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Mehrere Agenturen vermitteln in der Hauptstadt schon jetzt Weihnachtsmänner und Engel

Himmlische Geschäfte

Weihnachtsmänner und ihre weiblichen Begleitungen präsentieren sich in Berlin auf Segway-Rollern den Fotografen.
Weihnachtsmänner und ihre weiblichen Begleitungen präsentieren sich in Berlin auf Segway-Rollern den Fotografen. © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 03.11.2011, 20:10 Uhr - Aktualisiert 04.11.2011, 08:10
Berlin (MOZ) Schon vor der Adventszeit starten die Weihnachtsmänner ihr Geschäft. Am Donnerstag trafen sich die Nikoläuse in voller Montur in Mitte.

Jens Mehlbaum legt viel Wert auf sein Äußeres. Der flauschige rote Mantel muss sitzen, der Bart darf nicht verrutschen, die Schminke sollte nicht zu dick aufgetragen sein. „Ein gutes Kostüm ist schon die halbe Miete“, sagt der Architekturstudent. Seit sechs Jahren zieht er an Heiligabend los und macht Familien glücklich. Mehlbaum ist Weihnachtsmann.

Seine Aufträge erhält der 26-Jährige von der Uni-Arbeitsvermittlung „Heinzelmännchen“, die seit über 60 Jahren Männer für Bescherungen vermittelt. Die Geschäfte laufen bereits Anfang November gut, berichtet Stephan Antczack, der seinen echten Rauschebart mit grauer Farbe aufgepeppt hat. 600 Aufträge seien schon eingetroffen. Über 5000 werden es erfahrungsgemäß.

Gestern läuteten Weihnachtsmänner und Engel in Mitte die Saison ein. Neben „Heinzelmännchen“ präsentierten sich weitere Berliner und Brandenburger Anbieter, die sich auf Besuche unterm Tannenbaum spezialisiert haben. Gleichzeitig wurden karitative Projekte besprochen, die von den Einnahmen mitfinanziert werden – etwa für obdachlose Jugendliche.

Die „Engel-Agentur“ aus Schulzendorf (Dahme-Spreewald) schickt zum Fest weiß gekleidete und beflügelte Damen ins Rennen. Ines Werz ist eine der Grazien. „Man kommt immer in eine festliche Atmosphäre, das macht die Arbeit so einzigartig“, sagt die Studentin mit den blond gelockten Haaren. Genaue Absprachen im Vorfeld mit den Eltern können Pannen verhindern.

Neben ihr steht Frank Knorre von der „Berliner Weihnachtsmannzentrale“, der seit 1980 in „himmlischen Diensten“ steht. Seit einigen Jahren leitet er eine eigene Agentur. Seine Kollegen kennt er schon sehr lange, einer war sogar schon zu DDR-Zeiten auf Adventsmärkten aktiv. „Professionell geschminkt von der Staatsoper“, erzählt Knorre.

Der Firmenchef, der noch persönlich den Weihnachtsmann spielt, legt viel Wert auf Regeln. Höflich sollen seine Mitarbeiter sein und vor allem pünktlich. Ein Schnäpschen mit den Familienvätern ist ebenso tabu wie Kettenrauchen. Seine Vorgabe, die er den 100 Teilzeitbeschäftigten mit auf den Weg gibt: Ihr müsst heilige Stimmung schaffen.

„Wir liefern den Moment des Jahres, den sollte man nicht versauen“, meint der 51-Jährige. Er hat im Laufe der Jahre viel Erfahrung gesammelt. So sollten die Geschenke nicht zu früh aus dem Sack geholt werden, da sonst sein Auftritt nebensächlich wird. Und wer sich bei einem Termin zu viel Zeit nimmt, vergeigt den nächsten. „Ich fahre meine Strecke lieber vorher ab“, verrät er.

 

Für die Weihnachtsmänner ist der Einsatz durchaus lukrativ: Zwischen 300 und 400 Euro verdiene er am Abend, sagt Mehlbaum. Bis zu zwölf Termine schafft er. Das Geld wird nach erledigter Arbeit meist im Umschlag überreicht. Trinkgelder seien üblich. „Für die armen Rentierchen“, heißt es dann. Der Student wiederum fliegt von dem Honorar auch mal in den Kurzurlaub. Andere schlüpfen selbst nach einer längeren Pause und mitten im Berufsleben stehend wieder in den roten Mantel. Etzard van Hove ist Betriebswirtschaftler, hat für eine Bank mit Wertpapieren gehandelt und ist jetzt Unternehmer. „Der Job als Weihnachtsmann ist erfüllend“, meint er. „Mir hat das gefehlt, ehrlich.“ Jetzt startet er in seine achte Saison.

 

Das Studentenprojekt„Heinzelmännchen“ freut sich über diese Rückkehrer. Geeignetes Personal lässt sich immer schwerer finden. „Wer etwas schauspielerischen Ehrgeiz zeigt, kann eine gute Karriere starten“, sagt der Organisator Bernd Skischally.

Weihnachtsmann-Hotline von „Heinzelmännchen“: 030 939397711

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