raser kommen erst, wenn die Luft rein ist! Wenn Sie den Vorwurf der Bürger-Abzocke vermeiden wollen, dann reicht vollkommen eine Geschwindigkeits-Anzeige wie in Spechthausen! Oder ein Hinweisschild: RADAR!

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