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03.11.2009 06:13 Uhr - Aktualisiert 03.11.2009 06:13 Uhr

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„Classic Lounge“ wartete im Offenbacher Capitol mit Bearbeitungen und Uraufführungen auf

. Offenbach - Bemüht man sich heute um möglichst authentische Wiedergabe älterer Musik, so galt es im 18. Jahrhundert keineswegs als tabu, die Werke alter Meister dem Zeitgeschmack anzupassen. Von Eva Schumann

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„ Classic Lounge“ wartete im Offenbacher Capitol mit Bearbeitungen und Uraufführungen auf

© Georg

Ein berühmtes Beispiel ist Mozarts Bearbeitung von Händels „Messias“, von der die Neue Philharmonie Frankfurt anlässlich der „Classic Lounge“ im Offenbacher Capitol Kostproben gab. In der farbigen Neu-Instrumentation, aber auch in der fast romantischen Interpretation des jungen israelischen Dirigenten Yoel Gamzou und des Orchesters hatte die Ouvertüre nicht mehr viel von Händel.

Gleichwohl war sie klanglich und gestalterisch genussreich, ebenso wie die vokalen Beiträge. Das rezitativisch umgestaltete „Wenn Gott ist für uns“ und die beliebte Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ sang Sabine Goetz sehr innig und mit instrumentaler Klarheit.

Bearbeitungen bis hin zu Drittversionen waren das Thema der Lounge „barock 2.0“. Bach hat gerade moderne Komponisten inspiriert. Hohe Anforderungen an Orchester und Dirigenten stellte Anton Weberns geniale Streicherbearbeitung des „Ricercare à 6“ aus dem „Musikalischen Opfer“. Da Webern die Melodielinien auflöst und von Instrument zu Instrument wandern lässt, war dichte Kommunikation gefragt. Dem Mahler-Spezialisten Gamzou lag dieses farbige Mikrokosmos besonders, und so war eine präzise und sensible Interpretation zu hören.

Den Contrapunctus XIX aus der „Kunst der Fuge“ konnte Bach nicht mehr vollenden. Wie etliche Kollegen vor ihm hat auch Rolf Rudin das Fragment stilgerecht und mit geschickter Instrumentation ergänzt. Die erste deutsche Aufführung fand in Offenbach viel Beifall. In eine ganz andere Stilsphäre führte „A Whiter Shade Of Pale“ der Band Procul Harum, das auf Bachs „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, der populären Air und der Arie „Vergnügte Seelenlust“ basiert, schuf Patrik Bishay eine farbige Orchesterversion.

Zum Barock gehört das Cembalo. In Ron Goodwins vergnüglichem „Miss Marple Concerto“ war es Olaf Joksch anvertraut, allerdings nur am elektronischen Instrument. Einen freizügigen Zugriff auf eine Barockkomposition wagte Ernst Horn. Die Neue Philharmonie hatte ihm die Aufgabe gestellt, sich von Händel inspirieren zu lassen. In seinen „Spiegelarien“ kombinierte er Anfang und Ende der Arie „Rejoice... And He shall speak peace unto the heathen“ mit Barenboims Wort „There is no peace without justice“. Zum Erfolg der Uraufführung trug wesentlich die Sopranistin bei, der eine makellose Verbindung von barockem und modernem Stil gelang.

Ein grandioses Finale war Ludger Vollmers Neukomposition von Buxtehudes Toccata in d. Er setzte nicht nur die Register der Marienkirchen-Orgel um, sondern fügte neue Orchesterfarben hinzu. Auch für diese Reise in die Vergangenheit durfte der Komponist herzlichen Applaus entgegennehmen.

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