Klein Döbbern (MäMa) Alles aus Styropor: Ein kleines Brandenburger Unternehmen fertigt Figuren und Buchstaben aus Kunststoff für Großkonzerne aus aller Welt.
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Fast wie echt: Mitarbeiter Christian Schäfer bemalt für das Lausitzfest in Cottbus den Spremberger Turm.
Im Jahr 2002 stand seine neu erworbene Schneidemaschine zum Fräsen von Styropor noch in der Garage seiner einstigen Lackiererei. „Wenn ich mal einen Auftrag einer kleinen Cottbuser Firma erhielt, war ich glücklich“, sagt Enrico Frühling rückblickend. Heute erhält seine Firma „Stylework“ mit fünf Angestellten Aufträge von großen Auto- und Sportartikelherstellern, Airlines und aus der Werbebranche.
Zwei Zahlen, ein Punkt und 19 Buchstaben bedeuteten ein Wendepunkt für Enrico Frühling. Damals, im Jahr 2003, erhielt er über persönliche Kontakte den Auftrag, metergroße farbige Buchstaben und Zahlen aus Styropor für den Schriftzug „13. Filmfestival Cottbus“ zu fertigen, „den ersten lohnenden Auftrag“, wie er sagt. Die Idee war, die Buchstaben mit Flyern zu bestücken und vor ausgesuchten Läden der Stadt aufzustellen, um auf das Festival einzustimmen. „Das Festival und dieses Ritual gibt es heute noch, und jeder weiß: Wenn die Buchstaben im Stadtbild zu finden sind, geht das Filmfestival bald los“, erzählt der Buchstaben-Macher. Zur Eröffnung stehen sie dann auf der Bühne des Staatstheaters.
Nicht nur das Festival lebt bis heute, auch seine Firmenidee, aus Styropor, Hart- oder Weichschaum Buchstaben, Figuren und 3D-Dekorationen herzustellen, hat sich entwickelt. Und die Festival-Buchstaben gehören seitdem jedes Jahr zu seinen Aufträgen. Sie erhalten eine neue Farbe, werden ausgebessert oder bei zu großem Verschleiß ausgewechselt. 2001 hatte er sich eine entsprechende computergestützte Schneidemaschine zugelegt und sich ein Jahr später mit „Stylework“ selbstständig gemacht. Mittlerweile erhält er Aufträge von VW und Audi, Adidas und Nike, von Easyjet, Pro 7, Google, BASF und Sony Pictures.
Ein solches Unternehmen aufzubauen, war kein lange gehegter Wunsch. Er hatte sich bereits mit seiner Auto-Lackiererei in Cottbus eine Existenz aufgebaut. Der gelernte Maler und Lackierer musste jedoch mit ansehen, dass die Auftragslage immer schwieriger wurde. Er war auf der Suche nach einem zweiten Standbein und dachte zunächst daran, sich eine Airbrush-Spritzanlage für Autos anzuschaffen. „Ich fuhr in die Schweiz, um mir eine solche Maschine anzuschauen, aber letztlich fand ich keine Bank, die mir einen Kredit für die 50 000 Euro-Investition gab. In der Schweiz entdeckte ich aber eine Schneidemaschine für Styropor, mit der große Buchstaben geschnitten und für Werbezwecke verkauft wurden. Damals waren großformatige 3D-Werbeobjekte noch nicht so weit verbreitet, und in der Region um Cottbus hatte so etwas noch niemand angeboten. ‚Das könnte etwas sein‘, sagte ich mir und kaufte eine solche Anlage“, schaut er zurück. Zudem kostete sie wesentlich weniger als die Airbrush-Maschine, und eine Bank fand sich dann auch.
Enrico Frühling stellte seine neue Errungenschaft in eine Garage neben seiner Werkstatt, doch genutzt hatte er sie kaum. Zunächst musste er sich in das neue Metier einarbeiten, Aufträge gab es auch fast keine – bis er mit Bekannten, die in Cottbus das Filmfestival organisierten, am Biertisch saß und die Idee mit den verteilten Buchstaben in der Stadt austüftelte. Mit dieser Buchstaben-Aktion wurden nun auch andere Kunden aufmerksam. So stellte er für eine Fruchthandelsgesellschaft übergroße Möhren, Kohlrabi und Schoten als Werbefiguren oder riesige Sterne für ein Shopping-Center her. Dann kratzte er eines Tages sein Geld zusammen und leistete sich einen Stand bei der Dialogmesse b2d für Unternehmen und Existenzgründer einer Region, in seinem Fall Berlin/Brandenburg. Hier knüpfte er Kontakte, die zu seinem ersten überregionalen Auftrag führten, als er für Easyjet überdimensionale Flip-Flops und Luftmatratzen als Werbetafeln für Flugangebote fertigte.
Der Durchbruch war geschafft, und es folgten weitere Aufträge, denn er wurde zum ersten Mal in die Liste einer großen Werbeagentur aufgenommen – als Spezialist für großformatige 3D-Kunststoffaufsteller. Jede dieser Werbeagenturen arbeitet für mehrere global agierende Unternehmen. So kamen plötzlich auch Auto-Konzerne oder Sportartikelhersteller auf ihn zu. Er war in der Werbebranche angekommen, konnte Mitarbeiter einstellen, einen neuen Firmenstandort in Klein Döbbern, südlich von Cottbus, beziehen und sich eine größere Fräsmaschine leisten. Außerdem erweiterte er die Palette der verarbeiteten Kunststoffe und Beschichtungen.
Besonderes Aufsehen erregte die Firma mit einem Auftrag von Nike im Vorfeld der Fußball-WM im vergangenen Jahr. Sein Team und er sollten die Stars Wayne Rooney (England), Cristiano Ronaldo (Portugal) und Robino (Brasilien) in speziellen Posen lebensgroß und in 3D aus Kunststoff herstellen, in mehrfacher Ausführung. Dazu wurden die drei Spieler in der amerikanischen Konzernzentrale eingescannt. Mit diesen Daten konnte Enrico Frühling nun arbeiten. „Jede einzelne Trikotfalte musste sitzen“, war ihm klar. „Kurz zuvor hatten wir schon für eine Veranstaltung dieses WM-Sponsors die Anfangsbuchstaben der teilnehmenden Länder hergestellt, auf denen dann die entsprechenden Fahnen präsentiert wurden. „Zwei Sattelschlepper fuhren mit der Ladung vom Hof“, erzählt er.
Oftmals müssen Enrico Frühling und seine Mitarbeiter Sonderschichten einlegen, wenn wieder einmal eine komplette Bühnendekoration, beispielsweise für den Roten Teppich am Potsdamer Platz oder eine Kino-Premiere, in nur zehn Tagen ausgeliefert werden soll. „Da arbeiten wir im 3-Schicht-System. Schade nur, dass nach zwei Stunden die Deko wieder verschwindet. Aber das ist eben unser Geschäft.“
Informationen im Internet unter www.stylework.de
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