Senftenberg (MOZ) Winzigklein sind Algen, grün und glitschig. Eigentlich haben sie einen schlechten Ruf, weil sie sich an heißen Tagen wie ein Teppich auf Gewässern ausbreiten können. Doch die pflanzenartigen Lebewesen haben auch eine gute Seite. Sie binden klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Massenhaft kultiviert könnten sie sogar zum Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel werden.
Mit prüfendem Blick: Eine Vattenfall-Mitarbeiterin beobachtet das Einströmen der Algen in einen Reaktor.
Die Einzeller brauchen nicht viel, um zu tun, was sie diesbezüglich tun sollen. Sonnenlicht, etwas Wärme, frisches Wasser und ein paar Nährstoffe. All das bekommen sie in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz), wo die Mikroorganismen jetzt in großem Stil gezüchtet werden.
Vattenfall will mit seinem Senftenberger Forschungsprojekt herausfinden, ob die Verbrennung der einheimischen Braunkohle künftig weniger umweltbelastend vonstatten gehen kann, weil Algen den Klimakiller CO2 effizient verwerten und somit zumindest einen Teil zur Lösung des CO2-Problems beitragen. Im Juli 2010 war eine erste Versuchsanlage des Energiekonzern in Betrieb gegangen. Eine weitaus größere Algenzuchtanlage hat gestern ihre Arbeit aufgenommen.
Lichtdurchflutet ist das Gewächshaus, in dem die Forschungsanlage untergebracht ist. Zwölf große Versuchsbecken passen in den Raum. Jedes Röhrenmodul ist sechs Meter hoch, zwei Meter breit, ein paar Zentimeter tief und fasst 4400 Liter. Alles in allem hat die Anlage mit dem Namen „hanging gardens“ (hängende Gärten) ein Fassungsvermögen von 48 000 Litern. Somit ist sie 22-mal größer als Vattenfalls erste Zuchtanlage und nach Angaben des Konzerns die weltweit größte ihrer Art. Eine Besonderheit der von einem österreichischen Unternehmen entwickelten „hanging gardens“ ist, dass die Algenreaktoren schwenkbar sind und automatisch mit dem Sonnenlicht mitwandern. Dadurch können sie laut Vattenfall die Sonnenenergie optimal ausnutzen.
Die Mikroalgen werden mit CO2 in Form von Rauchgas aus dem benachbarten Heizkraftwerk „gefüttert“, das mit Braunkohlestaub befeuert wird. Das Wasser, in dem sich die Algen befinden, wird zusätzlich mit Phosphor, Stickstoff und Sonnenlicht versorgt. Dann passiert etwas, das auf dem Prinzip der Photosynthese basiert. Die sich rasch vermehrenden Algen nehmen CO2 auf und bauen den Kohlenstoff mit Lichtenergie in neue chemische Verbindungen ein. „Dabei erzeugen sie zusätzlich Biomasse“, erklärt Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer. In der Biomasse liege ein weiterer ökologischer Vorteil. Mögliche Verwertungswege seien Biogasanlagen, die Produktion von Bio-Treibstoff oder die Verwendung als Zusatz in der Futtermittel- und der Kosmetikindustrie.
Nicht nur Vattenfall erforscht die Algenzucht. Auch die Energieerzeuger RWE und E.on betreiben Testanlagen. Viele Stadtwerke arbeiten ebenfalls an Lösungen.
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Neueste Kommentare
21.05.2012 18:05:38 Martin Hampel
Sprachkompetenz
21.05.2012 18:02:48 Ulrike
Unfaßbar....
21.05.2012 17:53:06 Lothar
Wahrheit
21.05.2012 17:48:53 Pro SMC-Ausbau
@ Marco Habeck
21.05.2012 17:45:19 u.lehmann
Typisch