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Dirk Bunsen 19.10.2011 07:32 Uhr - Aktualisiert 19.10.2011 11:29 Uhr

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Ukulele – der „hüpfende Floh“

(MOZ) Als Marilyn Monroe in dem Film „Manche mögen‘s heiß“ (1959) einen kurzen Auftritt mit einer Ukulele hatte, war dies mit ein Durchbruch dieser Mini-Gitarre mit nur vier Saiten. In Amerika ist sie Kult, auch Finnland und Schweden sind Hochburgen. Deutschland hinkt noch etwas hinterher, aber das Instrument wird auch hierzulande immer beliebter. Das merkt auch Harald Truetsch in seinem Berliner Laden, wo er 160 verschiedene Modelle anbietet.

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Klein, kompakt und vier Saiten: Die Ukulele wird in Deutschland immer beliebter, vier bis sechs Stück verkauft Harald Truetsch momentan am Tag.

© Sören Stache

Wenn es an der Ladentür bimmelt, kommt Harald Truetsch von seinem einen Leben ins andere. Hinten im Laden ist er Grafikdesigner, und wenn er durch die Türklingel nach vorn gelotst wird, ist er ganz in der Welt der Ukulele. Seit 35 Jahren hat er sich dieser Mini-Gitarre mit nur vier Saiten verschrieben und Anfang vergangenen Jahres aus seinem Hobby einen Laden gemacht, dem einzigen Fachgeschäft für Ukulelen in Berlin und Brandenburg.

Begonnen hatte der heute 53-Jährige mit einer Gitarre. Dann sah er eines Tages eine Ukulele. „Sie hat mich sofort fasziniert, ist klein und kompakt.“ Das müssen auch einige Mitschüler seiner Abiturklasse mitbekommen haben, als er noch im bayerischen Fürstenfeldbruck aufs Gymnasium ging. „Zu meinem 18. Geburtstag hatten sie zusammengelegt und mir eine Ukulele geschenkt“, ein No-Name-Instrument für 18 D-Mark, weiß er noch. Bis heute hat er es aufbewahrt.

Schon damals war die Ukulele nur wenig bekannt, so dass er, abgesehen von einem Freund, weit und breit als einziger dieses Ins­trument spielte. „Ich nahm die Ukele überall hin mit. Sie war klein, aber ich konnte alles darauf spielen, nur eben vier Töne höher.“

Die Ukulele wurde auf Hawaii geboren, allerdings angelehnt an eine portugiesische Braguinha, eine viersaitige Gitarre, die ein Einwanderer aus Madeira 1879 auf die Insel mitbrachte. Im Laufe der Jahre – die Einheimischen waren begeistert von diesem Instrument – bauten sie es nach und tauften es Ukulele (hawaiisch: „hüpfender Floh“), da die Finger, so eine der Erklärungen, so schnell wie ein Floh über die Saiten hüpfen. Um etwa 1915 kam die Ukulele auf das amerikanische Festland, in einer Zeit, als eine hawaiische Musikwelle die Amerikaner erreichte und begeisterte. In den 1920er Jahren begannen große Musikinstrumentenhersteller mit der Massenproduktion. „Auch heute noch ist die Ukulele in Amerika besonders verbreitet. „In vielen Clubs wird auf der Ukulele gespielt, es gibt spezielle Festivals und sogar Fernsehsendungen zum Erlernen des Instruments. Auch die meisten der weltweit rund 50 Hersteller stammen aus den USA. In Europa gehören Finnland und Schweden zu den Hochburgen der Ukulele.“

Und Deutschland ist langsam auf dem Weg dorthin. Langsam. Denn die mangelnde Präsenz der Ukulele war der Grund dafür, das Harald Truetsch seinen Laden eröffnete. Als vor einigen Jahren ein Freund zu ihm kam und ihn bat, eine Ukulele zu besorgen, brachte ihn dies fast zur Verzweiflung. Trotz des Zeitalters des Internets war kein gutes Instrument zu haben. Ohnehin ist es eine schwierige Entscheidung, eine Ukulele über Online-Shops zu kaufen, da die Klangunterschiede so groß sind. „Man muss sie in der Hand haben und ausprobieren“, sagt er. Auch Harald Truetsch hatte seine Erfahrung damit gemacht, als er für seinen Freund öfter eine Ukulele bestellte und wieder zurückschicken musste. „Das war alles Schrott.“ Und die Gitarrenläden hatten nebenher auch nur ein paar wenige Modelle, zumeist Billigangebote in ihrem Sortiment. „Dann mache ich eben selbst einen Laden auf“, ärgerte er sich. Und tat es.

Wie groß die Nachfrage war, zeigte sich unmittelbar nach der Eröffnung. „Schon nach fünf Minuten kam der erste Kunde und kaufte eine Ukulele.“ Heute gehen jeden Tag vier bis sechs Instrumente über seinen Ladentisch, die Preise schwanken zwischen 29 und 1200 Euro. Ständig hat er 160 Modelle im Angebot – ob Sopran-, Konzert-, Tenor- oder Bariton-Ukulelen, die zu den Standard-Instrumenten gehören, oder die Bass-Ukulele, die erst seit wenigen Jahren und nur von einzelnen Herstellern gefertigt wird. Noch seltener gibt es die kleine Pocket mit nur 40 Zentimeter Länge oder die Banjolele, eine Kombination aus Banjo und Ukulele. Die teuersten Standard-Ukulelen sind aus dem hawaiischen Koa-Holz, sonst aus Fichte, Mahagoni oder Zeder. Auch Ukulelen aus Kunststoff und Metall sowie E-Ukulelen hängen im „Leleland“ von Harald Truetsch.

1992 war er nach Berlin gekommen und ist hier zu einem Förderer der Ukulele geworden. Nachdem im Jahr 2005 der 1. Deutsche Ukulelenclub gegründet wurde, treffen sich die mittlerweile bundesweit über 3000 Mitglieder in ihrer jeweiligen Region zu Stammtischen. Die Berliner und Brandenburger Spieler und Interessierten fanden sich anfangs in seinem Laden zusammen, inzwischen jeden 2. Donnerstag im Monat in einer Gaststätte (Lokalität ist über die Homepage des Ukulelenclubs www.ukulelenclub.de zu erfahren). 40 bis 50 Ukulelen-Liebhaber sitzen hier beieinander, tauschen sich aus und spielen neue Songs. Ein zweites regelmäßiges Treffen soll etabliert werden, ebenso ein Berliner Festival, wofür derzeit nach einer Räumlichkeit gesucht wird.

Wenn wieder einmal das weltweit bekannte „Ukulele Orchestra of Great Britain“ in Berlin auftritt (demnächst am 21., 22. und 23. November im Tipi am Kanzleramt), dann spürt Harald Truetsch sofort einen größeren Andrang. „Die Leute kommen dann begeistert in den Laden und kaufen sich ein neues Instrument.“ Für die Anfänger bietet er auch gleich Kurse an, die ein Musikpädagoge in seinem Laden leitet. Und sein Lieblingsspieler? „Jake Shimabukuro, ein hawaiischer Virtuose. Er spielt wie ein Gott.“

(Leleland, Gneisenaustr. 52a, 10961 Berlin; Tel: 030/69 36 486; geöffnet: Mo-Fr 12-19 Uhr, Sa 12-15 Uhr)

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