Slubice (MOZ) Seit Donnerstag steht im Foyer des Slubicer Rathauses ein Tisch, an dem die Einwohner der Nachbarstadt ihr Votum zum möglichen Bau einer Straßenbahn über die Oder abgeben können. Bis Freitagmittag landeten um die 90 Stimmen?in der Urne, die Befragung läuft noch bis zum 7. Oktober.
„Es erscheint uns unrealistisch, dass täglich mehr als 3500 Menschen mit der Straßenbahn über die Oder fahren sollen. Und wie viel werden eigentlich die Fahrscheine kosten? 1,30 Euro wie in Frankfurt? Das wären ja sechs Zloty, für Polen viel zu teuer.“ Es ist ein Zufall, dass wir gerade den Deutschen Sebastian Melz und seine polnische Partnerin Joanna Szlapka – beide leben in Slubice – bei der Abstimmung treffen. Doch das Paar scheint sich auf das Votum gut vorbereitet zu haben. „Das Vernünftigste wäre, wenn ein Bus fährt“, argumentiert Melz weiter, „auch wenn die EU das meiste bezahlen würde, wir sind gegen die Bahn.“
Im strengen Sinne ist es keine Volksabstimmung, sondern eine Bürgerkonsultation, die im Nachbarort läuft. „Die Leute können ein Kreuzchen bei Ja oder Nein machen und zudem noch Anmerkungen auf den Stimmzettel schreiben“, erklärt Ryszard Sucharski. Er und sein Kollege Tadeusz Kolanowski protokollieren die Namen derer, die abstimmen, beantworten aber auch Fragen. „Mir scheint, dass bisher etwa 50 Prozent dafür und 50 Prozent dagegen waren“, sagt Kolanowski. Als Entscheidungshilfen gibt es zwei Info-Blätter. Auf dem einen ist die geplante Trasse bis zum Heldenplatz (Plac Bohaterów) dargestellt, auf dem anderen die Kostenplanung. „Die Zahlen sind aber nicht mehr auf dem neuesten Stand“, entschuldigt sich Sucharski.
Das Gefühl, dass die Bewohner der Nachbarstadt zu wenig Informationen darüber haben, wie das Projekt genau realisiert und finanziert werden soll, beschleicht einen auch, wenn man einfach auf der Straße jemanden dazu anspricht. „Eine Straßenbahn über die Oder, das ist eine gute Idee. Das wäre doch eine tolle Touristenattraktion“, meinen die Eheleute Mariusz und Irena Marczak fast wie aus einem Munde. Auf die Frage allerdings, ob sie denn auch im Rathaus dafür stimmen werden, entgegnen sie erstaunt: „Wir wussten gar nicht, dass es jetzt so eine Abstimmung gibt.“
Diese läuft noch bis kommenden Freitag und am 4. Oktober soll die Wahlurne nachmittags im Stadtzentrum aufgebaut werden, um die Beteiligung zu erhöhen. Bürgermeister Tomasz Ciszewicz hält die Konsultation für einen guten Weg. „Ich bin mir sicher, dass unsere Stadtbewohner ein vernünftiges Urteil fällen werden“, sagt er. Nach der Auswertung, die bis Ende Oktober erfolgen soll, werde sich die?Kommune dann entscheiden.
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Neueste Kommentare
21.05.2012 18:02:48 Ulrike
Unfaßbar....
21.05.2012 17:53:06 Lothar
Wahrheit
21.05.2012 17:48:53 Pro SMC-Ausbau
@ Marco Habeck
21.05.2012 17:45:19 u.lehmann
Typisch
21.05.2012 17:34:43 Ein Leser
Liebe MOZ