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Erstmals führt der Naturschutzbund auf einer alten Ackerfläche eine Neuanpflanzung durch

Eichen und Wildrosen für Wullwinkel

Olav Schröder / 31.10.2011, 18:51 Uhr
Biesenthal (MOZ) Eine seit vielen Jahren brachliegende Ackerfläche im Biesenthaler Becken wird aufgeforstet. Am Wochenende haben Mitglieder des Naturschutzbundes (NABU) und von Wikiwoods rund 3500 Gehölze südlich von Wullwinkel gepflanzt.

Der Nebel ist auf gestiegen, wärmende Sonnenstrahlen gelangen bis zum Erdboden. Die ersten Freiwilligen sind bereits auf der von einigen Kiefernbeständen umsäumten Waldrandfläche im Einsatz und bereiten mit dem Spaten Pflanzlöcher vor. Weitere Helfer treffen ein, darunter auch Väter und Mütter mit Kindern. Insgesamt kommen so einige Dutzend zusammen, die die immerhin rund 3500 Pflanzen an diesem Tag in die Erde bringen wollen. Auf der 0,5 Hektar großen Fläche soll ein „naturnaher Wald“ entstehen. Im Gegensatz zu den umliegenden Beständen, soll er nach einer anfänglichen Pflege selbst erhalten und nicht bewirtschaftet werden, erläutert Andreas Krone vom Naturschutzbund. NABU-Schutzgebietsbetreuer behalten sie dafür im Auge.

In der Mehrzahl sind es zweijährige Traubeneichen, aber auch Buchen, Linden und andere Laubbäume. Als Übergang zur übrigen Landschaft wurde ein Randstreifen mit Wildrosen und Wildobst angelegt.

Dass es sich bei der Fläche um einen ehemaligen Acker handelt, ist kaum mehr zu erkennen. Viele Jahre wurde dort nichts angebaut. Eine Handvoll Kiefern und Eichen habe sich auf dem sandigen Boden entwickelt. Die NABU-Stiftung erwarb die Fläche von einem Privatmann einschließlich der bereits bestehenden Verpflichtung zur Aufforstung. Ähnliche Flächen hatte nach der Wende zunächst die Treuhand übernommen.

Die Umzäunung, die die Pflanzen vor Wildverbiss schützt, wurde ausgebessert. Auf die folgen eines fehlenden Schutzes macht Andreas Krone aufmerksam. Er deutet auf eine mehrjährige, aber dennoch nurknöchelhohe Eiche. „Die Blätter wurden immer wieder abgefressen. Und statt eines Stammes hat die Pflanze viele Verzweigungen“, sagt er. Gleichwohl bleibt das „verkrüppelte“ Bäumchen stehen. Es kann kleinem Getier mehr Lebensraum bieten als schlanke, gerade gewachsene Bäume, wie man sie von der Holzbewirtschaftung her kenne. Zusätzlichen Schutz für die jungen Pflanzen sollen die aufgestellten „Hochsitze“ für Greifvögel bringen. Sie sollen die Zahl der Mäuse in Schach halten, die sich in harten Wintern an den Jungpflanzen laben.

Es ist das erste Mal, dass der NABU im Biesenthaler Becken eine Fläche völlig neu aufforstet. Zupflanzungen beispielweise unter Kiefern gab es schon öfter. Mitunter wurde auch die Vogelwelt eingesetzt. So wurden auf Häherbrettern, Eicheln ausgelegt, berichtet Andreas Krone. Für die Ausbreitung des Baums im Kiefernwald sorgten sodann Eichelhäher.

Volker Kreuchel von der Barnimer Naturparkverwaltung bereitet die Pflanzstreifen mit einer Motorfräse vor. So wird der Boden mit dem dichten Bewuchs aus?Gras und Wildpflanzen aufgelockert, die Spaten dringen leichter in den Boden ein. „Die Wurzeln der Eichen benötigen geräumigere Pflanzlöcher. Bei mehr als 3000 Pflanzungen ist das eine ganze Menge Arbeit, die durch die Fräse erleichtert wird“, sagt Volker Kreuchel. Der Arbeitsgang bringt zwei weitere Vorteile: zum einen werden gleichzeitig zertifizierte Eicheln untergepflügt, aus denen ebenfalls neue Bäume entstehen. Und zum anderen können auch Kinder beim Pflanzen mithelfen. Das taten die dreijährige Ylva-Blum Richter und ihr zehnjähriger Bruder Jaime. Sie waren mit ihren Eltern von der Stiftung WaldWelten, die gemeinsam von der Stadt Eberswalde und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde gegründet wurde, ins Biesenthaler Becken gekommen. Allein aus Eberswalde nahmen so rund zehn Helfer an der Aktion teil.

Ein weiteres Mal hat sich Wikiwoods an einer Aktion im Biesenthaler Becken beteiligt. Die Internetplattform informiert über Pflanzaktionen. Auf diese Weise kamen diesmal rund 20 Helfer aus Berlin dazu. „Es ist gut, wenn eine Pflanzstelle mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist“, sagt Jacqueline Drese von Wikiwoods. So war im Vorfeld auch über die Busverbindung nach Wullwinkel und über die Organisation von VBB-Gruppenkarten informiert worden.

Damit die nun gesetzten Pflanzen auch gedeihen, wurde auf ihre Herkunft geachtet, so Andreas Krone. „Es hilft wenig, wenn man schöne Pflanzen aus einer anderen Region ersteht, die aber andere klimatische Bedingungen gewohnt sind“, sagt er. Das zertifizierte Pflanzmaterial wurde daher in der Forstbaumschule in Eichhorst erworben. Weitere Vorteile sind der kurze Transportweg und dass die Pflanzen schon bald wieder im Boden sind, die feinen Wurzeln keinen Schaden nehmen.

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