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Hans Eberhard 15.10.2011 07:58 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Ein Steuermann an der Oder

Frankfurt (MOZ) Ulrich Eulenberger gilt mittlerweile als „alte Eule“ im Rudersport. Der 51-Jährige hält seinem Verein – erst BSG Halbleiterwerk, jetzt Frankfurter Ruder-Club von 1882 – mit kurzer Armeezeit-Unterbrechung seit vier Jahrzehntendie Treue. Seit 1990 hat er Sitz und Stimme im Vorstand des FRC, ist Kassenwart beim ältesten, wiederbelebten Ostbrandenburger Ruderverein.

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Erste Versuche im Ruderkasten: Ulrich Eulenberger kümmert sich beim Training um die Neuzugänge Laura (9) und Nils (10).

© Michael Benk

Seit nunmehr zehn Jahren kümmert sich Ulrich Eulenberger als um den Nachwuchs. 30 Kinder von 10 bis 13 Jahren hat er unter seinen Fittichen. Das Besondere: Unter seinen Schützlingen befinden sich mehr Mädchen als Jungen. „Mädels sind zäher, belastbarer als die Burschen“, so seine Erfahrung.

„Das Rudern im Verein muss Spaß machen, deshalb sorgen wir für ein interessantes, abwechslungsreiches Training. Wenn dann noch 18 Medaillen wie bei den jüngsten Landesmeisterschaftenherausspringen – umso besser. Das motiviert sehr“, weiß Eulenberger. Vorbilder im eigenen Verein wie beispielsweise Bodo Schacher spornen zusätzlich an. Der 19-jährige Frankfurter, der jetzt am Olympiastützpunkt Potsdam trainiert, war im Vorjahr Vize-Weltmeister der U??19 im Zweier ohne Steuermann, wurde in diesem JahrWM-Vierter der U??23 mit dem Deutschland-Achter. „Ein Teil unseres Nachwuchses war als Zuschauer in Amsterdam dabei – ein tolles Erlebnis“, erzählt der Coach. Jessika Fuhr ist eines der anderen großen Talente. Die 17-jährige Landesmeisterin im Einer und im Vierer besucht seit kurzem die Potsdamer Sportschule.

Ulrich Eulenberger ist in Plauen geboren, kam 1960 mit den Eltern nach Frankfurt (Oder). Seemann wollte er ursprünglich werden. Als früher Brillenträger war dieser Traum jedoch schnell ausgeträumt. „Am faszinierenden Wasser aber wollte ich immer bleiben.“ Statt Ozeane überqueren blieb also das Rudern auf der Oder. Mit elf Jahren hatte er bei Ilse Büring angefangen. Weil er jedoch für diesen Wassersport nach Expertenansicht etwas zu klein geraten war, setzte man ihn als Steuermann in die Boote. Eulenberger hat sich damit arrangiert, steuert quasi heute noch die Geschicke des Vereins mit. Und hat Spaß am Ehrenamt.

„Geld ist damit nicht zu verdienen, im Gegenteil, man setzt noch zu, auch vom Urlaub“, urteilt er ohne Bitternis. Für andere Steckenpferde bleibt keine Zeit. „Rudern ist Hobby genug.“ Der gelernte Elektronik-Facharbeiter hat viel dazugelernt, sich dabei vieles selbst angeeignet, sich in der Buchführung schlau gemacht, den Trainerschein erworben und einen Bootsbauer-Lehrgang besucht. Nach dem Sechs-Stunden-Job in einer Baufirma, wo er „Mann für alles“ ist, hängt er fünfmal die Woche?noch jeweils vier Stunden Training ran. Die Wochenenden sind mit Wett- und Wanderfahrten während der Saison fast ganz ausgebucht.

Und die Saison ist lang. Sie beginnt nicht erst mit dem Anrudern im März und endet nicht mit dem Abrudern am 30. Oktober. Davor und danach gibt es Ergometer-Prüfungen, Wanderungen, Trainings- und Ski-?lager, Nikolausfeste, Fasching, Kartenspiel-Abende. „Hier ist immer etwas los. Das ist schon wie eine große Familie, mit viel Geselligkeit, und man hilft sich gegenseitig.“ Das ist es, was ihn hält, was ihn bindet.

Der Verein mit seinen 137 Mit-?gliedern von 10 bis 80 Jahren hat in seiner wechselvollen Geschichte auch einige Tiefen durchleben müssen: den Brand zum Jahreswechsel 1994/95, „als der alte Holzschuppensamt Plumsklo am Oder-Nebenarm in Flammen aufging“, das Jahrhundert-Hochwasser 1997.

Leistungs- und Freizeitsport, Sponsorensuche, Stadtbürokratie und viel Eigeninitiative beim Bau des neuen, schmucken Bootshauses prägten und prägen die mittlerweile 129-jährige Geschichte des Frankfurter RuderClubs. „Alles Elemente, die das Leben spannend machen“, sagte einst der langjährige Vorsitzende, Rainer Krabbe, der in Jens Büring einen guten Nachfolger gefunden hat. Geschichte, Gegenwart und Zukunft: „Ohne den FRC würde mir was Wichtiges fehlen“, sagt Ulrich Eulenberger völlig unpathetisch. „Man bleibt fit in der Gemeinschaft.“

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