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Eberhard Görner stellt in der Galerie Bernau seinen Streifen „Ruhen in der Zeit“ vor

Ein Film über den normalen kirchlichen Alltag

Renate Parschau / 29.09.2011, 19:39 Uhr
Bernau (rpa) Bernau. Es sind tolle und engagierte Frauen dort, schwärmtRegisseur Eberhard Görner. AnÄbtissin Laetitia lobt er uneingeschränkt das Engagement für die Generalsanierung und den Bau des Hoteltraktes im Zisterzienserinnenkloster Waldsassen. Ein Jahr lang, vom September 2007 bis September 2008 hat er mit einem Filmteam die Nonnen begleitet – vom Laudes, ihrerersten Morgenandacht, bis zum Komplet, dem Nachtgebet.

„Ora et labora“ – bete und arbeite, ist das Lebenscredo der Nonnen im Kloster nahe der bayerisch-böhmischen Grenze. „Lieber Gott, Küchenarbeit ist wie die Ewigkeit. Sie nimmt kein Ende. Amen.“ Dieses Stoßgebet hängt an der Pinnwand der klösterlichen Lehrküche, in der Schwester Gertrud den Schülern zeigt, wie man Apfelstrudel zubereitet. Schwester Theresia wird dort mit der Kamera begleitet,wie sie Kräuterbonbons herstellt. Die freundliche alte Dame, oder besser wohlOrdensfrau, ist 1931 geboren und spricht offen über ihre schwierigen Zeiten, als sievon 1951 bis 1972 nicht einmal nach Hause fahren durfte. Auch nicht, als der Vater an Krebs erkrankt war und starb. „Ich muss ehrlich sagen, wenn ich das vorher gewusst hätte, wie schwer das ist, ich glaube, ich hätte es nicht fertig gebracht.“

Schwester Hanna-Maria, Novizin und 2007 gerade 20 Jahre alt, kommt aus Lüdenscheid. Als Austauschschülerin in Kanada hatte sie Probleme, mit anderen Jugendlichen klarzukommen. „Dadurch hat sich meine Beziehung zu Jesus, die ich eigentlich schon vorher hatte, ziemlich intensiviert.“ Jesus war ihre Vertrauensperson, an ihn konnte sie sich immer wenden. Noch hat sie einige Monate, um zu entscheiden, ob das Leben in der Gemeinschaft ihr Weg sein wird. Am Ende des Films wird sie feierlich das Gelübde ablegen und in die Ordensgemeinschaft des Zisterzienserinnenklosters aufgenommen. Die Bilder, wie ihr Äbtissin Laetitia den Habit anlegt und am Ende den Kranz der Braut Jesu auf der Haube befestigt, sind die berührendsten Momente dieses Films. Hier hat jemand bewusst eine Entscheidung für eine Lebensalternative getroffen, die sich grundlegend von allen anderen unterscheidet.

Präzise, minutiös und detailversessen lässt Eberhard Görner Kameramann Markus Stoffel sowie Michael Hoßbach und Stefan Urmann (Ton) das alltägliche Leben im Kloster aus nächster Nähe einfangen – mitsamt der Schritte auf dem Stein des Kreuzganges, Stühleknarren, Quietschen der Orgelbank und Plätschern des Weihwassers. Erverwendet ausschließlich Originalton und keine Kommentare. „Ruhen in der Zeit“, das sind 143 Minuten zum Teil sehr anrührende Dokumentaraufnahmen, auch von Abt Bernhard, der mit Rollator durch die beeindruckende tschechische Klosteranlage Osek schlurft und auf die ersten Mönche wartet.

„Nein, ich bin kein gläubiger Katholik geworden durch die Arbeit an dem Film“, sagt Eberhard Görner im anschließenden Gespräch mit den Zuschauern. „Aber ohne das Christentum hätten wir in Europa weder Bach noch Schütz, weder einen Raphael noch Michelangelo. Wir sollten die Werte, die damit verbunden sind, verteidigen.“ Drei Leuchttürme nennt er, die für ihn mit dem Glauben untrennbar verbunden sind und in die Welt hinauswirken: die Frauenkirche in Dresden als protestantisches Monument, die Franckeschen Stiftungen in Halle und – das Zisterzienserinnenkloster in Waldsassen.

Mit dem Film und dem dazu gehörigen Buch „Ruhen inder Zeit im Herzen Europas“ hat er darüber hinaus gezeigt, dass es fernab der im Zusammenhang mit Kirche und Glauben ständig in den Mittelpunkt gestellten Skandale um sexuellen Missbrauch, homosexuelle Priester und dem latenten Wunsch nach der Abschaffung des Zölibates auch eine ganz normale christliche Realität in Deutschland gibt.

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